In dieser kleinen Nachricht steckt eine große Botschaft: „Wir haben in den vergangenen Monaten erfolgreiche Finanzierungsgespräche mit klassischen Banken geführt“, sagte Dirk Zingler. Und: „Unser Ziel ist es, dass im ersten Quartal 2018 alle Finanzierungsverträge unterzeichnet werden, die die Stadionerweiterung betreffen.“

Das bedeutet: Der 1. FC Union ist ein wirtschaftlich vertrauenswürdiger Partner geworden. Für den Ausbau der Alten Försterei ist der Verein nicht auf windige Spekulanten angewiesen, weil die Banken wissen, dass der Klub in der Lage ist, Hypotheken zurückzahlen.

Es ist zur Gewohnheit geworden, dass der Union-Präsident den Mitgliedern bei ihrer jährlichen Zusammenkunft schwarze Zahlen präsentiert. Am Mittwochabend in der Ballsporthalle Hämmerlingstraße vor 765 Anwesenden geschah dies im neunten Jahr hintereinander. „Früher mussten wir Entscheidungen sehr schnell treffen, wir waren nur am Reagieren. Seit einigen Jahren sind wir in der Phase des Agierens“, sagte Zingler. Dass die Einnahmen in der Saison 2016/17 die Ausgaben um 1,13 Millionen Euro überstiegen haben, ist ein bemerkenswerter Rekord. Das negative Eigenkapital sinkt auf 11,67 Millionen Euro; bereinigt um die mit einem Rangrücktritt versehenen Darlehen von Michael Kölmel reduzieren sich die Schulden sogar auf 2,97 Millionen Euro.

Union im Stadion erleben 

Der Handlungsspielraum, der dadurch entsteht, zeigt sich am Stadionausbau. Vor allem aber im Bereich, der Kern des Ganzen ist: Fußball. Weil in allen anderen Bereichen gut gewirtschaftet wird, konnte es sich Union im Sommer trotz lukrativer Angebote leisten, den Verkauf von Spielern abzulehnen. „Für uns waren das Beträge in enormer Höhe. Wir haben auf Transfererlöse bewusst verzichtet, weil die Qualität der Mannschaft das Wertvollste im Verein ist“, erklärte Zingler. Allein die „sonstigen betrieblichen Erträge“, zu denen unter anderem das Merchandising gehört, sind im Vergleich zur Vorsaison um knapp vier Millionen gestiegen. Im Frühjahr soll der erste Fanshop außerhalb Köpenicks öffnen. Zingler: „Im Zentrum Berlins.“

Stadionausbau erst 2019

Zwischen all die riesigen Geldbeträge packte er einen ihm sehr wichtigen Appell: „Wir streben den Aufstieg an und wollen unser Stadion erweitern. Das werden wir nur schaffen, wenn alle im Verein bereit sind, Besonderes zu leisten.“ Zudem bringt es der Erfolg mit sich, dass komplizierte Entscheidungen getroffen werden müssen, wie die, das Reservierungsrecht für Dauerkarteninhaber ohne Mitgliedschaft aufzuheben. „Wir haben uns getraut, uralte Rechte zu brechen“, verteidigte Zingler im Vorgespräch den Beschluss. „Wir wollen mehr Menschen die Möglichkeit geben, Union im Stadion zu erleben.“ Nicht nur den Alteingesessenen heißt das. „Sonst entwickelt sich nichts weiter. Wir haben versucht, das geringste Übel zu finden.“ Dass dahinter das Streben steht, Menschen zum Vereinsbeitritt zu bewegen, bestritt Zingler.

18.535 Mitglieder sind es mittlerweile, und der Union-Boss erwartet, dass bis Jahresende die Marke von 20.000 übertroffen wird. Das wären mehr, als in den Heimbereich an der Alten Försterei passen. Ein Problem, dass erst mit dem Stadionausbau gelöst wird. Der Klub würde gerne im zweiten Halbjahr 2019 mit dem Bau beginnen. Davor hat das Gesetz aber das Bebauungsplanverfahren gesetzt. Und das ist so unwägbar wie ein Fußballspiel. Anwohner können klagen, und im Abgeordnetenhaus kann es zur Verlängerung kommen, ehe Union sein Geld ausgeben darf.