Hertha-Fans bei dem Derby letzten November.
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BerlinHertha BSC ist seit Donnerstag im Besitz eines neuen Rekordes in der Ersten Fußball-Bundesliga – allerdings handelt es sich um eine Bestmarke, auf die der Klub absolut nicht stolz sein kann. Im Gegenteil. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes hat die Berliner für die drastischen Vorkommnisse während des hochemotionalen Stadtderbys beim Aufsteiger 1. FC Union am 2. November vorigen Jahres im Stadion an der Alten Försterei mit einer Rekordstrafe belegt.

Wegen „fortgesetzten unsportlichen Verhaltens“ der Hertha-Anhänger muss der Klub 190.000 Euro bezahlen. Etwa ein Drittel der Summe – rund 63.000 Euro – kann Hertha für gewaltpräventive und sicherheitstechnische Maßnahmen verwenden.  Hertha löste im „Strafen-Ranking“ nun Mainz 05 ab. Die Mainzer mussten nach dem DFB-Pokalspiel im August 2019 beim 1. FC Kaiserslautern 166.000 Euro zahlen, weil ihre Fans auf dem Betzenberg Unmengen an Leuchtfackeln gezündet hatten.

DFB hätte Hertha noch drastischer bestrafen können

Ob vor allem Erleichterung bei Herthas Klubchefs trotz der heftigen Strafe vorherrschte, war nicht zu erfahren. Fakt ist: Hertha hat dem Urteil zugestimmt. Die in dieser Höhe im deutschen Fußball noch nie dagewesene Geldstrafe scheint die letzte Warnung gewesen zu sein.

Denn nach den schlimmen Ereignissen beim Derby hätte der DFB auch zu noch drastischeren Mitteln greifen können, etwa einem sogenannten Geisterspiel, also einem Duell ohne Zuschauer. Möglicherweise ist der Hauptstadtklub daran knapp vorbeigeschrammt. Beim Derby hatten Anhänger der Blau-Weißen Leuchtraketen abgeschossen, die auf dem Spielfeld landeten und eine auch im Union-Block, wo ein Fan leichte Verbrennungen erlitt.

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Dazu wurden bengalische Feuer gezündet und weitere Leuchtraketen, die direkt neben den Spielern einschlugen. Dem umsichtigen Schiedsrichter Deniz Aytekin war es damals zu verdanken, dass es nicht zum Spielabbruch oder zu Randale kam. Aber auch Union droht eine Strafe von 158.000 Euro – vor allem wegen unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger und einem nicht ausreichenden Ordnungsdienst.

Vereinsführung und Fanszene jetzt in der Pflicht

Die Rekordstrafe nimmt auch die Vereinsführung von Hertha in die Pflicht – genauso wie die Fanszene, die bei Hertha überwiegend friedlich ist. Rund 2400 Hertha-Fans waren in der Alten Försterei, nur eine Minderheit flippte aus, was die Sache nicht besser macht, weil sie den gesamten Verein enorm geschädigt hat. Immer wieder wird über die Legalisierung der Pyrotechnik diskutiert, über eigene Zonen im Stadion zum Abfackeln oder über „kalte“ Pyros. Das führte bislang zu keinen Ergebnissen, weil nicht alle Beteiligten – Vereine, Verbände, Fans und auch die Politik – wirklich ernsthaft zusammengekommen sind.

Die Ereignisse beim Derby seien intern ausgiebig aufgearbeitet worden, war von Hertha zu erfahren. Geschäftsführung und Fanvertreter sind im ständigen Austausch, der Kontakt mal besser, mal schlechter. Alle zusammen – Verein und seine Anhängerschaft – müssen nun noch enger zusammenwirken, um solche Vorkommnisse wie an der Alten Försterei künftig zu vermeiden. Eine Seite allein kann das nicht, das ist utopisch.

Herthas Präsident Werner Gegenbauer hatte auf der Mitgliederversammlung unmittelbar nach dem Stadtderby gesagt: „Das Verhalten einiger Fans ist durch nichts zu rechtfertigen. Es ist schlicht und einfach kriminell.“ Genau so ist es.