Das feurige Derby zwischen dem 1. FC Union und Hertha BSC hat Rekordstrafen für beide Klubs nach sich gezogen.
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BerlinHertha BSC war am Donnerstag bemüht, die Angelegenheit, welche den Hauptstadtklub auf seinem ambitionierten Weg in die höchsten Höhen des deutschen Fußballs doch ziemlich belastet hatte, schnellstmöglich ad acta zu legen. Anfang November hatten Anhänger der Blau-Weißen beim ersten Bundesliga-Derby zwischen ihrem Klub und dem 1. FC Union im Stadion An der Alten Försterei aus dem Gästeblock mehrfach Pyrotechnik gezündet und Leuchtraketen auf das Spielfeld und in die umliegenden Blöcke geschossen. Ein Fan der Unioner wurde leicht verletzt.

Nun, knapp drei Monate später, schloss Hertha BSC die Vereinsmitteilung zum mit Sorgen erwarteten Urteil des DFB-Sportgerichtes mit den merklich erleichterten Worten: „Mit diesem Urteil findet ein umfassendes und langwieriges Verfahren zur Aufbereitung der Vorfälle [...] auf sport- und verbandsrechtlicher Ebene sein Ende.“ Thema vom Tisch, erledigt, finito.

Die Angst vor einem Geisterspiel

Trotz der ligaweiten Rekordstrafe von 190.000 Euro, von denen die Charlottenburger 63.000 Euro in sicherheitstechnische und gewaltpräventive Maßnahmen investieren müssen, war es dem selbst ernannten „Big City Club“ von vornherein ein Anliegen, der in der Höhe bislang einzigartigen Summe, bei der laut Urteilstext auch die hohen Strafen für die Ausschreitungen im Pokalspiel in Rostock 2017 (100.000 Euro) und für das Ligaspiel in Dortmund 2018 (135.000 Euro) erschwerend einbezogen wurden, ohne Widerworte zuzustimmen. Denn beim Klub ist man sich sicher, dass es für Hertha − für Berlin! − nach dem neuerlichen Fehlverhalten im Derby auch weitaus schlimmer hätte kommen können.

Nicht wenige fürchteten nach den zahlreichen Vorkommnissen in der Vergangenheit nämlich mindestens einen Zuschauer-Teilausschluss beim Derby-Rückspiel im März, wenn nicht sogar ein Geisterspiel im Olympiastadion. Es wäre eine Katastrophe für die Stadt gewesen, die sich so lange nach einem echten Hauptstadtduell auf höchstem Niveau gesehnt hat. Vom horrenden Image-Schaden für den blau-weißen Klub, der eigentlich gerade daran arbeitet, neue Sympathien in und um Berlin aufzubauen, ganz zu schweigen. Das Bild von vermummten, Pyrotechnik zündenden Fans passt nicht zum Selbstbild des Vereins. Eine Berufung gegen das Urteil hätte dieses in der Öffentlichkeit  wieder in Erinnerung gerufen.

Der 1. FC Union ist keine Ermittlungsgruppe.

Christian Arbeit, Sprecher des Bundesligisten aus Köpenick, über die Suche nach den Vermummten, die nach dem Derby gegen Hertha BSC den Platz gestürmt haben.

Solche Image-Sorgen hat man im Südosten Berlins indes nicht. Und so verwunderte es kaum, dass sich der 1. FC Union, anders als der Konkurrent aus dem Westteil der Stadt, dem Strafantrag des DFB-Sportgerichtes nicht so demütig beugte. Für das Zünden von Bengalos und Rauchtöpfen, dem unkontrollierten Einlass von rund 250 Union-Fans vor dem Spiel, sowie dem Platzsturm vereinzelter, vermummter Chaoten, die nur mit Mühe von Ordnern und Spielern der Eisernen zurückgedrängt werden konnten, beantragte das Gericht für Union eine Strafe von 158.000 Euro.

Eine massive Steigerung zur bisherigen Rekordsumme von rund 57.000 Euro, die die Köpenicker für den Platzsturm nach dem Aufstieg im Mai 2019 berappen mussten. Sogar das Gesamtstrafvolumen der kompletten Aufstiegssaison 2018/19 (125.000 Euro) würde die aktuelle Forderung deutlich übersteigen.

In Köpenick fragt man deshalb leise nach der Verhältnismäßigkeit, immerhin unterschreitet die Strafe der Eisernen die der in der Vergangenheit vielfach zur Kasse gebetenen Herthaner mit 32.000 Euro nur wenig. Offiziell erklärte Vereinssprecher Christian Arbeit, dass man den Strafantrag innerhalb der Widerspruchsfrist in Ruhe prüfen wolle.

Warten auf die Polizei

Für den 1. FC Union hängt an diesem Schritt zudem das weitere interne Vorgehen in der Aufarbeitung des Derbys. Für gewöhnlich tut sich der Klub schwer, eigene Fans aufgrund von Vergehen im Stadion An der Alten Försterei zu bestrafen. Wo andere Vereine präventiv mal eben ganze Fangruppen ausschließen, betonte Arbeit im aktuellen Fall: „Der 1. FC Union ist keine Ermittlungsgruppe und die Bilder der Sicherheitskameras reichen noch nicht für die konkrete Identifizierung potenzieller Unruhestifter. Wir benötigen Namen, Wohnorte. Das zu ermitteln, ist Aufgabe der Polizei. Es gibt Fälle, in denen solche Ermittlungen zwei Jahre gedauert haben.“ Bei den Eisernen überwiegt also eher der Wunsch nach Gerechtigkeit, als nach einem schnellen Ende der Aufarbeitung.