Berlin - Bob-Dominator Francesco Friedrich hat auf seiner Hausbahn auch in der Königsdisziplin triumphiert und damit sein elftes WM-Gold gewonnen. Der Doppel-Olympiasieger machte zum Abschluss der Weltmeisterschaft in Altenberg im großen Schlitten sein bereits viertes WM-Double in Serie perfekt - das schaffte keiner vor ihm.

Komfortable 79 Hundertstel betrug Friedrichs Vorsprung nach vier Läufen auf seinen österreichischen Kumpel Benjamin Maier, den der Sachse kurioserweise finanziell unterstützt. Der Vorjahreszweite Johannes Lochner kämpfte mit seinem Material, raste aber dennoch zur Bronzemedaille. Der dritte deutsche Starter Christoph Hafer verpasste als Sechster das Podest.

Zuvor hatten bei der WM-Premiere im Monobob der Frauen bereits Stephanie Schneider und Laura Nolte hinter Siegerin Kaillie Humphries Silber und Bronze gewonnen - zwei Medaillen, die angesichts der bislang wackligen deutschen Leistungen im Einzelschlitten nicht unbedingt eingeplant waren. Hinter dem Podium sorgten die Berlinerin Mariama Jamankaals Vierte sowie die WM-Zweite Kim Kalicki (Wiesbaden) als Sechste für ein starkes deutsches Gesamtergebnis in der neuen olympischen Disziplin.  „Wir haben unsere Ziele übertroffen“, sagte Bundestrainer Rene Spies zufrieden. 

Für Schneider endete die WM trotzdem versöhnlich, im Zweier-Rennen hatte sie in der Vorwoche als Vierte das Podest knapp verfehlt. „Umso schöner, dass es jetzt geklappt hat“, sagte die 30-Jährige, die im letzten Durchgang noch an Nolte vorbei auf Rang zwei gerast war. 

Friedrichs Triumph im Vierer, der „Formel 1 des Winters“, war hingegen abzusehen. Der Perfektionist, der sich bereits in der Vorwoche durch seinen Sieg im Zweier zum alleinigen Rekordweltmeister gekrönt hatte, ist seit nun fünf Großereignissen ungeschlagen. Ein Jahr vor den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking scheint die Konkurrenz angesichts dieser Dominanz machtlos.

Das zeigte sich auch am Wochenende im Osterzgebirge, wo der frühere Zehnkämpfer aus dem Altenberger Stadtteil Oberbärenburg wie im Vorjahr den Heimvorteil genoss - und ihn gnadenlos ausspielte. Friedrich konnte sich am Sonnabend sogar ein „Malheur am Start“ erlauben, und trotzdem führte er dank einer perfekten Linie das Feld zur Halbzeit bereits mit 0,38 Sekunden an. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag er in der Endabrechnung nur mit fünf Hundertsteln vorn.

Im tückischen und 1413 m langen Eiskanal nutzte Friedrich am Sonntag mit seinen Anschiebern Thorsten Margis, Candy Bauer und Alexander Schüller all seine Erfahrung, der Vorsprung wuchs weiter. Noch vor dem abschließenden vierten Durchgang hatten die WM-Organisatoren die deutsche Flagge für die Siegerehrung am unteren Teil des Fahnenmastes angebracht.

Für Friedrich endete im bitterkalten Altenberg eine nahezu perfekte Saison. Nur einmal musste sich der 30-Jährige im kleinen Schlitten im Weltcup seinem Teamkollegen Lochner geschlagen geben. Ein Schönheitsfehler in seiner unglaublichen Bilanz, die in diesem Winter auch auf die Schwäche der Konkurrenz zurückzuführen ist. Die einzige große Bestmarke, die Friedrich noch fehlt, sind die vier Olympischen Goldmedaillen von Bob-Ikone Andre Lange.

Dieses Ziel kann der Rekordjäger in einem Jahr in Peking erreichen - und er arbeitet bereits jetzt mit Hochdruck daran. Die WM-Rennen im Vierer nutzte der Dominator auch, um einen potenziellen Olympia-Schlitten unter Wettkampfbedingungen auszutesten. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen.