Matthias Sammer ist in Deutschland als TV-Fußballexperte die klare Nummer eins. Das hat der 51-Jährige auch am Donnerstagabend einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wenngleich das mal wieder viel zu wenig Menschen mitbekommen haben. Sammer war nämlich vor, während und nach dem ersten Relegationsspiel zur Fußball-Bundesliga zwischen dem VfB Stuttgart und dem 1. FC Union nur für die Abonnenten des Streaming-Dienstes Eurosport Player, der die Übertragungsrechte für die Ausscheidungsspiele exklusiv hat, sicht- und hörbar. Großartig einmal mehr, mit welcher Leidenschaft der ehemalige Nationalspieler dabei zu Werke ging, beeindruckend, wie er die Dinge auf den Punkt brachte.

"Die Underdog-Rolle hat sich sehr gedreht"

So urteilte er nach dem 2:2 über die Leistung und die sich daraus ergebende Ausgangssituation für das Rückspiel am Montag der Köpenicker wie folgt: "Berlin war am Sonntag noch mental am Boden, dafür ein großes Kompliment. das musst du erst mal schaffen, hier am Donnerstag so aufzutreten und sportlicher besser zu performen als in Bochum. Ich bin sehr gespannt auf den Montag, denn die Underdog-Rolle hat sich sehr gedreht."

Schließlich zielte er auch noch bewusst auf eine Regel, die Unions Christopher Trimmel und Felix Kroos beim Showdown an der Wuhlheide in die Zuschauerrolle zwingt. Sammer sagte: "Das ist eine merkwürdige Regel mit den Karten. Ich finde, wenn eine Relegation gespielt wird, müsste alles auf Null gesetzt sein."

Nun lässt sich natürlich streiten, ob der Ausfall der beiden tatsächlich eine arge Schwächung für das Team von Trainer Urs Fischer ist. Trimmel wackelte nämlich in Stuttgart doch arg, wenn die Gegenspieler mit hohem Tempo gegen ihn ins Dribbling gehen. Und Kroos darf in diesen Tagen, die womöglich seine letzten beim 1. FC Union sind, ja grundsätzlich nicht als Stammkraft, sondern eher als Alternative wahrgenommen werden.

Trimmel über Gelb-Sperre: "Es schmerzt gar nicht"

Andererseits sind die beiden, das hat sich auch in dieser Saison wiederholt gezeigt, mit ihrer guten Schusstechnik bei Standardsituationen doch ein wesentlicher Faktor. Bei Trimmel kommt noch hinzu, dass er für Fischer als Spielführer erster Ansprechpartner ist, in der Spielvorbereitung, aber natürlich auch während des Spiels, wenn es darum geht, zwischen Bank und Platz zu vermitteln.

Über seine Gelb-Sperre wollte Trimmel nicht lamentieren: "Es schmerzt gar nicht", gab der Österreicher vor. Und erklärte: "Ich habe das Vertrauen in den guten Kader. Ich musste da reingehen, das ist Fußball." Fischer, ganz der Realist, fügte an: "Ich finde sie komisch die Regel. Nur, sie ist so und damit müssen wir klarkommen. Ich bin aber zuversichtlich, dass die anderen Spieler, die bereitstehen, das gut machen werden." Davon ist auszugehen, im Besonderen da Fischer doch ein ziemlich gutes Händchen bei der Wahl seines Personals hat.

Bei der Prognose für das Spiel am Montag kann man sich getrost noch einmal an Sammer orientieren. Er sagte: "Es gibt einen Vorteil für den Außenseiter. Trotzdem bin ich der Meinung, dass sich der Zweitligist zuhause erst beweisen muss." Zuhause bedeutet aber das Stadion An der Alten Försterei, dass aufgrund seiner Eigenart der entscheidende Faktor pro Union werden könnte.