Relegation Bundesliga 2012: Hin und Hertha

Berlin/Düsseldorf - Das Image von Hertha BSC hat bereits gewaltigen Schaden genommen - zwei Tage vor dem Urteil des DFB-Bundesgerichts spaltet die Strategiefrage nun auch noch die entscheidenden Personen. Klub-Präsident Werner Gegenbauer pfiff seinen Star-Anwalt Christoph Schickhardt am Mittwochnachmittag öffentlich zurück. Schickhardt hatte zuvor erklärt, die Berliner würden auch im Fall einer erneuten Niederlage im Kampf gegen die Wertung des Relegationsspiels bei Fortuna Düsseldorf auf den Gang in die nächste Instanz verzichten. Gegenbauer dagegen hält sich alle Optionen offen und sprach Worte, die Schickhardt nicht schmecken dürften.

Mitgliederversammlung am Dienstag

„Unser rechtlicher Beauftragter hat das etwas weniger differenziert dargestellt“, sagte der 61-Jährige. „Egal, wie das Urteil lautet, wir werden uns die Begründung genau ansehen.“ Anschließend solle über weitere Schritte entschieden werden, eventuell sogar in Abstimmung mit den Vereinsmitgliedern. „Es ist durchaus eine Überlegung wert, ein breiteres Statement zu bekommen“, sagte Gegenbauer.

Am 29. Mai findet bei der Hertha eine mit Spannung erwartete Mitgliederversammlung mit Präsidiumswahl statt. Im Zuge des Einspruchs der Berliner hatte sich Schickhardt offensiv positioniert. „Es soll am Freitag entschieden werden. Wir akzeptieren die Autorität der Sportgerichtsbarkeit und fühlen uns dort auch gut aufgehoben. Damit ist der Instanzenzug innerhalb des DFB endgültig abgeschlossen“, sagte Schickhardt vor dem Verhandlungstermin am Freitag (12.30 Uhr). Nächste Instanz wäre des Schiedsgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Hertha will Verfahrensfehler nachweisen

Das Sportgericht des DFB hatte am Montag den Einspruch der Berliner gegen die Spielwertung abgewiesen. In der Verhandlung vor dem Bundesgericht will die Hertha nun Verfahrensfehler anhand von Video-Aufzeichnungen nachweisen. Die Sequenzen waren in erster Instanz nicht als Beweismittel zugelassen worden. „Wir haben die Pflicht, alles für Hertha BSC zu tun“, sagte Gegenbauer. Schickhardt gab sich zuversichtlich, dass Herthas Chancen am Freitag deutlich besser sein werden.

„Es gibt keine Niederlage. Nach der mündlichen Erläuterung des Urteils haben wir viele stichhaltige und handfeste Gründe, gegen die Entscheidung vorzugehen“, sagte der Jurist.

Langer Nachmittag droht

Nach Einschätzung des Anwalts steht am Freitag wieder eine lange Sitzung bevor: „Es wird sich einige Stunden hinziehen.“ Im Falle einer Entscheidung pro Hertha hätte auch Düsseldorf noch Gelegenheit, das Schiedsgericht anzurufen.

Schickhardt behauptete, die Umstände, die zum Abbruch des Skandalspiels geführt hatten, seien vom Sportgericht falsch eingeschätzt worden. „Das Urteil in erster Instanz hat sich leider viel zu viel mit Umständen befasst, die rechtlich irrelevant sind. Es hat dadurch den Kern des Verfahrens aus den Augen verloren. Wir werden es jetzt zum Kern des Verfahrens zurückführen.“

Düsseldorf lässt sich nicht ablenken. „Wir konzentrieren uns auf das Verfahren. Was Hertha für danach schildert, ist unerheblich. Wir nehmen das lediglich zur Kenntnis“, sagte Fortuna-Präsident Peter Frymuth.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei Spieler

Ohnehin hat die Fortuna noch eigene Sorgen: Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ermittelt jeweils wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Sprengstoff-Gesetz gegen zwei Fortuna-Profis. „Das stimmt. Der Erwerb dieser Bengalo-Fackeln ist zwar erlaubnisfrei, aber sie dürfen nur zweckgerecht, das heißt beispielsweise als Notfackel, gezündet werden - nicht zu Partyzwecken“, sagte Staatsanwalt Ralf Herrenbrück dem SID und bestätigte eine entsprechende Meldung des Express.

Die Ermittlungen gegen die Spieler - nach SID-Informationen sind dies Andreas Lambertz und Maximilian Beister - „dauern an, aber eine strafrechtliche Würdigung steht noch aus“, sagte Herrenbrück, der keine Namen nannte.

Fortuna-Kapitän Lambertz hatte nach dem Abpfiff auf dem Platz ein Bengalisches Feuer in der Hand gehalten, Beister während der Aufstiegsfeier in einer Diskothek eine Fackel entzündet. Indes sieht der Ordnungsdienst der Düsseldorfer keine Versäumnisse seinerseits. „Konkrete Fehler kann ich nicht erkennen“, sagte Michael Lindemann, Chef des Sicherheitsdienstes in der Esprit-Arena, der Bild-Zeitung. Es sei allerdings „völlig normal, dass man sich jetzt überlegt, wo man optimieren kann und was wir aus solchen Vorfällen ableiten müssen“. (sid)