Relegation Rückspiel: FC Union - VfB Stuttgart: Eiserne wollen ihre bescheidene Bilanz aufbessern

Der 12. Juni 1982 ist ein guter Tag für den 1. FC Union gewesen. Und für Uwe Borchardt, weil er gegen die BSG Chemie Böhlen den Siegtreffer zum 2:1 erzielte. Er erzielte das Tor, das den Sprung in die DDR-Oberliga besiegelte. Borchardt kam in acht Partien dieser Aufstiegsrunde auf insgesamt vier Treffer.

Fast auf den Tag genau 37 Jahre später wollen die Eisernen wieder hoch hinaus. An diesem Montag schicken sie sich an, als  56. Verein in die Fußball-Bundesliga aufzusteigen. Dazu reicht ihnen im Relegations-Rückspiel gegen den VfB Stuttgart nach dem 2:2 aus dem Hinspiel ein 0:0 oder 1:1. Allerdings: In zehn Anläufen während der 53-jährigen Vereinsgeschichte, in Aufstiegsrunden oder Duellen um den Klassenverbleib, erreichte der 1. FC Union nur zweimal sein Ziel.

1973/74: Union geht als einer von fünf Staffelsiegern der DDR-Liga in die Aufstiegsrunde zur Oberliga. Als Dritter verpassen die Berliner wegen der um einen Treffer schlechteren Tor-Differenz gegenüber dem punktgleichen Team von Vorwärts Stralsund den Sprung ins Oberhaus.

1974/75: Nach dem erneuten Staffelsieg verpasst Union in der Aufstiegsrunde der Oberliga-Aufstieg deutlich: Letzter wird die Mannschaft, nur ein Sieg gelingt ihr. Vor allem das 1:5 gegen Energie Cottbus verärgert selbst treue Fans.

Matthies wird zum Helden

1975/76: Hinter Hansa Rostock reicht es in der dritten Aufstiegsrunde nacheinander zum ersehnten Aufstieg in die höchste DDR-Spielklasse. Auf sich aufmerksam macht Torhüter Wolfgang Matthies, der in der anschließenden Saison  bei den Sensationssiegen über den ungeliebten Lokalrivalen BFC Dynamo zum Helden der Unioner wird.

1980/81: Wegen akuter Auswärtsschwäche scheitert Union erneut in der Aufstiegsrunde. Obwohl Chemie Buna Schkopau daheim mit 4:1 Toren abgefertigt wird, landen die Köpenicker am Ende nur auf Rang drei hinter dem krassen Außenseiter, der erstmals in die Oberliga aufsteigt.

1981/82: Ein Jahr später jubelt Union bisher zum letzten Mal nach einer Relegation. Wegen Rekordtorjäger Uwe Borchardt. Er schießt die Eisernen wieder in die Oberliga. Vier Heimsiege bilden die Grundlage für Platz zwei hinter Chemie Böhlen.

Das gab es noch nie

1983/84: Novum in der Geschichte der DDR-Oberliga: Nach dem letzten Spieltag haben Union und Chemie Leipzig auf den Plätzen zwölf und 13 die gleiche Punktzahl und Tordifferenz. Es kommt zur Relegation um den Klassenverbleib. Nach einem 1:1 vor dem überfüllten Stadion An der Alten Försterei unterliegen die Berliner im Rückspiel nach umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidungen in Leipzig 1:2 und müssen unter Tränen wieder den Gang in Liga 2 antreten.

1990/91: Zur Zeit des Mauerfalls spielt Union zweitklassig, erkämpft aber als Staffelsieger das Startrecht für die Aufstiegsrunde zur Zweiten Bundesliga. In den Spielen gegen die Oberligisten Brandenburg, Magdeburg und den nun als FC Berlin antretenden DDR-Rekordmeister BFC reicht es nur zu Platz drei. Folge: der Absturz in die Amateur-Oberliga.

1991/92: Als souveräner Staffelsieger enttäuschen die Berliner wieder mit nur einem Sieg in den Aufstiegsspielen und müssen als Letzter der Vierer-Gruppe Nordmeister VfL Wolfsburg den Gang in die Zweitklassigkeit überlassen.

Riesiger Jubel

1992/93: Riesig ist der Jubel unter 15.000 Fans nach dem 1:0 gegen den Bischofswerdaer SV. In der Aufstiegsrunde der drei Staffelsieger der NOFV-Oberliga wird damit der ungeliebte Stadtrivale Tennis Borussia auf Platz zwei verwiesen. Doch Tage später weicht die Euphorie dem Entsetzen: Wegen einer gefälschten Bankbürgschaft wird dem von Frank Pagelsdorf trainierten Team um den späteren Nationalspieler Marko Rehmer die Lizenz entzogen.

1999/2000: Schwer im Magen liegt den Fans die doppelte Niederlage in der Relegation. Union ist Meister in der Regionalliga Nordost mit 17 Punkten Vorsprung geworden, unterliegt nach zwei 1:1 in den Entscheidungsspielen Nord-Meister VfL Osnabrück im Elfmeterschießen  7:8. Der schelmisch gemeinte Slogan „Menze ist schuld“ unter den Fans wird den Berliner Steffen Menze nach verschossenem Elfmeter noch Jahre später verfolgen. Doch Union erhält eine weitere Chance: In der Dreierrunde mit LR Ahlen und dem SC Pfullendorf siegen die Hauptstädter  3:1 gegen das Team der Staffel Süd. Somit reicht ein Punkt in Ahlen, doch trotz 1:0-Führung scheitern die Unioner wieder kurz vor dem Ziel (1:2). (BLZ)