Rennbahn-Eigner Gerhard Schöningh (r.) und Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning (l.) besitzen ein Pferd, das den Namen von Paul Drux (M.) trägt.
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BerlinAls Privatperson fiebert Gerhard Schöningh am kommenden Sonntag in Hoppegarten vor allem dem fünften Rennen entgegen. Hier gibt der dreijährige Wallach Drux the King sein Lebensdebüt. Der Eigner der Galopprennbahn hat sich mit Bob Hanning, dem Geschäftsführer der Füchse Berlin, in einer Besitzergemeinschaft zusammengetan. Namensgeber ist der Handballprofi Paul Drux.

Als Rennbahnbesitzer steht für Schöningh natürlich im Vordergrund, dass zum ersten Mal in diesem Jahr wieder Besitzer und Zuschauer dabei sein dürfen, wenn die Pferde über das Geläuf galoppieren. Auf dem Rasen vor der Haupttribüne sind rund 500 Steh- und Picknickplätze in entsprechendem Abstand markiert. In den Logen der Haupttribüne sind 150 Sitzplätze belegt. Hinzu kommen 250 am Renntag Beteiligte wie Reiter, Trainer und Pferdeführer sowie 150 Reservierungen für Besitzer, Partner und Rennklub-Mitglieder.

Nach Köln, wo bereits am Sonnabend vor Zuschauern geritten wird, ist Hoppegarten somit der zweite Galoppstandort in Deutschland mit Zuschauern. „Das ist ein weiterer Schritt in Richtung Normalität“, sagt Schöningh. Die Tickets waren schnell vergriffen, obwohl nur drei Foodtrucks geöffnet haben und mit dem Smartphone gewettet werden muss. Auch die LED-Wand kommt nicht zum Einsatz. „Ich rate allen Besuchern, ein Fernglas mitzubringen, damit sie den Rennverlauf verfolgen können“, sagt Schöningh. Vor allem beim Hoppegartener Steherpreis als Höhepunkt, wenn die Pferde über 2800 Meter um 12.500 Euro galoppieren.

Trotz dieser neuen Normalität sind die Sorgen um die Zukunft des Galoppsports längst nicht gewichen. In der sogenannten Phase eins mit Geisterrennen profitierte die Branche von einem Deal mit den Wettanbietern. Weil diese auf die fällige Provision verzichteten, konnte der Zuwachs bei der Außenwette die Verluste an der Bahn abfedern. Doch dieser Bonus ist nun wieder gestrichen. „Finanziell wird diese Phase wohl schwieriger.“

Die Ungewissheit zeigt sich auch bei den Rennpreisen. In einem normalen Jahr summieren sich diese in Hoppegarten auf rund 1,4 Millionen Euro. Weil viele Sponsoren zurückhaltend geworden sind, manche nicht mehr die finanziellen Möglichkeiten haben, sich im Pferdesport zu engagieren, laufen die Pferde derzeit um deutlich geringere Prämien. Die Rennbahn ist zudem eine beliebte Plattform, um Kontakte zu knüpfen oder Gäste einzuladen. In Corona-Zeiten wird natürlich auch das schwieriger.

Wie die gesamte Branche hofft Schöningh darauf, dass es in absehbarer Zeit weitere Lockerungen gibt. Nach der Veranstaltung am Sonntag sind immerhin noch vier Renntage terminiert. Ein paar Gelegenheiten bleiben also noch, um ein schwieriges Jahr zu einem halbwegs versöhnlichen Ende zu bringen.