Berlin - EHF-Cup, European League oder wie auch immer dieser Wettbewerb nun heißen mag – ohne die Füchse Berlin kann man ihn sich mittlerweile gar nicht mehr vorstellen. Und selbst wenn der Dauergast aus der Hauptstadt über einen Umweg bestimmt auch in der kommenden Saison auf europäischem Parkett gespielt hätte, ist die sportliche Qualifikation doch das, was der Klub um seine ambitionierte Führungsriege im Sinn hat. Mit dem 36:30-Heimsieg gegen Balingen-Weilstetten ist den Füchsen am drittletzten Spieltag einer Berg-und-Talfahrt-Saison das gelungen, was zwischenzeitlich nur noch über den Gewinn der European League zu gelingen schien: die direkte Qualifikation für eine weitere Runde in Europa.

Lange waren die Füchse mit eigenen Problemen beschäftigt

Sogar als Vierter geht die Mannschaft von Jaron Siewert in eine letzte Woche in der Bundesliga, die noch zwei Spiele, eines in Melsungen (Mittwoch) und das zweite daheim gegen den Bergischen HC (Sonntag), bereithält. „Ich bin stolz, dass wir das Ziel European League aus eigener Kraft geschafft haben“, sagte der Trainer, „wir wollen jetzt noch zwei erfolgreiche Spiele spielen und einen tollen Abschluss mit den Fans am kommenden Sonntag.“ Dass ausgerechnet der Sieg am Donnerstag in Flensburg die Basis für die vorzeitige Qualifikation sein würde, war noch vor einigen Wochen nicht absehbar. Zu sehr waren die Füchse mit der Aufarbeitung der Probleme eines Negativstrudels beschäftigt, der die Mannschaft nicht nur aus allen zwischenzeitlich aufkeimenden Champions-League-Träumen gerissen hatte, sondern sie ernsthaft um die sportliche Qualifikation für Europa bangen ließ.

Nicht der Höhenflug vor und direkt nach dem Jahreswechsel mit neun Bundesliga-Siegen am Stück oder das Erreichen des Endspiels im Final Four der European League vor einem Monat, sondern die erfolgreiche Korrektur nach Wochen, in denen vieles zu scheitern drohte, was man sich vorher so hart erarbeitet hatte, ist die größte sportliche Leistung dieser Saison und der Grund für den jüngsten Erfolg. Dass dabei Jaron Siewert zumindest nach außen nie infrage gestellt wurde, stattdessen Sportvorstand Stefan Kretzschmar und Geschäftsführer Bob Hanning zusammen mit ihrem jungen Trainer nach einer Lösung der Leistungsschwankungen in der Mannschaft suchten und die richtigen Folgen zogen, ist in Phasen von sportlichem Misserfolg keineswegs der normale Weg.

Berliner Kader benötigt eine feste Struktur

Gemeinsam war das Trio zur Erkenntnis gekommen, dass zumindest dieser Kader eine feste Struktur benötigt. Kein komplettes Durchwechseln der ersten sieben, sondern ein punktuelles Wechseln, welches dem Spielverlauf und dem Kräfteverschleiß der Spieler angepasst war, hat den Turnaround herbeigeführt. Acht Siege in Folge, darunter auch der sensationelle Erfolg in Flensburg, wo zuletzt im Dezember 2017 eine Mannschaft gewonnen hatte, zeigen, dass die Füchse über eine hohe Qualität im Kader verfügen. Gerade noch rechtzeitig und durch die richtigen Korrekturen ist es gelungen, diese Qualitäten auch herauszukitzeln und auf das Parkett zu bringen. So muss die Champions League mit Blick in die Zukunft keine Träumerei bleiben.