Hagen a. TW. (dpa)  - Als die Riders Tour 2001 startete, war von der „Formel 1 des Reitsports“ die Rede. Das Konzept einer Serie für Springreiter mit einem Startkapital von damals sieben Millionen Mark (3,58 Millionen Euro) und prominenten Etappen wie dem Hamburger Derby klang reizvoll.

Die Stars der Szene waren begeistert, ritten um ein Rekordpreisgeld. Der Gesamtsieger und damit der „Rider of the year“ erhielt eine halbe Million Mark (256.000 Euro). Doch viel ist von den damaligen Visionen nicht geblieben.

Die 20. Auflage der Turnierserie von Paul Schockemöhle und sechs weiteren Finanziers endete am Wochenende in Hagen am Teutoburger Wald und startete sogleich in die neue Saison 2022/23. „Eine tolle erste Etappe und Super-Sport“, sagte der 77 Jahre alte Unternehmer und frühere Weltklasse-Reiter zum Abschluss des Wochenendes.

„Das Niveau ist nicht mehr, was es mal war“

Zumindest bei den Topreitern hält sich die Begeisterung für seine Serie aber mittlerweile in Grenzen. „Das Niveau ist nicht mehr ansatzweise das, was es mal war“, sagte Marcus Ehning, der Tour-Sieger von 2016. „Da sind ja inzwischen auch Zwei-Sterne-Turniere dabei.“ Das ist die zweitniedrigste von fünf Turnier-Kategorien des Weltverbandes FEI.

Ehning ritt zwar am Wochenende beim Vier-Sterne-Turnier vor den Toren Osnabrücks, sein Interesse an der Riders Tour als Serie sei aber „null“. Wie viele andere Weltklasse-Reiter richtet sich seine Planung an der Global Champions Tour aus. Die erst 2006 gestartete Konkurrenz-Serie der Niederländers Jan Tops erinnert mit seinen Etappen wie Miami oder Monte Carlo tatsächlich an die Formel eins und hat die Riders Tour längst abgehängt.

Die Topreiter lockt das Preisgeld

„Wir waren der Zeit voraus“, sagte Ullrich Kasselmann, Riders-Tour-Gesellschafter der ersten Stunde und Gastgeber des Turniers am Wochenende in Hagen. Nach den Wirren der Corona-Pandemie startet die Serie nun mit acht Etappen in die neue Saison, erstmals seit langer Zeit sind auch wieder Turniere im Ausland dabei.

„Wir haben uns gemeinsam mit Bemer die Internationalisierung der Tour auf die Fahnen geschrieben“, wurde Schockemöhle in einer Mitteilung zum Abschluss des Turniers in Hagen zitiert. Bemer ist Titelsponsor der Serie. Doch Ommen in den Niederlanden oder Lier in Belgien hören sich freilich eher nach Provinz an. Anders als Doha und New York, wo die Global Champions Tour bei ihren 17 Turnieren zu Gast ist.

Die Topreiter lockt vielmehr das Preisgeld. Bei den Großen Preisen der Global-Tour ist es mindestens dreimal so hoch wie am Sonntag in Hagen. Und am Ende der Saison werden mehr als zehn Millionen Euro ausgeschüttet.

„Das war eine Zeitlang wunderbar“

„Die Riders Tour war der Vorläufer der Global Champions Tour, war eine ganz dominante Serie und hat dem Springsport gut getan“, sagte der Turnier-Veranstalter Volker Wulff. „Das war eine Zeitlang wunderbar, und dann wurde ein bisschen verpasst, die Serie für die Zukunft zu stärken. Dann kam die Global Champions Tour und zog vorbei.“

Wulff war lange Zeit mit mehreren Turnieren ein Teil der Riders Tour, auch mit dem Aushängeschild Hamburger Derby. „Die Riders Tour ist nicht mehr dabei, weil es nicht mehr richtig passt“, sagte er. „Das Derby ist eine Veranstaltung auf Weltniveau. Die Riders Tour hat sich in eine andere Richtung entwickelt.“ Wulff ist mit seinen Fünf-Sterne-Turnieren in Hamburg und Berlin Teil der Global Champions Tour.

Die Bedeutung der Riders Tour hat indes stetig abgenommen. „In einem so dichten Terminkalender mit so attraktiven Turnieren und Serien weltweit ist es für die Riders Tour eine Herausforderung, sich zu halten“, sagte Dennis Peiler, Sportchef des Reitverbandes FN. „Es ist auf nationaler Ebene eine Chance für heranwachsende Paare, die nicht in der Weltrangliste so hoch platziert sind.“