Bremens Davie Selke bekam am vergangenen Wochenende zu spüren, wie unangenehm Robert Andrich als Gegenspieler ist.
Foto: Mathias Renner/City-Press

Berlin-KöpenickRobert Andrich war sichtlich überrascht, als er am Dienstagvormittag auf dem Trainingsgelände des 1. FC Union mit der Sportnachricht des Tages konfrontiert wurde. „Krass, einfach so aus dem Nichts“, kommentierte der Mittelfeldspieler der Eisernen den Rücktritt von Trainer Jürgen Klinsmann bei Hertha BSC, für dessen Nachwuchs der gebürtige Potsdamer von 2003 bis 2015 aktiv war. „Für Hertha wird’s jetzt schwierig, da ist alles ziemlich unruhig gerade“, analysierte der 25-Jährige kurz, betonte dann aber: „Naja, uns soll es nicht stören, wir haben genug zu tun.“

Unter anderem mit gleich zwei Duellen innerhalb von zweieinhalb Wochen gegen Bayer   Leverkusen, das nach dem jüngsten 4:3-Erfolg gegen Borussia Dortmund zumindest in den erweiterten Kandidatenkreis für die Meisterschaft aufgestiegen ist. „Allein, dass wir überhaupt im Viertelfinale spielen, ist erst mal unfassbar gut“, kommentierte Andrich die Pokalauslosung, sagte aber auch: „Leverkusen ist hinter dem FC Bayern so ziemlich das zweitschwerste Los, das möglich war.“ Auf die Tatsache, dass die Auslosung zudem erneut ein Auswärtsspiel im Pokal für die Eisernen ergab, das zwölfte in Folge, wollte sich Andrich jedoch nicht stürzen: „Wer weiß, vielleicht machen es unsere Fans trotzdem zum Heimspiel für uns.“

Andrich steht für körperliche unbd verbale Aggressivität

Doch vor der Pokalkür kommt die Pflicht in der Bundesliga, das Heimspiel gegen die Werkself am kommenden Sonnabend (15.30 Uhr). Das Hinspiel, ein 0:2, war neben dem Saisonauftakt gegen Leipzig das einzige Hinrundenspiel, in dem die Köpenicker, so bestätigte es zuletzt auch Trainer Urs Fischer, wirklich chancenlos waren. Zu aggressiv drückten die Leverkusener ihren von Trainer Peter Bosz gepredigten Offensivfußball durch. Union hatte keine einzige Torchance.

„Ich denke, dass wir nach diesem Spiel dazugelernt haben“, erklärte Andrich. „Wir wissen, wie wir uns und unser Spiel gegen Teams wie Leverkusen abzusichern haben. Und jeder kann einschätzen, was er von seinem Nebenmann erwarten kann.“

Von ihm selbst erwartet sein Team vor allem eins: körperliche und verbale Aggressivität sowie beinharte und intensive Zweikämpfe. Andrich soll unangenehm sein, wo immer er kann. Womit der Mittelfeldabräumer allerdings nach neuesten Regelauslegungen vermehrt Probleme bekommt. Denn die Bundesliga-Schiedsrichter sind angehalten, emotionale Ausbrüche auf dem Feld schneller mit Gelb zu ahnden. Für Unions „aggressive leader“ ist das ein Unding. „Das ist doch einfach nur überzogen“, schimpfte er. „Es werden nur noch mehr Emotionen aus dem Spiel gezogen und echte Typen gehen dem Fußball wieder ein stückweit mehr verloren. Das ist, meiner Meinung nach, nicht gut für den Fußball.“

Christian Gentners Einfluss

Nach einem kurzen Innehalten führt er zu diesem Thema weiter aus: „Ich kann schon verstehen, dass die Schiedsrichter Ansätze suchen, wie sie mehr Respekt bekommen. Aber für mich spielt dabei auch eine Rolle, wie sich der jeweilige Schiedsrichter auf dem Rasen gibt − ob man mit ihm sprechen kann oder ob er rigoros entscheidet.“ Beispielhaft war für Andrich die vergangene Partie gegen Werder Bremen. „In so einem Spiel, in dem für beide Teams viel auf dem Spiel steht, findet der Schiedsrichter offenbar irgendwann seine Kartentasche und lässt die Gelben Karten nur so hageln. Viele davon waren einfach nur überzogen.“

Ich kann schon verstehen, dass die Schiedsrichter Ansätze suchen, wie sie mehr Respekt bekommen. Aber für mich spielt dabei auch eine Rolle, wie sich der jeweilige Schiedsrichter auf dem Rasen gibt − ob man mit ihm sprechen kann oder ob er rigoros entscheidet.

Robert Andrich

Auch auf sein eigenes Spiel haben die vermehrten Verwarnungen zunehmend Einfluss: „Manchmal muss ich mir echt auf die Zunge beißen, damit ich keine Karte sehe.“ Dabei hilft ihm auch Nebenmann Christian Gentner, zu dem Unions Abräumer ein „super Verhältnis“ hat, wie er sagt. „Eigentlich Wahnsinn, dass er schon 397 Spiele in der Bundesliga gemacht hat. Ich weiß gar nicht, wie so was überhaupt möglich ist. “ Dass er sich innerhalb dieser Saison derart entwickeln konnte, habe viel mit Gentners Einfluss zu tun.