Robert Andrich jubelt über das Führungstor im Derby gegen Hertha BSC.
Ottmar Winter

BerlinFußball ist für Robert Andrich Beruf und Berufung zugleich. Der Sport, der Woche für Woche Millionen Menschen in seinen Bann zieht, spielt freilich auch im Leben des 25 Jahre alten Mittelfeldspielers, der sein Geld ja bekanntlich beim 1. FC Union verdient, eine omnipräsente Rolle. Am Sonntag besuchte Andrich mit Ehefrau Alicia, 26, sowie Teamkollege Marius Bülter, 26, und dessen Freundin Theresa, 22, das DEL-Spiel der Eisbären gegen Augsburg (4:0). Schon vor dem Eishockey-Match ging Andrichs Blick immer wieder zum Smartphone: 3:0 für Augsburg gegen Hertha BSC. Das fand Robert Andrich „unglaublich“.

Auch in den Drittelpausen ploppten die Bundesliga-Ergebnisse in fast regelmäßigen Abständen auf dem Handy des gebürtigen Potsdamers auf: 4:0 für Augsburg. Später dann 2:0 für Mainz. 3:0, 3:1, 4:1, letztlich 5:1. „Und das gegen Hoffenheim.“ Eine verrückte Liga sei das, meint Andrich.

Aufgeregt auf der Tribüne

Der eiserne Mittelfeldspieler hat die Bundesliga ständig im Blick. „Man muss sich schließlich auch darüber informieren, was die anderen so machen“, findet er. „Die anderen“ waren in diesem Fall direkte Konkurrenten für den 1. FC Union im Kampf um den Ligaverbleib. Der FC Augsburg und der FSV Mainz 05 sicherten sich befreiende Kantersiege, die „natürlich einen Push geben können“, sagt Andrich. Die Ergebnisse vom Sonntag seien schon überraschend gewesen, „vor allem in der Höhe. Auch die Konkurrenz schläft nicht.“ Er wolle aber nicht zu sehr auf andere schauen. „Wir müssen unser eigenes Ding machen. Wir dürfen nicht darauf hoffen, dass die Konkurrenten verlieren, sondern müssen selbst immer wieder unsere Leistung bringen.“

So wie gegen Gladbach. Wenn die Unioner derart mutig und aktiv auftreten, wie beim 2:0 gegen den Spitzenreiter, dürfte am 34. Spieltag mit ziemlicher Sicherheit der Klassenerhalt zu Buche stehen. „Momentan sieht es sehr gut aus“, findet auch Trainer Urs Fischer, der aber mahnend auftritt: „Wir sollten ruhig weiterarbeiten.“ Mit vier Zählern sind die Unioner den Europa-League-Plätze tabellarisch näher als einem direkten Abstiegsplatz, davon trennen sie neun Punkte. Die Devise bleibt aber: „Wir schauen von Spiel zu Spiel. Es wäre ein falscher Ansatz, anders zu denken.“

Am Freitag schon gastieren die Eisernen um 20.30 Uhr auf Schalke. Es ist, nach dem verlorenen Pokalfinale von 2001 (0:2), erst das zweite Pflichtspiel beider Mannschaften. Und Trainer Fischer hat die Qual der Wahl. In Andrich, der gegen Gladbach wegen einer Gelbsperre nur auf der Tribüne saß, kehrt Unions bisheriger Dauerbrenner zurück. Vor dem Duell mit Mönchengladbach bestritt Andrich alle elf Ligaspiele im zentralen Mittelfeld über die volle Distanz. Auf der Tribüne sei er „viel nervöser gewesen, als wenn ich selbst spiele.“ Er war „total hibbelig“ und habe mitgefiebert. Das eine oder andere Mal sei er von seinem Sitzplatz aufgesprungen.

Sehr wahrscheinlich, dass Andrich, der sich unverzichtbar für das Union-Spiel gemacht hat, wieder in die Anfangsformation rückt. „Ich bin auf jeden Fall bereit“, sagt er. „Ob es für die Startelf reicht, werden wir dann sehen.“ Eine gut vorstellbare Variante gegen die stark aufspielenden Schalker: Andrich rückt wieder für Felix Kroos in die Mannschaft, dazu wird Marcus Ingvartsen von der Zehnerposition auf den rechten Flügel rücken. Und Marius Bülter, der in den letzten beiden Spielen auf der Bank saß, könnte Torschütze Anthony Ujah ersetzen.

„Wenn wir weiterhin so giftig sind und spielerische Akzente setzen, können wir auch auf Schalke was holen“, meint Andrich. Der gebürtige Potsdamer weiß aber auch: „Schalke lässt wenig zu und hat offensiv gute Einzelspieler. Dass sie so weit oben stehen, überrascht mich nicht.“ Seinen rustikalen Spielstil wird Leader Andrich, der zum jetzigen Zeitpunkt übrigens genauso viele Gelbe Karten gesehen hat, wie in seiner persönlichen Rekord-Saison 2017/2018 in der 3. Liga mit Wiesbaden – damals waren es zwölf –, indes nicht verändern: „Ich werde weiter so spielen. Fouls gehören auf der Position dazu. Ich werde nicht anders spielen, um mal einer Karte aus dem Weg zu gehen. Wir müssen an unser Limit gehen, in jedem Spiel. Da kommen auch mal Fouls vor. Das ist gar nicht so schlimm.“