Feiert seinen Treffer zum 1:0: Robert Andrich.
DPA/Friso Gentsch

BerlinDie so oft in völlig unverdächtig klingenden Namen steckt da weit mehr drin, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Gernot sieht harmlos aus, ist aber seiner Herkunft nach aus dem altgermanischen der Speer-Schwinger in der Not. Auch Robert, der auf den ersten Blick völlig unscheinbar daherkommt, hat etymologisch eine tiefere Bedeutung. Es ist laut Wikipedia die normannische Namensform des Hrod-berth und bedeutet so viel wie glänzender Ruhm. Folglich konnte es im Pokal-Achtelfinale in Verl für den 1. FC Union kaum einen trefflicheren Siegschützen geben als eben Robert Andrich, dem der Boulevard schon den nahezu normannisch anmutenden Beinamen Robert, der Eklige verpasst hat. Nicht, weil er als Typ so eklig ist, sondern weil seine robuste und und physische Spielweise bei den Widersachern Unbehagen hervorruft. 

Kämpferherz bewies der 25-Jährige nun auch in Ostwestfalen, als er die Köpenicker knapp vier Minuten vor dem Ende der offiziellen Spielzeit in die Runde der letzten Acht schoss. Ein Ruhmesblatt war der Kick gegen den aufstiegsambitionierten Regionalligisten zwar eher nicht, aber allein der Einzug ins Viertelfinale beschert den Eisernen neben einer satten Prämie von 1,4 Millionen Euro weiter Respekt und Renommee in diesem so aufregenden ersten Spieljahr in der Bundesliga.

Dank der Kollegen an Robert Andrich

„Wann standen wir zuletzt im Viertelfinale? Vor 15 Jahren oder so? Vor 19? Da lag ich ja nicht schlecht“, freute sich die nach der Winterpause erblondete Kämpfernatur über das Weiterkommen, das er mit seinem beherzten Einsatz möglich gemacht hatte. So ersparte er dem 1. FC Union eine kräftezehrende Verlängerung, die angesichts des bevorstehenden Ausflugs nach Bremen am Sonnabend zu einem Duell um den Klassenerhalt, von den Kollegen einhellig begrüßt wurde. „Ich bin froh, dass wir das in 90 Minuten geschafft haben“, sagte stellvertretend Unions Verteidiger Christopher Lenz.

Der Dank galt speziell Andrich, der so etwas wie Unions Mr. Pokal ist. Während er in der Liga bislang leer ausging, verewigte er sich im Cup in jeder Runde als Torschütze. Wie in Verl war sein Treffer in der zweiten Runde beim 3:1-Sieg in Freiburg, als er Union kurz vor Ende mit 2:1 in Front brachte, ein eminent wichtiger. Ein Treffer des puren Willens: Situation antizipiert, Ball mit robustem, aber fairen Körpereinsatz erobert, abgezogen aus spitzem Winkel – drin.  „In die Verlängerung wollte ich nicht unbedingt, da habe ich mir gesagt, mach ihn rein“, witzelte der gebürtige Potsdamer, dessen Stationen vor Union (Heidenheim, Wiesbaden, Dresden und Hertha-Nachwuchs) nicht zwingend auf nachhaltigen Ruhm hingedeutet hatten. Ein bisschen Glück war auch dabei, wie Andrich augenzwinkernd kommentierte: „Der Ball ist mir diesmal etwas abgerutscht, vielleicht war das auch ganz gut so.“

Union hofft auf ein Heimspiel

Der große Heimspielwunsch Nun sind es nur noch zwei Spiele bis zum Finale. Wenn Mr. Pokal weiter so abliefert, müsste er noch in den kommenden beiden Runden treffen, dann könnte das Berliner Olympiastadion am 23. Mai ein Endspiel mit hauptstädtischer Beteiligung erleben, was zuletzt ja 2001 (Union gegen Schalke) und davor 1993 (Hertha-Bubis gegen Leverkusen) der Fall gewesen war.

Dass es dazu auch des Losglücks bedarf, ist klar. Losfee Cacau müsste am Sonntag im Rahmen der ARD-Sportschau den Eisernen am besten ein Heimspiel zuteilen. „Das habe ich hier noch nie erlebt. Es wäre mal Zeit“, meint Kapitän Christopher Trimmel, der ja immerhin seit 2014 schon ein Eiserner ist. Andrich möchte dem Glück auf unerwartete Weise nachhelfen. „Beim letzten Mal habe ich mir ein Heimspiel gewünscht und wir haben Verl zugelost bekommen. Jetzt wünsche ich mir ein Auswärtsspiel, vielleicht dürfen wir dann mal zu Hause ran“, sagte der Mittelfeldspieler grinsend.

Rafal Gikiewicz angeschlagen

Zunächst ist aber Ligaalltag. Und in Bremen, wo der Einsatz von Marcus Ingvartsen (Knöchel) und Rafal Gikiewicz (Knieprobleme nach Rettungstat in der Schlussphase) gefährdet zu sein scheint, könnte er sich einen anderen, den Torwunsch erfüllen. „Irgendwie hat mir in der Bundesliga bisher das Glück gefehlt. Vielleicht ändert sich das ja schon am Sonnabend“, hofft Andrich.