„Schulsport – aber sicher“: Robert Harting in Aktion auf dem Schulhof der Moabiter Grundschule.
Foto: Jürgen Engler

BerlinThore umkurvt mit dem roten Ball am Fuß die fünf Pylonen auf dem Schulhof der Moabiter Grundschule. Neben ihm führt der Berliner Diskus-Olympiasieger Robert Harting den Ball am Fuß, schlängelt seinen langen Körper im Slalom um die parallel aufgereihten Pylonen. Beide passieren die Fahne am Ende auf gleicher Höhe, aber auf dem Rückweg durch die Hütchen zieht der lange Kerl dem Sechstklässler davon. Weiter hinten auf dem Hof ist der Potsdamer Kanu-Olympiasieger Sebastian Brendel dabei, mit den Kindern Koordinationsübungen zu machen: Schlag auf die eigene Schulter, Fingerschnipsen, Klatschen etwa oder Hochstrecksprünge. Auch Goalball-Europameister Michael Dennis steht für Fragen der Kinder bereit.

Die Moabiter Grundschule hat sich am Mittwoch als eine von 1273 Schulen am deutschlandweiten Aktionstag „Jugend trainiert – gemeinsam bewegen“ beteiligt. Der Tag soll zeigen, was unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln alles möglich ist. Er soll ein Signal für den Schulsport sein und für den Schulsport-Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia und Paralympics“, der in diesem Jahr wegen Corona ausfällt.

„Ich finde es wichtig, dass Sport in der Schule gefördert wird, dass er stattfindet, dass er begeistert. Mit solchen Aktionen gelingt das“, sagt Brendel. „Alle Kinder hier sahen begeistert aus.“ Darren Proof zum Beispiel, der sagt, dass Sport sein Lieblingsfach ist. Oder Maya Sophie aus der Klasse 6b, die beim Hindernislauf mitgemacht hat und es gut findet, dass „wir hier darauf aufmerksam machen, dass Sport ganz wichtig für die Gesundheit ist“. Oder ihre Freundin Martha, die beim 20-Minuten-Lauf am Sportplatz teilgenommen hat, sich als erstes Mädchen dazu meldete, um „den Jungs zu zeigen, dass wir es auch können“.

Robert Harting erinnert sich noch gut an seine Noten im Schulsport. Außer im Turnen überall Einsen, „der Hüftaufschwung war bei mir der absolute Killer“, erzählt der 35-Jährige. Erst kürzlich hat er den Hüftaufschwung mit seiner Frau Julia und zwei anderen Sportlern noch mal ausprobiert, als sie mit den Zwillingen auf dem Spielplatz waren. „Alles nur eine Frage der Technik“, sagt Harting. Er erinnert sich auch an den „ersten sozialen Tiefpunkt im sportlichen Leben“, wie er sagt. Daran, wie er in der dritten Klasse an der 3. Grundschule Cottbus im Sprint, im Ballwurf und im Weitsprung Erster wurde, dafür jeweils Urkunde und Medaille erhielt und wie die anderen Jungs in seiner Klasse daraufhin zwei Wochen lang nicht mit ihm sprachen. „Klassischer Erfolgsneid“, sagt Harting. „Im Sport lernt man, sich selbst und sich selbst gegenüber anderen einzuordnen, zu fühlen, zu positionieren. Das ist ein Reifeprozess.“

Schulleiterin Undine Zeibig sagt, die Kollegen aus dem Fachbereich Sport hätten festgestellt, dass die Kinder nach den Ferien und der langen Corona-Abstinenz verändert an die Schule zurückgekommen seien: „Einige Kinder sind dicker geworden, konditionell merkt man es auch. Auf die 20 Minuten Ausdauerlauf musste man schon hintrainieren.“ Sie sei froh, dass die „tollen Sportkollegen“ den Aktionstag organisiert haben, an dem die Klassen einer Stufe in den Wettbewerb treten und am Ende Preise verteilt werden: „Die Kinder haben das Gefühl, wir machen etwas zusammen, die Leistungssportler kommen, das Fernsehen ist da, Schulen in ganz Deutschland nehmen teil.“

Mehr als 235.000 Schülerinnen und Schüler haben sich am Mittwoch bewegt. Ihre Botschaft: „Schulsport – aber sicher!“ Das Programm reichte von Yoga in Berlin über Zumba in Mainz bis zum Schul-Crosslauf in Magdeburg oder dem Basketball-Abzeichen in Hagen.

Der dreimalige Olympiasieger und zehnmalige Weltmeister Sebastian Brendel sagt: „Es sollte mehr darauf geachtet werden, dass die Vielfalt des Sports gezeigt wird – und nicht bloß ein Fußball in die Mitte geworfen wird. Dafür müssen auch die Schulen entsprechend ausgerüstet sein.“ Er selbst, erzählt der 32-Jährige, habe im Sportunterreicht immer eine Eins gehabt. Und beim Hüftaufschwung? „Da“, sagt Brendel, „hab ich gern mal gefehlt.“