Bremen - Gleich dreimal binnen kaum mehr als drei Stunden hat Werder Bremen am Donnerstagmorgen Gutes zu vermelden gehabt: Um 9.02 Uhr die Beförderung von Peter Behrens vom U11-Trainer zum Chefcoach der zweiten Frauenmannschaft in der Regionalliga, um 12.08 Uhr die vom Deutschen Fußball-Bund bereits 20 Minuten zuvor bestätigte Anfrage für Robin Dutt als Nachfolger von Thomas Schaaf, und um 12.15 Uhr die Vertragsverlängerung des zuvor von Bayern München nur ausgeliehenen Torjägers Nils Petersen um vier Jahre.

Über vier Jahre hatte sich auch Robin Dutt im vergangenen Sommer als Sportdirektor und Nachfolger von Matthias Sammer beim DFB verpflichtet. Am Mittwoch war es jedoch in Stuttgart zu einem Treffen mit den drei Bremer Geschäftsführern Klaus Filbry, Thomas Eichin und Klaus-Dieter Fischer gekommen, das nicht geheim gehalten werden konnte. Kicker und Bild berichteten über die Gespräche des Werder-Trios mit dem DFB-Mann.

Verein und Verband gerieten somit unter Druck und veröffentlichten wortwörtlich gleichlautende Kommuniqués: „DFB-Sportdirektor Robin Dutt und der SV Werder Bremen haben sich an den DFB gewandt und um die Aufhebung des bis Ende 2016 laufenden Vertrages von Dutt gebeten. Aufgrund der Bedeutung der Personalie wird sich das Präsidium des DFB in der kommenden Woche mit der Frage befassen, ob die gewünschte Freigabe erteilt wird.“

DFB-Präsident Niersbach weilt bereits seit Mittwoch in London und nahm den Wunsch dem Vernehmen nach geschäftsmäßig zur Kenntnis. Das DFB-Präsidium wird sich am Rande des Champions League-Finals in Wembley erstmals intensiver mit der Personalie beschäftigen und am Montag auf einer Telefonkonferenz abschließend entscheiden, ob dem Anliegen des Sportdirektors entsprochen wird. Die Enttäuschung, dass der als engagiert und hochqualifiziert angesehene Dutt nach nur zehn Monaten gehen will, ist zwar allenthalben spürbar, wird den Abschied aber nicht verhindern.

Nicht unvorstellbar, dass es zu einem interessanten Ringtausch kommt: Das Profil des langjährige Chef der Werder-Talentschmiede und Leiters der Kommission Nachwuchsleistungszentren der Deutschen Fußball Liga, Uwe Harttgen, passt nahezu perfekt auf die Dutt-Nachfolge.

Bremens neuer starker Mann Eichin bezeichnete Dutt als „Wunschkandidaten“, der „alle Kriterien, die wir für einen Neuanfang aufgestellt haben“ erfülle, weil er sich „bestens im Nachwuchsbereich“ auskenne und zudem „in der Bundesliga bereits nachgewiesen“ habe, „dass er eine solche Aufgabe erfolgreich meistern“ könne. Diese Einschätzung würde Eichin aus Freiburg sicher eher bestätigt bekommen als aus Leverkusen, wo er keinen rechten Zugang zum Team und zur Presse fand.

In Freiburg hatte der damalige Niemand dagegen die Herkulesaufgabe bewältigt, den Verein nach 16 Jahren Amtszeit von Volker Finke, dem gegen seinen Willen gekündigt worden war, stabil auf Kurs zu bringen. Insoweit erscheint die Aufgabe in Bremen sehr ähnlich. Auch hier findet der 48-Jährige eingefahrene Strukturen vor, die nur mit Fingerspitzengefühl erfolgreich aufzubrechen sind.