Robin Gosens begeistert mit seiner offenen Art und einem offensiven Spielstil.
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BerlinRobin Gosens, der deutsche Außenverteidiger, der am Mittwochabend in den Farben von Atalanta Bergamo das erste Viertelfinale der Champions-League-Finalrunde gegen Paris St. Germain bestreiten wird, ist ein Ausnahmespieler. Weil er ungeniert über all das Auskunft gibt, was ihn bewegt. Sei es über sein persönliches Glück, aber auch über das Unglück der Menschen in Bergamo infolge der Corona-Pandemie – als selbstberufener Embeddet Reporter. Weil er zudem einen außergewöhnlichen Karriereweg vorzuweisen hat. Einen Weg, der ihn von Bocholt und Rhede über ein paar Stationen in den Niederlanden in die Beletage des europäischen Klubfußballs geführt hat. Erst neulich hat er in einer ZDF-Dokumentation zum Ausdruck gebracht, dass das für ihn alles doch ein bisschen unwirklich ist.

Geboren wurde Gosens als Sohn eines niederländischen Vaters und einer deutschen Mutter in Emmerich. Er träumte von Kindesbeinen den Traum vom Profifußballer. Talent hatte er reichlich, konnte aber als Jugendlicher bei einem Probetraining die Nachwuchstrainer von Borussia Dortmund nicht von seinen Qualitäten überzeugen. Zweifel kamen auf, weshalb er sich nach seinem Abitur für den Dienst als Polizist bewarb. „In Nordrhein-Westfalen bin ich wegen einer Beinlängen-Differenz im Bewerbungsfragen gescheitert, in Rheinland-Pfalz in die nächste Runde gekommen“, hat er mal erzählt. Und dass genau in diesem Moment seines Lebens dann doch alles anders gekommen ist. Dank Peter Bosz, dem aktuellen Trainer von Bayer Leverkusen, der in seiner Zeit als Coach beim niederländischen Erstligisten Vitesse Arnheim auf Gosens aufmerksam wurde, ihn umschulte vom Rechts- zum Linksverteidiger.

Dann ging alles ganz schnell. 2015 wechselte Gosens zu Heracles Almelo, zwei Jahre später in die Serie A zu Atalanta, wo er zunächst Anpassungsprobleme an Kultur und Spielstil hatte, sich aber schließlich zur Stammkraft und zum Publikumsliebling entwickelte. Das blieb auch Joachim Löw, dem Bundestrainer, nicht verborgen, sodass der 26-Jährige am 13. Oktober im Test gegen die Schweiz wohl sein Debüt in der Nationalmannschaft geben wird.

Ob Gosens Atalanta Bergamo treu bleibt, ist übrigens ungewiss. Inter Mailand soll sein Interesse hinterlegt haben, genauso wie Juventus Turin und dem Vernehmen nach auch Hertha BSC.