Berlin - Roger Federer war kaum vom Centre Court verschwunden, da tauchte sie wie schon so oft auf: die Frage nach seinem Abschied. Nicht nur aus Wimbledon, sondern von der Tennis-Bühne. Mit der Antwort will sich Federer Zeit lassen, wie er nach dem schmerzlichen Viertelfinal-Aus gegen den Polen Hubert Hurkacz am Mittwochabend erklärte. Einen Rücktritt kann sich der am 8. August 40 Jahre alt werdende Federer wohl noch nicht vorstellen. Das Ziel sei es, zu spielen, betonte der einstige Primus. Doch sich künftig häufiger so demütigen lassen wie im letzten Satz beim 3:6, 6:7 (4:7), 0:6 gegen Hurkacz will sich der Gewinner von 20 Grand-Slam-Titeln auch nicht.

„Das war hart. Die letzten Spiele, wenn dir klar ist, dass du nicht mehr zurückkommst. So eine Situation bin ich nicht so gewohnt, besonders nicht hier“, räumte der tief enttäuschte Schweizer ein, der seine Rivalen früher selbst so oft demontiert hatte. Ob es noch einmal eine Rückkehr nach Wimbledon geben wird, wusste der achtmalige Champion so kurz nach der Niederlage nicht zu sagen. Natürlich würde er den Rasen-Klassiker gern noch einmal spielen, noch einmal die Ovationen bekommen, die Zuneigung der Fans spüren.

Er werde in aller Ruhe alles gut mit seinem Team analysieren, kündigte Federer an. „Wo soll die Reise hingehen, wie soll sie weitergehen? Nach harten 18 Monaten war ich schon froh, dass ich es ins Viertelfinale geschafft habe“, gestand der 2020 zweimal am rechten Knie operierte Federer. Viel langsamer als erhofft sei die Heilung verlaufen. Ursprünglich sei das Ziel gewesen, im vorigen Sommer für Wimbledon fit zu sein – der Rasen-Klassiker fiel dann wegen der Corona-Pandemie aus. Letztlich habe es gerade für dieses Jahr gereicht. „Ich bin sehr glücklich, dass ich Wimbledon spielen konnte“, sagte Federer.

Wie es nun weitergeht, hängt vor allem davon ab, ob Federer noch einmal ein Ziel definieren kann, eine Perspektive sieht. Die Wimbledon-Teilnahme war so ein Ziel, ob es eine Reise zu den in gut zwei Wochen beginnenden Olympischen Spielen nach Tokio ist, bleibt fraglich. Er müsse vor allem ein besserer Spieler sein, um auf dem höchsten Niveau konkurrieren zu können, sagte Federer.