Rober Kluge und Theo Reinhardt wollen bei der Bahnrad-Weltmeisterschaft im Berliner Velodrom den Titel im Madison gewonnen.
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BerlinEr hatte vermutlich die längste Anfahrt aller deutschen Radrennfahrer nach Berlin, obendrein mit einem kleinen Umweg über Portugal: Roger Kluge. Rund 16 000 Kilometer musste der 34-Jährige zurücklegen, um in dieser Woche bei der Bahnrad-Weltmeisterschaft im Velodrom an der Landsberger Allee starten zu können. Die beginnt an diesem Mittwoch und endet am Sonntag.

In den knapp zwei Monaten, die hinter ihm liegen, hatte sich Roger Kluge mal wieder den langen Kanten auf der Straße gewidmet. Bei der Tour Down Under in Australien verhalf er als Sprint-Anfahrer seinem Kapitän im Lotto-Soudal-Team, Caleb Ewan, wie schon im vergangenen Sommer bei der Tour de France zu mehreren Etappensiegen. Danach fuhr Kluge – mal nicht als Edelhelfer – einige Etappen bei der Algarve-Rundfahrt, wo er es immerhin zwei Mal auf Top-Ten-Platzierungen brachte.

Roger Kluge als Anfahrer bei der Tour

Nun also wieder das Velodrom. Es gibt nur wenige Radrennfahrer weltweit, die wie Kluge auf der Bahn und auf der Straße gleichermaßen erfolgreich sind. „Ich mag eben beides, seitdem ich Rad fahre“, sagt der Mann, der in diesem Jahr ein wahres Mammut-Programm zu absolvieren hat. Nach der Weltmeisterschaft geht es zurück auf die Straße, wo zuerst der Klassiker Paris-Nizza ansteht. Im Juli eskortiert Kluge erneut seinen Lotto-Soudal-Kapitän bei der Tour de France. Danach bleiben ihm gerade einmal zweieinhalb Wochen bis zum ersten Start bei den Olympischen Spielen in Tokio – dann wieder auf der Bahn.

Bei seiner Heim-WM in dieser Woche zählt der Berliner zu den größten Medaillenanwärtern in der deutschen Bahnrad-Auswahl. Gemeinsam mit seinem Berliner Stammpartner Theo Reinhardt will Kluge im Madison den dritten WM-Titel in Serie erringen. „Alles ist möglich“, sagt er. „Aber es kommt auch immer darauf an, welches Team die beste Taktik hat.“ Kluge und Reinhardt, die im vergangenen Jahr auch das Sechstagerennen in Berlin gewannen, verstehen sich quasi blind. „Ich könnte auch erst am Wettkampftag anreisen, wir würden trotzdem reibungslos miteinander harmonieren.“

Bei der Bahnrad-WM im Vorjahr gewannen die beiden Berliner die einzige Goldmedaille für Deutschland. Zudem fuhr die Bahnrad-Auswahl noch zwei silberne und drei bronzene Medaillen ein. Ob die Ausbeute in diesem Jahr ähnlich ausfällt, ist für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) allerdings nicht entscheidend.

Die Olympiaqualifikation hat Vorrang. Wir haben keinerlei Medaillen-Vorgaben gemacht.

BDR-Vize Günter Schabel

„Die Olympiaqualifikation hat Vorrang. Wir haben keinerlei Medaillen-Vorgaben gemacht“, sagt Günter Schabel, Vizepräsident Leistungssport beim BDR. „Wichtiger ist, dass wir uns in allen Disziplinen bei der WM endgültig für Olympia qualifizieren.“ Im Omnium der Frauen ist der Zug indes schon abgefahren, da wird es in Tokio keine deutsche Teilnehmerin geben.

Ansonsten stehen die Chancen sehr gut. Selbst in den anderen bisherigen „Problem-Disziplinen“ hat sich einiges getan. So hat sich unter Trainer Sven Meyer der viele Jahre erfolglose Vierer wieder zu einer Größe im internationalen Vergleich entwickelt. „Unser Ziel ist es, bei den Olympischen Spielen in Tokio um eine Medaille mitzufahren“, sagt Meyer. In Berlin wollen sie auf jeden Fall den deutschen Rekord in der 4 000-Meter-Mannschaftsverfolgung verbessern und am liebsten schon auf unter 3:50 Minuten drücken. Dann wäre auch dort eine Medaille möglich.