Roland Kroos greift mit seiner Mannschaft des Greifswalder FC nach der Oberliga-Meisterschaft.
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GreifswaldAm Sonntagnachmittag hat Tennis Borussia den bisherigen Tabellenführer der Oberliga Nordost überflügelt, den Greifswalder FC. Die Berliner setzten sich mit zwei Punkten Vorsprung an die Spitze. Mit 4:0 hatte das Team von Trainer Dennis Kutrieb den Tabellendritten FC Hansa Rostock II bezwungen, Greifswald unterlag in seinem heimischen Volksstadion überraschend 0:1 gegen Aufsteiger SV Tasmania. Ein erster Rückschlag für die Greifswalder um Trainer Roland Kroos.

Der 60-Jährige, Vater der beiden erfolgreichen Profis Toni und Felix Kroos, hat im Juli 2017 das Traineramt in Greifwald übernommen und dafür seinen Job als Scout des FC St. Pauli aufgegeben. Damals spielte der FC in der Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommern. Kroos, einst viele Jahre Nachwuchstrainer beim FC Hansa Rostock, sollte sein enormes Know-how einbringen und auch einen Blick auf den Fußball-Nachwuchs der Greifswalder haben.

Immerhin ist sein Anteil enorm, dass aus seinen Söhnen Toni ein Weltmeister und Weltstar bei Real Madrid und aus Felix ein Bundesligaspieler beim 1. FC Union Berlin wurde. Beide trainierte der Vater einst selbst – und das sehr hart und intensiv.

Schon in der Saison 2017/18 dominierte Greifwald dann unter Kroos auch die Verbandsliga, stieg in die Oberliga Nord auf und schaffte 2018/19 einen sensationellen dritten Rang hinter Regionalliga-Aufsteiger Lichtenberg 47 und Tennis Borussia. Nun will die Mannschaft, der Kroos einen „starken Teamgeist und Charakter“ bescheinigt, sogar die Meisterschaft, den Aufstieg.

Ausrutscher gegen Tasmania

Die Rückrunde verlief bisher positiv, abgesehen vom Ausrutscher gegen Tasmania. Davor gelangen ein 4:0 bei Lok Stendal und ein 4:2 beim MSV Pampow. „Unser größter Konkurrent ist natürlich Tennis Borussia“, sagt Kroos, „aber auch Hansa II kann das Zünglein an der Waage spielen, auch wenn sie nicht aufstiegsberechtigt sind, da deren Profis in der Dritten Liga spielen.“ Dass Hansas Reserve bei TeBe unterging, hatte Kroos nicht erwartet. Und nach dem 0:1 gegen Tasmania sagt er: „Wer gedacht hat, dass wir einfach durch diese Liga marschieren können, der hat wohl eher geträumt.“

Im Gegensatz zu Tennis Borussia, wo die Spieler beinahe unter Profibedingungen trainieren, sind die Greifswalder „reine Amateure“, wie Kroos sagt. „Wir haben viele Studenten und andere Berufstätige im Team und wir trainieren viermal in der Woche immer am Abend.“ Eine Parallele zu Regionalligist Lichtenberg 47 ist unverkennbar. Das sieht auch der Sportliche Leiter Daniel Gutmann so: „Lichtenberg ist ein positives Beispiel, wie sich ein Verein mit kleineren finanziellen Mitteln, aber gut aufgestellt, behaupten kann.“

Wenn es zeitlich passt, fahre ich ab und an in die Alte Försterei, um Felix zu sehen. Im Bernabeu-Stadion war ich zuletzt vor über einem Jahr. Aber das muss man gesehen haben.

Roland Kroos

Taktisch hat Roland Kroos klare Vorstellungen: „Wir wollen immer das Spiel bestimmen, stehen für offensiven Fußball mit einem guten Umschaltspiel.“ Dass es sehr ordentlich läuft, führt er auf die schnelle Integration der Zugänge zurück und darauf, dass es wenige verletzte Spieler gab. Dabei hatte der FC in Frank Rohde den besten Torjäger (22 Treffer) an den FSV Luckenwalde verloren. Im Winter kehrte der erfahrene Stürmer Velimir Jovanovic vom insolventen Rot-Weiß Erfurt nach Greifswald zurück und wird nach einer Verletzung bald einsatzfähig sein. Im Rückspiel gegen TeBe am 31. Mai vor allem dürften seine Dienste nützlich sein. „Die Berliner sind individuell sehr gut besetzt und stehen auch als Truppe sehr kompakt“, sagt Kroos. Das erste direkte Duell endete in Greifswald 0:0.

Querelen bei Tennis Borussia

Nach den ewigen internen Querelen bei TeBe um den ehemaligen Vorstandschef Jens Redlich waren viele Spielerabgänge erwartet worden, aber der Notstand traf nicht ein. Der Kader blieb weitgehend zusammen, mit Nemanja Samardzic (Viktoria 89) und Denis Barcic (1. FC Novi Pazar) kamen in der Winterpause sogar zwei starke Akteure hinzu. TeBe ist sportlich intakt und will unbedingt aufsteigen. Seine Kampfansage als Trainer des Greifswalder FC: „Wir wollen in jedem Spiel das Maximale herausholen.“

Bis zum 4. März  will der Verein die Lizenzunterlagen für die Regionalliga einreichen. Im Vorjahr, als man auch in der Spitzengruppe vertreten war, wurde das noch unterlassen. Sportchef  Gutmann und der Vorsitzende Heiko Jaap arbeiten schon lange an den Lizenzunterlagen, sehen aber auch die Probleme. So wird der Sanierungsbedarf für das Volksstadion, in dem sich bei einem Testspiel gegen Bayern München (0:4) im Jahr 1997 sogar 14 000 Menschen drängten, auf etwa eine halbe Millionen Euro geschätzt. Der FC hofft nun auf die Hilfe der Stadt, der das Stadion gehört. Gutmann: „Lichtenberg hat gezeigt, wie man mit den hohen Auflagen umgeht und diese Schritt für Schritt erfüllt. Das sollten wir auch hinbekommen.“ Im Schnitt besuchen rund 400 Fans die Heimspiele, man hofft bald auf stärkeren Zulauf in der Universitäts-und Hansestadt.

„Man redet wieder viel über uns und über Fußball“, freut sich Trainer Kroos. Er hat seinen Vertrag sogar bis Juni 2023 verlängert und damit ein Zeichen gesetzt. Für Kroos wäre die Regionalliga „sehr reizvoll, denn mit Cottbus, Lok Leipzig oder dem BFC Dynamo kämen vielleicht namhafte Konkurrenten auf uns zu“.

Als Zuschauer aber begibt sich der Trainer ab und an in viel höhere Gefilde. „Wenn es zeitlich passt, fahre ich ab und an in die Alte Försterei, um Felix zu sehen. Das Derby im März bei Hertha lasse ich mir nicht entgehen.“ Den anderen Sohn Toni bei Real Madrid zu beobachten, ist schon viel schwieriger. „Im Bernabeu-Stadion war ich zuletzt vor über einem Jahr. Aber das muss man gesehen haben“, schwärmt  Kroos.