Wuchtig, beweglich und schnell: Lukaku.
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Berlin/KölnAls er sechs Jahre alt war, gab Romelu Lukaku seiner über die Armut weinenden Mutter ein Versprechen. Mit 16 werde er Profi in Anderlecht, und dann werde „sich alles ändern“, habe er gesagt, berichtete der Stürmer in einem Beitrag für die US-Sportseite The Players' Tribune schon 2018. „Uns wird es gutgehen. Du musst dir keine Sorgen mehr machen müssen.“ Wie recht er hatte. Im Halbfinale der Europa League in Nordrhein-Westfalen gehört der Belgier in Diensten von Inter Mailand zu den Starspielern. Am Montag (21 Uhr/DAZN) spielt er nach seiner Viertelfinal-Gala gegen Bayer Leverkusen mit Inter gegen Schachtjor Donezk.

Mit 27 ist er einer der weltbesten Stürmer, weil er vieles vereint. Trotz seiner körperlichen Wucht ist er beweglich und schnell. Trotz seiner Torgefahr und Zielstrebigkeit spielt er sehr mannschaftsdienlich. Er hat die Erfahrung aus guten und schlechten Zeiten seiner Profikarriere. Und die Demut beim Blick auf das Leben davor.

Profi zu werden, habe er beschlossen, als seine Mutter die Milch mit Wasser verdünnen musste, berichtete Lukaku im Players' Tribune-Beitrag: „Ich konnte meine Mutter nicht so leben sehen. Nein, nein, nein.“ Sein Vater Roger war Profi gewesen und sogar Nationalspieler Zaires, doch Geld aus der Karriere war keines übrig geblieben. Wochenlang wurde der Strom abgestellt, das Kabelfernsehen mit der Champions League sowieso. Im Dunkeln habe er Gebete gesprochen, dass sein Traum in Erfüllung gehe, erzählte Lukaku.

„Ich wollte der beste Fußballer in der belgischen Geschichte sein. Nicht gut. Nicht groß. Der beste“, sagte Lukaku: „Ich habe mit so viel Wut gespielt, wegen vieler Dinge. Wegen der Ratten, die in unserer Wohnung herumrennen. Weil ich die Champions League nicht sehen konnte. Weil die anderen Eltern mich immer schräg angesehen haben.“ Auch das Thema Rassismus begleitete Lukaku sein Leben lang.

Er biss sich durch. Am 16. Geburtstag unterschrieb er seinen ersten Profivertrag. Elf Tage später debütierte er in einem Entscheidungsspiel um die Meisterschaft. Als er Meister, Torschützenkönig und Nationalspieler war, war er immer noch erst 16 Jahre alt.

Doch seine Karriere lief danach nicht geradlinig. Beim FC Chelsea schaffte er als 18-Jähriger nicht den Durchbruch. Bei Manchester United gab es Höhen und Tiefen, weswegen er den 65-Millionen-Euro-Transfer zu Inter mit einem Trainingsstreik erwirkte. In Mailand startete er dann dermaßen durch, dass viele glauben, Inter könne im kommenden Jahr die Meisterserie von Juventus Turin nach neun Titeln in Folge beenden. 

Ein Wunsch bleibt dem Belgier aber unerfüllt. Gerne würde er seinen verstorbenen Opa anrufen und ihm von seinem neuen Leben erzählen. „Siehst du? Ich habe es dir gesagt“, würde er sagen: „Deiner Tochter geht es gut. Es gibt keine Ratten mehr in der Wohnung. Und wir müssen nicht mehr auf dem Boden schlafen.“