Die Hertha-Fans liebten ihn, doch er liebte nie die Disziplin. Ronny, 32, der Brasilianer mit dem mächtigen Linksschuss, musste deswegen 2016 nach sechs Jahren die Blau-Weißen verlassen und ging zurück in seine Heimatstadt Fortaleza. Doch beim ortsansässigen Zweitligisten Fortaleza EC war schnell wieder Schluss. Jetzt sucht Ronny einen neuen Klub – und klopfte sogar in der Landesliga bei Icke Häßler an.

Die Kontaktaufnahme bestätigte Stefan Teichmann, Präsident von Berlin United, der Berliner Zeitung. Demnach schickten Ronny und sein Berater kurz vor Weihnachten eine Anfrage an den Siebtligisten, der vom ehemaligen Nationalspieler Thomas Häßler trainiert wird, ob der Klub sich eine Zusammenarbeit vorstellen könnte.

Teichmann, der mit Berlin United für die kommenden Jahre höhere Ambitionen hat, dachte bei diesem Schreiben zunächst, dass die TV-Sendung „Versteckte Kamera“ ihn auf den Arm nehmen wolle. Ein früher hoch bezahlter Hertha-Profi möchte mit 32 Jahren freiwillig in die siebte Liga? Berlin United zahlt an seine Spieler maximal 500 Euro, wohlgemerkt im Monat.

Ein Bewerber im United-Büro

Es blieb nicht nur beim Schriftkontakt. „Ein paar Tage später war Ronny bei mir im Büro und fragte noch mal nach“, erzählt Teichmann. „Es war ein nettes Gespräch. Doch wir haben doch gar nicht das Geld, um ihn zu bezahlen“, sagt Teichmann. Nach dem kuriosen Bewerbungsgespräch folgte in den vergangenen Tagen eine weitere E-Mail von Ronny an Teichmann. Der United-Präsident sagt dazu nur höflich: „Wir sind so verblieben, dass wir im lockeren Kontakt bleiben. Im Fußball passieren ja manchmal Dinge, die man vorher nicht für möglich hält.“

Ronny und Berlin United kommen also vorerst nicht zusammen. Während sein Bruder Raffael noch immer in der Bundesliga bei Borussia Mönchengladbach glänzt, sucht Ronny weiter einen Klub. Das dürfte weiter schwer bleiben: Anders als sein ein Jahr älterer Bruder nahm er das Profigeschäft nie ernst genug, ruhte sich regelmäßig auf seiner genialen Technik aus. Denn egal wer Hertha trainierte, alle Übungsleiter monierten quartalsmäßig Ronnys Fitnesszustand.

Seine beste Zeit war die Aufstiegssaison 2012/13. In der Zweiten Liga traf er als Mittelfeldspieler sagenhafte zwanzig Mal, bereitete neunzehn Tore vor und zauberte die Blau-Weißen zurück ins Oberhaus. Deswegen sagte auch Manager Michael Preetz bei Ronnys Abschied im Sommer 2016: „Ronny hat große Verdienste um unseren Aufstieg.“ Auch deshalb bekam er zu seinem tränenreichen Abschied nach der Vertragsauflösung vor zwei Jahren noch üppige 800 000 Euro, quasi als Vorab-Rente. Trotzdem will oder muss Ronny noch weiterspielen.