Der Held des Montagabendspiels in Halle: Ronny König vom FSV Zwickau.
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ZwickauEs sieht so einfach aus. In der 57. Minute des Drittliga-Montagsspiels zwischen dem Halleschen FC und dem FSV Zwickau bringt Maximilian Wolfram, zuvor Torschütze des Führungstores für die Gäste aus Sachsen, einen Freistoß vor das Tor von HFC-Keeper Kai Eisele. Die Kugel biegt sich wie eine Banane in den Strafraum und findet den Kopf von Zwickaus Ronny König, der per Aufsetzer zum 2:0 einköpft. König trifft den Ball nicht einmal optimal, der Aufsetzer ist kein raffinierter Trick des Stürmers, sondern eben dieser Tatsache geschuldet, doch zappelt er schließlich doch im Netz und die Zwickauer besiegeln Historisches – den ersten Sieg in der Saalestadt seit 20 Jahren.

„Aktuell fallen mir die Dinger gerade so auf den Kopf“, versucht der 37-Jährige nach dem Spiel lachend den Fokus von sich zu lenken, doch nach drei Toren aus den ersten vier Saisonspielen übertreibt keiner, der König den x-ten Frühling attestiert. Der gebürtige Lichtensteiner, einem Örtchen zwischen Chemnitz und Zwickau, ist einer dieser Stürmer, die in ihrer Karriere häufig unter dem Radar geflogen sind, ehe sie im Alter plötzlich immer besser werden. Auch deshalb muss man nicht nur den Zwickauern nicht erst erklären, wer Ronny König ist. Schon beim SV Wehen Wiesbaden und beim FC Erzgebirge Aue traf der Stürmer regelmäßig, ehe er sein Glück noch einmal im Westen beim SV Darmstadt 98 versuchte.

Doch da wurde er ebenso wenig glücklich, wie beim Chemnitzer FC. Überhaupt schien die Chemie zwischen König und seinem ersten Profiklub nie so richtig zu stimmen. Die Himmelblauen sahen in ihm nie den Knipser, der er zuvor in Aue und Wiesbaden war, sondern zuletzt vielmehr einen gestandenen Profi aus der Region, der als Ergänzungsspieler mit seiner bodenständigen Art jüngere Stürmer anleiten kann.

Doch Ronny König wollte sich nicht auf die Bank setzen. Nicht mit 25, nicht mit 33 und auch nicht mit 37. Warum auch, er ist schließlich mal wieder in der Form seines Lebens. „Ich war in meiner Karriere kaum verletzt, die Knochen und Bänder sind alle noch heil“, erklärte er seine Fitness mal. Zusätzliche Kraft holt er sich zu Hause, bei der Arbeit auf dem Dreiseitenhof, den er und seine Frau bewohnen und bewirtschaften – zusammen mit fünf Pferden, zwei Hunden und zwei Katzen. „Da packe ich gerne an, das ist gut für die Muskulatur“, sagt er. Und weiter: „Ich ernähre mich gesund, schlafe viel, bin oft an der frischen Luft.“

Es sind Sätze, wie aus einer anderen Zeit. Und Ronny König ist mit seiner unaufgeregten Art irgendwie auch ein Stürmer aus einer anderen Zeit. Er hätte auch „Iss Quark, der macht stark“ sagen können, man würde es ihm abnehmen, weil sich jeder Fußballfan bei all den glitzernden Instagram-Storys der schillernden Stars des Sports insgeheim nach solchen Profis wie König sehnt. Einem, der sagt: „Es gibt nicht jung oder alt, es gibt nur gut oder schlecht.“ Und der genau das lebt.