Die Zehn zeigt Zähne: Ronny, neuerdings beim 1. FC Novi Pazar Ball.
Foto: City-Press/Fahnkow

Berlin-NeuköllnEs gab Zeiten, da riefen 70.000 Fans im Olympiastadion in freudiger Erwartung eines außergewöhnlich getretenen Freistoßes inbrünstig den Namen des Brasilianers Heberson Furtado de Araujo: „Roooonnnyyy!“ Das passierte auch am 11. Februar 2013 im Zweitligaderby Hertha BSC gegen den 1. FC Union. Die Köpenicker führten 2:1, ehe Ronny nach 25 Metern Anlauf den Ball zum 2:2 in Tor wuchtete. Solche Aktionen machten den Mann aus Fortaleza zum Liebling der Hertha-Fans. Doch das ist sehr lange her.

Sieben Jahre später ist der mittlerweile 34-Jährige in der sechsten Liga, der Berlin-Liga, gelandet. Er unterschrieb einen Vertrag beim Aufsteiger 1. FC Novi Pazar, was deren Verantwortliche im Überschwang als „Jahrhundert-Transfer“ feierten. Ronny, der mit einem Personal-Coach an seiner Fitness arbeitet, will den Verein, der bis 2017 noch 1. FC Neukölln hieß, nach oben schießen. Man darf gespannt sein, wie das in Erfüllung gehen soll.

Im April 2013 hatte Hertha BSC den Vertrag des meist zu fülligen Profis um vier Jahre verlängert. Er hatte in Liga zwei 18 Tore geschossen und 14 Assists abgeliefert. Doch im August 2016 wurde der lukrative Kontrakt – dem Vernehmen nach mit etwa einer Million Euro pro Jahr plus üppige Prämien dotiert – aufgelöst. Ronny, so das Fazit, war zu gut für die Zweite Liga, aber zu schwach für die Erste Bundesliga. Manager Michael Preetz twitterte damals: „Obrigado, Ronny! Du hast hier viele Spuren hinterlassen!“

Ronny kehrte in seine Heimat zurück und spielte bis 2017 in Fortaleza, seiner Heimatstadt, wo er ein Haus besitzt. Ein Versuch, im Januar 2019 bei Berlin-Ligist Berlin United und beim Schweizer Zweitligisten FC Wil Fuß zu fassen, scheiterte an mangelnder Fitness.

Warum er nun – nach drei Jahren ohne Spielpraxis – sein Comeback angeht, bleibt sein Geheimnis. „Meine Kinder wollen mich wieder auf dem Platz sehen“, gab er als Motiv an. Ob er eine neue Herausforderung braucht oder vor allem neues Geld verdienen muss, ist nicht bekannt.

Hinter seinem neuer Arbeitgeber, dem 1. FC Novi Pazar, stehen vor allem serbische Bauunternehmer. In der höchsten Berliner Spielklasse der Amateure wundern sich die Konkurrenten, wie der Verein einen Mann wie Ronny finanziert. Es heißt, es gebe einen Sponsor aus Österreich. Ronnys neue Berater kokketierten mit zahlreichen Angeboten – von der Kreisliga C bis zur Regionalliga. Sie selbst aber fragten bei einigen Vereinen das Interesse an ihrem Klienten ab, so bei Sparta Lichtenberg. Sparta, einer der Aufstiegsfavoriten, lehnte dankend ab.

Ronny will der jungen Mannschaft helfen

Der ehemalige Zweitliga-Profi Torsten Boer, exzellenter Kenner der Berlin-Liga, sagt: „Man staunt, was bei einigen Vereinen offenbar finanziell möglich ist. Wenn es mit Ronny gut geht, wie einst etwa mit Torsten Mattuschka bei Altglienicke, kann Novi Pazar froh sein. Es kann funktionieren, kann aber auch zur Lachnummer werden.“

Thomas Loest, der 1. Vorsitzende von Eintracht Mahlsdorf, einem Verein, der wieder den Aufstieg in die Oberliga anstrebt,  sagt zum Ronny -Auftritt: „Jeder Verein hat eine andere Philosophie. Das ist für Novi Pazar sicher eine Super-Werbung, aber für mich sportlich fraglich.“

In Ronnys Umfeld gibt es durchaus Stimmen, die ein „Spiel mit dem Feuer“ voraussagen und glauben, dass sich andere mit ihm profilieren wollen.

Ronny selbst sagte: „Ich will der jungen Mannschaft helfen mit meiner Erfahrung und meinem Können. Ich hoffe auf eine lange Zusammenarbeit.“