Never change a winning team ist eine der im Fußball landläufig besungenen Weisheiten, um die sich Urs Fischer nicht schert. Momentum hin oder her, um dieses neue Modeunwort zu benutzen. Der Fußballlehrer aus der Schweiz in Köpenicker Diensten, glaubt an seine eigenen Regeln. Er verändert die Mannschaft so, wie es ihm passt, wie der Gegner es eben erfordert. Vor dem Spiel in Heidenheim an diesem Freitagabend (18.30 Uhr) ist es allerdings keine freiwillige Entscheidung, Fischer ist wegen der Gelbsperre von Grischa Prömel dazu gezwungen, an der Rotation festzuhalten.

Die Handlungsoptionen sind schnell aufgezählt: Entweder auf Offensivpower setzen, Robert Zulj hinter die Spitzen stellen und Felix Kroos etwas zurückgezogener agieren lassen als zuletzt. Oder halt ein Systemwechsel mit einer zweiten Sechs neben Manuel Schmiedebach. Was dann eher nicht für Julian Ryerson, sondern für einen Einsatz von Michael Parensen sprechen würde.

Das ist nicht die einzige Position, auf der Fischer handeln wird. Auch im Sturm zeichnen sich Veränderungen ab, wenn man an das 2:0 gegen Ingolstadt denkt. Ein Name muss dabei fallen: Suleiman Abdullahi.

Der Nigerianer, der im Team den Spitznamen „Manni“ erhalten hat, brachte nach seiner Einwechslung für Carlos Mané viel Dampf in die Partie und hätte beinahe seinen dritten Saisontreffer für die Eisernen erzielt. Allein der Pfosten hatte etwas dagegen und machte dann Akaki „Andy“ Gogia als Abstauber glücklich. „Er hat uns gegen Ingolstadt sehr geholfen“, merkte Manager Oliver Ruhnert die Woche über an, „dass muss man mal wirklich so sagen. Er darf aber gerne auch am Ende manchmal eigennütziger sein oder selbst abschließen.“

Mané ist wieder fit 

Zur Ehrenrettung des gegen Ingolstadt eher unauffälligen Mané hatte Fischer natürlich etwas beizutragen. „Carlos war angeschlagen, er hatte Probleme mit der Schulter. Daher der Wechsel.“ Ruhnert erläuterte die Situation noch mal explizit: „Er ist am Anfang der Partie gefoult worden und beim Sturz auf die Schulter gefallen. Man hat gesehen, dass er nicht mehr richtig in die Kopfbälle gegangen ist. Er wollte eigentlich unbedingt weiterspielen, aber die Ärzte haben das nicht zugelassen.“

Zum Glück stellte sich die Blessur als nicht so schwer wie befürchtet heraus. Nach einigen individuellen Einheiten diese Woche wird der Portugiese mit nach Heidenheim reisen. Doch wer den rotationsfreudigen Fischer kennt, der ahnt bereits, dass der nach solchen Malaisen dann eher einen Bankplatz zuweist als eine Startelffunktion.

Spieler müssen sich an Fischers Wechselspiele gewöhnen

Doch zurück zu Abdullahi, bei dem Union wohl am Ende der Saison die Verpflichtungsoption ziehen wird. Dazwischenfunken kann den Unionern keiner, sie haben ja bekanntermaßen die Hand drauf, ihn endgültig aus Braunschweig loszueisen – oder eben nicht. „Ich glaube dann schon, dass mit Abdullahi eine gewisse Geschwindigkeit, ein gewisses Durchsetzungsvermögen in unser Spiel gekommen ist. Was uns sicherlich nicht geschadet hat“, sagte Fischer. Diese Robustheit wird gegen Heidenheim gefragt sein, gegen ein sehr kompakt stehendes, gut organisiertes Team. Es spricht also viel für eine neue Startelfchance des bulligen Afrikaners am Freitag.

Bei Carlos Mané stehen die Zeichen übrigens auch auf einen Verbleib in Berlin, selbst wenn die Option später als beim Nigerianer gezogen werden muss. „Wir haben ja bei seiner Verpflichtung gesagt, wir hoffen, dass er uns möglicherweise sofort hilft. Aber wir wussten, dass er keinen Rhythmus hat. Dass es möglicherweise ein bisschen dauert. Es kann sein, dass er vier, fünf, sechs Wochen braucht, um so da zu sein, wie wir es wünschen.“ Ein, laut Ruhnert, nicht untypisches Phänomen bei neuen Spielern unter Chefcoach Urs Fischer. Der Manager sagt: „Fast alle Spieler mussten sich erst mal adaptieren, sich an ihn gewöhnen.“ Und an seine wöchentlichen Wechselspiele.