Die Konkurrenz ist riesig. Sie heißt Hertha BSC, Alba, Eisbären, Füchse, Union oder BR Volleys – in den großen Sportarten ist die Hauptstadt in den höchsten Ligen vertreten, mischt teilweise ganz vorn mit. Und selbst in den Randsportarten wie Hockey oder Wasserball gibt es hochklassige Tradition. Es ist nicht einfach, in dieser Sportlandschaft seinen Platz zu finden. Erst recht nicht im weiblichen Bereich. Und doch „finden wir, dass es Zeit wird, eine Frauenmannschaft in der Bundesliga zu etablieren“, sagt Jelmen Guhlke, Manager bei der SG Rotation Prenzlauer Berg, deren Volleyballerinnen in die zweite Bundesliga Nord aufgestiegen sind.

„Starke Frauen, starke Stadt“, lautet der Slogan dazu. Das Ziel ist die Bundesliga, die Basis vorhanden, das Wachstum organisch. Aus der Berlin-Liga ging es ohne große Zukäufe von Spielerinnen und fast ausschließlich mit Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs binnen weniger Jahre nach oben. Mit Spielerinnen wie Milli Barber.

Hilfe aus dem Mehrspartenverein

Die 19-jährige Zuspielerin hat alle Aufstiege mit der Mannschaft gefeiert. Jetzt ist sie Kapitänin des Teams, das im Altersdurchschnitt eine 20 vor dem Komma stehen hat. Seit elf Jahren ist Milli Barber im Verein und kennt die Vorurteile anderer Berliner Klubs: „Im Jugendbereich heißt es immer, RPG kauft sich die besten Spielerinnen ein.“ Einkaufen? Wechsel, sagt Barber. Die Spielerinnen wollten bei Rotation den nächsten Schritt in der Entwicklung machen, denn die Nachwuchsarbeit des Vereins ist erfolgreich, wie Meistertitel der vergangenen Jahre belegen.

Die Strategie mag manchem bekannt vorkommen. Albas Basketballer sind darauf umgeschwenkt, die Handballer der Füchse haben Erfolg damit. Jetzt versuchen die Volleyballerinnen vom Prenzlauer Berg den wirtschaftlich schwierigen Bedingungen in der Millionenstadt mit ihrem riesigen Angebot, der riesigen Konkurrenz zu trotzen.

Finanziell „stoßen wir leider immer noch an Grenzen“, erzählt Manager Guhlke. Die Volleyballsparte agiert autark, pflegt aber den Kontakt zum Vorstand des Gesamtvereins und wird unterstützt, obwohl auch die Teams im Hockey, Fußball oder Handball Geld benötigen.

Milli Barber studiert Wirtschaftskommunikation, sie sagt: „In kleinen Orten ist Volleyball die Nummer eins.“ Aligse oder Dingden etwa, wo Zweitliga-Volleyball große Aufmerksamkeit genießt, Zuschauer kommen. Zum Stadtduell von Rotation mit dem BBSC kamen 200 Fans, immerhin. Das erste Heimspiel der Saison gegen Bad Laer sahen dagegen nur 75. „Daran müssen wir noch arbeiten“, sagt Guhlke. Derzeit spielt sein Team in einer Halle der Fritz-Lesch-Straße. Der Eingang zum Innenbereich ist nicht leicht zu finden, die Infrastruktur ausbaufähig.

Auf Platz neun bei 13 Teams

Sie wachsen mit den Aufgaben. „Von der dritten Liga zur zweiten Bundesliga ist es schon ein riesiger Sprung“, sagt Guhlke. Alles muss auf eine professionellere Ebene gehoben, Vorgaben der Deutschen Volleyball-Liga eingehalten werden. Über allem steht der sportliche Erfolg, RPB ist neunter von 13 Teams.

Die Leitung der Mannschaft hat in dieser Saison Johann Huber übernommen. Ein Österreicher, der eigentlich Athletikcoach und Assistenztrainer bei den Männern des VC Olympia  ist. Das Frauenteam von Rotation müsse sich an das höhere Tempo in Liga zwei gewöhnen, erzählt Huber. Er sieht Fortschritte, auch beim 3:0-Sieg am Sonntag gegen Hamburg, spricht aber von einer langfristigen Entwicklung: „Da muss man über Jahre reden. Volleyball braucht viel Erfahrung“, gewisse Situationen müsse man einfach erleben.

„Spielen, spielen, spielen“, ist daher Hubers Maxime, auch im Training, wo Testpartien eingestreut werden und Assistent Andreas Seidenglanz das Team im Wechsel mit dem Chefcoach betreut. Seidenglanz fungiert gleichzeitig als Teammanager und hat ein klares Vorbild im Berliner Volleyball, bei den Männern: „So wie es die BR Volleys geschafft haben, halte ich es auch bei uns nicht für unrealistisch, uns in der Bundesliga zu etablieren.“

Arbeit an der Fanbasis

Und beim Nachwuchs gehen sie den Weg, den Alba oder die Füchse einschlagen, sichten bereits bei den Kindern, gewinnen dadurch Talente, wecken Interesse auch bei weniger Talentierten, schaffen eine Fanbasis. So, sagt Seidenglanz, könne auch ein Verein wie Rotation eine größere Aufmerksamkeit erreichen. Und den sportlichen Erfolg. „In drei bis fünf Jahren ist es das Ziel, in die Erste Bundesliga aufzusteigen“, sagt Seidenglanz mit einem Nebensatz, der ihm neben allen Missionen, Visionen und Slogans wichtig ist: „Aber niemals zulasten der Jugend.“

Die Jugend ist lebenswichtig für das Projekt, sagt Seidenglanz, sagt Huber, sagt Guhlke: „Die Jugend ist das schlagende Herz im Verein. Das darf nicht wegbrechen.“ So lange Spielerinnen wie Milli Barber in der ersten Mannschaft pritschen, sind das nicht nur Worte, sondern auch Werte, nach denen gelebt wird und mit denen man der Konkurrenz in der Hauptstadt begegnen kann.