Verlässlicher Torlieferant wie kaum ein anderer: der Pole Robert Lewandowski. 
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BelgradDas neue offensive Denken im Spiel des FC Bayern zeigte sich sogar bei Torwart Manuel Neuer. Dem ehemaligen deutschen Nationalspieler Marko Marin in Diensten von Roter Stern Belgrad war gerade eine Flanke verrutscht, so dass diese in der Luft die Torauslinie überquert hatte. Neuer fing den Ball, legte ihn eilig ab und eröffnete sofort den nächsten Angriff der Münchner, der zügig und mit Direktpässen vorgetragen wurde, garniert von Philippe Coutinhos Hackentrick. 

Es war ein Spielzug, der kurz vor der Pause den neuen spielfreudigen und dominanten Angriffsgeist der Bayern exemplarisch belegte. Am Ende sicherten sich die Münchner mit dem 6:0 (1:0)-Sieg durch Robert Lewandowskis Viererpack in 14 Minuten (53., HE/60./64./67.) sowie durch Leon Goretzka (14.) und Corentin Tolisso (89.) am Dienstagabend den vorzeitigen Gruppensieg.

Hansi Flicks bemerkenswerte Serie als Trainer der Bayern geht damit weiter. Seine Startbilanz lautet nun: vier Spiele, vier Siege, 16:0-Tore. Die vorzeitige Zulassung zum Achtelfinale der Champions League hatte seine Mannschaft schon bei seinem Debüt gegen Olympiakos Piräus erworben (2:0). Nun steht für sie im letzten Gruppenspiel gegen Tottenham in zwei Wochen der deutsche Rekord von sechs Siegen in sechs Gruppenspielen in Aussicht.

Etwas überraschend war Flicks Aufstellung geraten. Thomas Müller, Joshua Kimmich und Serge Gnabry saßen zu Beginn auf der Bank, David Alaba war gar nicht erst mit nach Belgrad gereist, da seine Freundin ein Kind erwartet. Für das Quartett begannen Thiago Alcántara, Goretzka, Kingsley Coman und Jérôme Boateng.

Rummenigge: "Total zufrieden mit dem Hansi"

Für Thiago war es der erste Einsatz in der Startelf, seit Flick die Nachfolge vom entlassenen Niko Kovac angetreten hatte. Mit auf die Reise nach Belgrad genommen hatte Flick erneut viel Lob von allen Beteiligten. Man sei „total zufrieden mit Hansi“, hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge geschwärmt und auf dessen Matchpläne und Empathie verwiesen. „Er weiß, wie er den Job machen muss. Und bisher macht er ihn gut“, sagte Rummenigge. Seine Hymne fiel besonders auf, weil er Kovac in eineinhalb Jahren nie derart gelobt hatte.

Eine Chance reihten die Bayern an die nächste und gingen nach nicht einmal einer Viertelstunde in Führung, als Goretzka eine Flanke von Coutinho mit einem schulmäßigen Kopfball ins Tor lenkte. Auch Goretzka, einer der Profiteure des Trainerwechsels, hatte Flick vor dem Spiel gelobt und befunden, die offensivere Spielidee „liegt uns jetzt deutlich besser".

Auch in der Folge blieben die Münchner die klar bessere Mannschaft. Für die größte Freude bei Belgrads Fans sorgte deshalb auch, dass Lewandowskis Schlenzer in den Winkel zum vermeintlichen 0:2 kurz vor der Pause aberkannt wurde, weil Tolisso den Ball zuvor mit der Hand berührt hatte. Doch an der erdrückenden Übermacht der Bayern änderte das nichts.

Auch nicht in der zweiten Halbzeit, in der Lewandowski im Rekordtempo nachholte, was er und seine Kollegen in der ersten Halbzeit versäumt hatten. Zunächst traf er per Handelfmeter, ehe er Tolissos Vorlage aus drei Metern einschob, Benjamin Pavards Flanke per Kopf verwertete und nach zweifachem Doppelpass mit dem eingewechselten Ivan Perisic seinen vierten Streich folgen ließ. Lewandowski und Flick strahlten, auch über Tolissos 6:0 kurz vor dem Abpfiff.