Bogdan Radosavljevic wirft nun wieder für Alba Berlin.
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Berlin-HohenschönhausenEs war fast so, als wäre er nie weg gewesen. Mit der Rückennummer zwei lief Bogdan Radosavljevic nach mehr als einem Jahr Pause und zwischenzeitlich drei unterschiedlichen Teams wieder einmal in der Arena am Ostbahnhof auf, mit einem Trikot von Alba Berlin. Er wurde dafür lautstark von den mehr als 10.000 Fans begrüßt. „Es war mega schön. Ich habe mich auch riesig gefreut, dass es wieder Berlin ist. Ich habe mich auf die Halle, die Jungs, die Coaches gefreut, auf alles, das ich schon kenne“, sagte Boggy, nach dem 90:77-Sieg gegen Oldenburg. Boggy, so wird er noch immer liebevoll von den Berliner Anhängern, Mitspielern und dem Alba-Stab genannt.

Bei diesem Comeback der besonderen Art war kaum aufgefallen, dass neben Peyton Siva, Johannes Thiemann, Tyler Cavanaugh und Stefan Peno auch Tim Schneider fehlte. Während die anderen vier Spieler die Partie immerhin in der Halle verfolgen konnten, war Schneider mit einer Lungenentzündung an das Bett gefesselt. „Tim wird mindestens für eine Woche ausfallen, auf jeden Fall in den nächsten beiden Spielen nicht dabei sein“, sagte Sportdirektor Himar Ojeda, „auch deshalb ist es sehr wichtig, dass Boggy hier ist. Er kann uns als Deutscher auch in allen Wettbewerben helfen.“

Radosavljevic sagt schnell zu

Statistisch gesehen bewegte sich die Hilfe in seinem ersten Auftritt nach seiner Rückkehr in überschaubaren Sphären. 3:29 Minuten vor der Halbzeitpause durfte er erstmals aufs Spielfeld, leistete gleich einen Schrittfehler zum Einstand. In seinen insgesamt 6:23 Minuten sollte es allerdings der einzige Ballverlust bleiben. Neben zwei Fouls lieferte der Mann mit der Nummer zwei auch zwei Punkte durch Freiwürfe, zwei Rebounds und einen Assist.

„Es war etwas rostig, aber das ist ja normal, da ich erst wenige Stunden hier bin“, erzählte der 26-Jährige, dessen Vertrag beim italienischen Erstligisten New Basket Brindisi am Mittwoch ausgelaufen war und nicht verlängert wurde. Am Donnerstag gab es über seinen Agenten den ersten Kontakt zu Alba Berlin und eine schnelle Zusage des Centers. Aber: „Freitagmittag war ich noch in Italien“, sagte Radosavljevic, „dann bin ich nach Hause geflogen, habe kurz geduscht, mich frisch gemacht und bin wieder zum Flughafen und nach Berlin.“

Irgendwann gegen ein Uhr in der Nacht von Freitag auf Sonnabend  war er in der deutschen Hauptstadt, wo es nach dem Aufstehen in die Halle zum Einwerfen und von dort zum Medizincheck ging. „Es war für ihn nicht einfach“, sagte Ojeda, „wir hoffen, dass er   in den nächsten Tagen besser integriert werden und uns noch mehr helfen kann. Es   wird wichtig sein, dass er Landry (Nnoko, d. Red.) mit seinen Minuten auch mal Zeit für Pausen gibt.“

Gerade auf den großen Positionen ist Alba durch die Ausfälle von Tyler Cavanaugh und Johannes Thiemann arg gebeutelt und zum Handeln gezwungen gewesen. Damit Nnoko gerade bei der hohen Belastung des Spielplans nicht auch noch ausfällt, war es wichtig, dass mit   Radosavljevic ein Spieler verpflichtet wurde, der keine lange Eingewöhnungszeit benötigt. Er kennt das System des Trainers und einen Großteil der Spieler aus seiner Alba-Zeit zwischen 2016 und 2018.

Wichtiger Sieg für Alba Berlin

Ganz glücklich ist er nicht gegangen, in zwei Verletzungen sieht er die Ursache für seine Formschwankungen im letzten Vertragsjahr. „Die Herausforderung, dass ich es besser machen kann als in meinem letzten Jahr bei Alba, hat mich mehr gereizt als das Geld bei einem anderen Verein“, sagt er. Zwei, drei gut dotierte Angebote mit einer längeren Vertragslaufzeit habe er vorliegen gehabt, sich aber bewusst für Alba entschieden. „Ich liebe Berlin, unser Sohn ist hier geboren und ein echter Berliner. Wir haben hier viele schöne Momente erlebt“, sagt er.

Der Sieg gegen Oldenburg dürfte sich in die Reihe der schönen Momente nahtlos einreihen. Nach zwei Bundesliga-Niederlagen in Folge drohte Alba Berlin etwas den Anschluss zu verlieren, wären sie auch gegen Oldenburg unterlegen gewesen. „Um in der Bundesliga weiter wettbewerbsfähig zu sein, war es sehr wichtig, dass wir gewonnen haben. Diese Art von Spielen sind nicht unbedingt Schlüsselspiele, aber sehr wichtig, um Mentalität, Rhythmus und die Motivation hoch zu halten“, sagt Ojeda. Und genau das braucht es, um auch am Dienstagabend in Bonn, im Duell mit dem ehemaligen Alba-Trainer Thomas Paech, bestehen zu können.