Berlin - Als Georg Grozer trotz anders lautender Ankündigung beim letzten Mal in die deutsche Volleyball-Nationalmannschaft zurückkehrte, spielte das Team eine überragende Europameisterschaft. 2017 in Polen war das – Deutschland gewann die Silbermedaille.

An diesem Freitag ist Grozer überraschend wieder mit von der Partie, wenn die Mannschaft von Bundestrainer Andrea Giani gegen Kroatien (16 Uhr, Sport 1+) in die EM startet. Es ist die achte Europameisterschaft für Deutschlands bekanntesten Volleyballer, der mittlerweile 36 Jahre alt ist. Aber wie sagt er selbst? „Das Alter? – Ist doch nur eine Zahl.“

Grozer hat zehn Kilo abgenommen

Giani war froh über Grozers Sinneswandel. Der Zwei-Meter-Mann, der wegen seiner wuchtigen Angriffe und kraftvollen Aufschläge den Spitznamen „Hammerschorsch“ trägt, hatte nach der verpassten Olympiaqualifikation im Januar 2020 enttäuscht seinen Rücktritt aus dem Nationalteam erklärt.

Inzwischen sind die Tränen, die damals flossen von dem Gefühl neuer Angriffslust überdeckt. Bundestrainer Giani weiß, dass er einen Weltklassespieler zurück im Team hat. Auf der wichtigsten Angriffsposition bringt Grozer Durchschlagskraft. Für die neue Saison, die er in Italien bei Piacenza Volley verbringt, hat er zehn Kilo abgenommen.

Er habe gestaunt, wie fit Grozer mit 36 Jahren ist, gab Außenangreifer Ruben Schott im Podcast der BR Volleys zu: „Ich finde es megageil, dass Georg doch noch mal Bock hat auf die Natio“, fügte der Berliner an. „Georg ist für uns mental und emotional super wichtig, weil wir nicht so die extrovertierten Spieler haben.“

Grozer ist nicht nur kraftvoll und extrovertiert, er ist auch erfahren. „Ein Vorbild in der Mannschaft“, sagt Kapitän Christian Fromm. Auf die Erfahrung von Zuspieler Lukas Kampa muss die deutsche Auswahl verzichten, da der bisherige Kapitän nach einer Knie-Operation im Sommer noch nicht fit ist. Der frühere Volleys-Zuspieler Jan Zimmermann übernimmt bei der EM, die in Polen, Tschechien, Finnland und Estland ausgetragen wird, nun Kampas Part.

Deutschland trifft auf Estland mit Berlin-Coach Cedric Enard

Grozer gibt den Kampf um eine Medaille als persönliches Ziel aus. Dafür muss Deutschland die Gruppe D, in der neben Kroatien noch Estland mit Volleys-Trainer Cedric Enard als Nationalcoach, Olympiasieger Frankreich, Lettland sowie die Slowakei als Gegner warten, zunächst als eines der besten vier Teams abschließen. „Wichtig ist für uns ein guter Start. Wir sind eine Gefühlsmannschaft und müssen in einen Flow kommen“, sagt Schott. So wie 2017, als Deutschland gleich das erste EM-Spiel nach 0:2-Rückstand gegen Italien noch 3:2 gewann.