Der Rhythmus ist weg: Trainer Cedric Enard bietet Lösungsvorschläge.
DPA/Andreas Gora

Man weiß nie, was so ein Champions-League-Dienstagabend in Berlin alles bringen kann. Noch dazu, wenn die BR Volleys gegen ein russisches Topteam wie Fakel Novy Urengoi antreten, das mit einem Sieg gegen Zenit Kasan im Gepäck aus Sibirien angereist ist. Je länger der Abend in der Max-Schmeling-Halle dauerte, desto mehr verfestigte sich der Eindruck, dass auch die Spieler der BR Volleys selbst bislang nicht wussten, in was für einen Rausch sie sich hineinsteigern können. Und wie bitter das Erwachen danach sein kann: das 2:3 (25:21, 25:15, 20:25, 22:25, 10:15) bot Spitzensport zum Genießen und zum Mitleiden. 

So empfand das vermutlich auch Berlins Zuspieler Pierre Pujol. Der stand in der Mitte des zweiten Satzes mit den anderen Auswechselspielern in der Ecke, hatte beide Hände in den Saum seiner Trikothose gesteckt und pfiff vor sich hin. Sein Einsatz sollte allerdings auch noch kommen, denn der Abend hatte selbst für die Ersatzspieler vor knapp 4 600 Zuschauern eine Rolle parat. „Ja, die ersten beiden Sätze waren gut. Aber das war nicht genug“, sagte Trainer Cedric Enard enttäuscht. „Ich bin stolz auf den Beginn, stolz dass wir gekämpft haben. Aber ich wollte mehr.“ Nach nur einem Sieg aus vier Spielen ist die Chance auf die K.-o.-Phase der Champions League für die Berliner so gut wie vertan.

Ein besonderes Feuer

Aber ganz offenbar hatte das Duell gegen Fakel ein besonderes Feuer, eine besondere Entschlossenheit, in der Berliner Mannschaft entfacht. Jedenfalls legten die Berliner so los, wie es Enard gefordert hatte: mit enormem Druck im Service, mit enormem Einsatz in der Abwehr, erst hechtete sich Samuel Tuia zu einem Pancake, dann brachte Moritz Reichert seine Hand pfannkuchengleich unter den Ball. Zuspieler Sergei Grankin gewann nicht nur das Drückduell am Netz, er setzte Jeff Jendryk und Nicolas Le Goff perfekt für ihre Schnellangriffe aus der Mitte ein. Und Benjamin Patch flog hoch in die Luft, um den Russen seine Bälle um die Ohren zu schlagen.

Satz eins und zwei liefen perfekt für die Berliner, die Spieler trieben sich zu Höchstform. Und als Pujol Ende des zweiten Satzes eingewechselt wurde, als er hinten an der Linie einen Ball im Seitflug abwehrte und vorne Moritz Reichert den Angriff zum 23:13 verwandelte, hob Tuia den französischen Zuspieler selig hoch wie einen kleinen Jungen. Aber wie oft beim Volleyball folgte nach zwei rauschhaften Sätzen der Bruch im dritten.

Kolodinskiy bringt das Publikum gegen sich auf

In dem Maße, wie Spannung und Konzentration auf Berliner Seite nachließen, steigerte Fakel seine Angriffswucht, seine Blockpunkte, seine Aufschlagqualität. Dem russischen Kapitän und Zuspieler Igor Kolodinskiy gelang es dabei nicht nur, mit ständigen Schiedsrichterdiskussionen und provokativen Gesten die Arena gegen sich aufzubringen, sondern auch die Bälle effektiv an seine Mitspieler zu verteilen.

Der vierte Satz war dann umkämpft, aber den Berlinern fehlte die Entschlossenheit, der Esprit der ersten beiden Durchgänge. Patch baute ab, bekam im zweiten Spiel nach seiner langen Verletzungspause eine Auszeit, immer wieder war es Reichert, der sein Team mit klugen Angriffen im Spiel hielt. „In den ersten Sätzen haben wir in Aufschlag, Abwehr und Angriff das gezeigt, was wir können. Die Russen haben es uns aber auch mit vielen Fehlern unerwartet leichtgemacht. Wir müssen daran arbeiten, dieses Niveau gegen so einen Gegner konstant über drei Sätze zu halten. Stattdessen haben wir nachgelassen und Fakel ist stärker geworden", sagte der Berliner Kapitän.

Auch im Tiebreak kam der Glanz der ersten beiden Sätze nicht wieder. Zu dominant schlug Fakel auf, Berlins Block bekam keinen Zugriff mehr auf die Angriffe des russischen Teams. Pujol stand in der Ecke, die Arme hinter dem Rücken verschränkt. Zum letzten Aufschlag wurde er noch mal eingewechselt, da war das Spiel schon verloren. Sein Service segelte einen halben Meter ins Aus.