Rückschlag für den 1. FC Union: Die Eisernen verlieren das Kampfspiel in Heidenheim

Heidenheim - Am Freitagabend, beim Gastspiel in Heidenheim, haben die Spieler des 1. FC Union eine für diese Saison neue, unliebsame Erfahrung gemacht. Nämlich, dass auch ihnen von einer Minute auf die andere das Spiel aus den Händen gleiten kann. Dass sie sich plötzlich in einem vom Gastgeber angezettelten Kampfspiel wiederfinden, dafür aber vielleicht gar nicht die richtigen Mittel parat haben.

1:2 (1:0) hieß es am Ende einer von Schmuddelwetter beeinflussten Partie aus Sicht der Köpenicker, was zur Folge hat, dass Union mit 47 Punkten zwar Dritter bleibt, der Abstand auf die Heidenheimer, aber auch auf die siegreichen Kieler (5:1 gegen Aue) auf fünf Punkte geschmolzen ist.

Urs Fischer macht es einem wirklich schwer, die Startelf komplett richtig vorherzusagen. Es war ja die Woche da und dort – und freilich auch in dieser Zeitung – ausgiebig darüber spekuliert worden, ob Carlos Mané oder Suleiman Abdullahi einen der beiden Flügel bespielen darf. Und dann? Ja, dann fanden sich beide auf der Bank wieder.

Marcel Hartel kam in der Dreier-Angriffsreihe über rechts, Akaki Gogia über links, wo ihm aber nicht wie erwartet Christopher Lenz, sondern Ken Reichel als Linksverteidiger zuarbeitete. Und für den gelbgesperrten Grischa Prömel durfte Robert Zulj ran.

Zulj hat den siebten Sinn

Am Beispiel Robert Zulj zeigte sich dann auch gleich, wie gut Fischer grundsätzlich daran ist, die richtigen Schlüsse aus der Beobachtung des Gegners, aber auch aus der Beobachtung der eigenen Mannschaft  abzuleiten. Der 27 Jahre alte Kroate mit österreichischem Pass war in Heidenheim nämlich von Beginn als Medium zwischen Abwehr und Angriff sehr präsent, stellte in der 23. Minute unter Beweis, dass er vor allem in der Vorwärtsbewegung schon mal von einem siebten Sinn geleitet wird.

Dauerregen, Böen, glitschiger Ball, Fernschuss von Gogia, da muss man hinterher. Und tatsächlich ließ Heidenheims Keeper Kevin Müller den Ball nach vorne flutschen. Zulj war zur Stelle, staubte ab. Fischer applaudierte.

Gikiewicz zögert

Und doch muss an dieser Stelle gleich mal erwähnt werden, dass bei Union an diesem Abend doch einiges im Argen lag und das Team  nur dank Keeper Rafal Gikiewicz ohne Gegentreffer in die Halbzeit gehen konnte. Dickes Lob für seine Fußabwehr in der siebten Spielminute, als sich die Gastgeber doch viel zu leicht durch die eisernen Reihen kombiniert hatten und Denis Thomalla aus gerade mal zwölf Metern zum Abschluss kam. Dickes Lob auch für sein Stellungsspiel, als er für Heidenheims Nikola Dovedan das Tor zum Törchen schrumpfen ließ. Doch stellt sich die Frage, warum der Pole wenige Minuten nach dem Wiederanpfiff bei einem Eckstoß durch Marc Schnatterer so passiv blieb. Mit ein, zwei beherzten Schritten nach vorne hätte er wohl eine Faust an den Ball bekommen. So aber war er nur Augenzeuge, als Robert Glatzel unter Zuhilfenahme des Rückens von Marvin Friedrich den Ausgleich erzielte.

Dahin war die Selbstverständlichkeit des Fischer-Teams. Dahin die Überzeugung, dass auch Heidenheim einem nichts anhaben kann. Vor allem Schnatterer war es, der mit Energie und Cleverness die Kräfteverhältnisse veränderte; der in der 56. Minute erst mal mit einem feinen Linksschuss von der Strafraumgrenze das 2:1 erzielte und auch im Anschluss da und dort als Brandstifter in Erscheinung trat. Sowohl Reichel als auch Christopher Trimmel gerieten ob der Flexibilität der Heidenheimer Klubikone ein ums andere Mal in Verlegenheit.

Mané scheitert an Müller

Erst durch die Hereinnahme von Mané und Abdullahi wurde das Spiel des 1. FC Union wieder etwas griffiger. Letztgenannter hatte gleich mal die Chance zum Ausgleich, scheiterte aber an sich selbst (71.). Mané wiederum nur wenige Minuten später an Keeper Müller, der seinen Versuch als Kurzdistanz zur Ecke abwehren konnte.

Am nächsten dran am 2:2 war allerdings Zulj, der mit seinen Schuss aus fünf Metern in der 84. Minute zwar Müller, aber eben nicht den auf der Linie positionierten Rechtsverteidiger Marnon Busch überwinden konnte.

Das Schlusswort geht an Fischer, der befand: „Wir haben nach der Pause ein bisschen die Ordnung verloren. Natürlich macht Heidenheim da Druck, aber den musst du auch mal überstehen. Wir hatten zu viele Abspielfehler, haben die Bälle zu schnell verloren oder einfach weggeschossen. Das hat unnötige Unruhe reingebracht.“