Wirbt um einen Vertrauensvorschuss für den Fußball: Bayern-Boss Rummenigge.
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Berlin/MünchenDie befürchtete Botschaft aus Berlin entfachte in der Zentrale der Deutschen Fußball Liga (DFL) nur noch zusätzlichen Ehrgeiz. Na klar, „höchste Priorität“ habe selbstverständlich weiter die „Eindämmung des Coronavirus“, erklärte die DFL am Dienstag. Allerdings sollte es „in allen Lebensbereichen das Ziel sein, eine Rückkehr in Richtung Normalität anzustreben“ – schrittweise und der jeweiligen Lage angemessen.

Und deshalb wird die DFL ihre Bemühungen um die Wiederzulassung von Zuschauern in den Bundesliga-Stadien fortsetzen, Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge hofft trotz der vorläufigen Absage der Politik gar weiterhin auf eine zeitnahe Rückkehr der Fans. „Ich kenne das Konzept (der DFL, d. Red.) von A bis Z“, sagte er bei der Begehung der im Bau befindlichen neuen FC Bayern Welt unbeirrt: „Es gibt schon eine gewisse Chance.“

Rummenigge warb zugleich um einen Vertrauensvorschuss. „Der Fußball hat oft bewiesen, Vorgaben diszipliniert umzusetzen. Er wäre auch in diesem Fall in der Lage“, so der 64-Jährige, der allerdings zugab, „dass die momentanen Fallzahlen nicht hilfreich“ seien: „Wichtig ist jetzt, konzeptionell perfekt zu arbeiten.“

Am Montag waren die vagen Hoffnungen auf gut besetzte Ränge zum Saisonstart am 18. September aber vorerst auf ein Minimum gesunken. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sowie dessen Kollegen der Bundesländer hatten sich relativ deutlich gegen die Pläne der DFL ausgesprochen und Feinjustierungen gefordert.

Die seien unter anderem nötig, weil „die Risiken bei An- und Abreise zu Spielen ohne Lösungsvorschlag“ blieben, hieß es in einer Mitteilung nach den Beratungen der Gesundheitsministerkonferenz (GMK). Zudem sei es problematisch, dass „die nähere Ausgestaltung vor Ort den jeweiligen Gesundheitsämtern überlassen“ werde, da die ohnehin schon genug zu erledigen haben.

Immerhin: Für die Perfektion ihrer Pläne hat die DFL viel Zeit. Zwar sprach Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ebenfalls am Montag von einer möglichen Ministerpräsidenten-Konferenz Ende August, bei der das Thema Bundesliga und Fans auf der Agenda stehen könnte. Grünes Licht für die Öffnung der Stadiontore wird – wenn überhaupt – aber wohl erst im September oder Oktober erteilt.

„Analog zu den bis Ende Oktober untersagten Großveranstaltungen“ vertritt die GMK gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsminister die Auffassung, „für den möglichen Besuch der Fußballstadien erst im Herbst zu einer erneuten Bewertung kommen zu können“. Dann ist auch besser absehbar, welche Richtung die Corona-Pandemie bei sinkenden Außentemperaturen einschlagen könnte.

Sollten tatsächlich bis zum 31. Oktober Geisterspiele stattfinden, wären davon nicht nur die ersten sechs Spieltage in der Bundesliga und 2. Liga betroffen. Auch die erste Runde im DFB-Pokal sowie drei Partien der DFB-Auswahl gegen Spanien (3. September), die Türkei (7. Oktober) und die Schweiz (13. Oktober) fänden vor leeren Rängen statt. Außerdem die ersten beiden Spieltage der Champions und Europa League.

Die organisierte Fanszene brachte ebenfalls Verständnis für die Entscheidung der Politiker auf. Man wolle schließlich „keine Sonderrolle für den Fußball beanspruchen“, teilte das Bündnis Unsere Kurve mit und warb bei der DFL um einen intensiven Dialog: „Wir wünschen uns, dass Verbände und Vereine die Zeit nutzen, in den Dialog mit Fan- und Mitgliedervertretungen zu gehen, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, die von möglichst vielen getragen werden können.“