Rune Jarstein: Nette Botschaft an die Konkurrenz

Schladming - Er ist er ein stiller Profi, doch wenn er etwas sagt, kommt manchmal eine Überraschung heraus. Herthas Rune Jarstein, 32, erkämpfte sich in den vergangenen zwei Jahren im Duell mit Thomas Kraft den Platz als Nummer 1 im blau-weißen Tor. Er wurde Norwegens Fußballer des Jahres 2016. Jarstein ist ein Riese zwischen den Pfosten. Aber als Teamplayer zeigt er jetzt seine wahre Größe. Wegen der Doppelbelastung durch die Europa League sagt er: „Torwartrotation, warum nicht?“

Es ist eine nette Botschaft an seinen Konkurrenten Thomas Kraft. Ein Satz, der ein Signal an alle Mitspieler ist. 26 Partien bestreitet Hertha bis zur Winterpause. Trainer Pal Dardai muss wegen dieses umfangreichen Programms immer wieder rotieren lassen, um die Kräfte der einzelnen Spieler effektiv zu nutzen. Für den Coach wird es nicht einfach, das im Team zu moderieren, damit keiner beleidigt ist, wenn er mal draußen bleibt. Allein: Was passiert mit den Torhütern?

Er weiß es noch nicht

In Schladming sagte Jarstein: „Ich weiß es noch nicht. Ich glaube schon, dass wir auch im Tor rotieren werden. Aber ich habe noch nicht mit dem Trainer darüber gesprochen. Ich mache, was er möchte. Aber für mich ist es denkbar, dass wir auch im Tor rotieren. Damit würde ich gar kein Problem haben.“

Der Norweger geht sogar noch weiter und erklärt, warum es vielleicht sinnvoll wäre. „Auch für Torhüter sind englische Wochen sehr anstrengend. Nach dem Spiel bin ich immer müde im Kopf. Ein bisschen rotieren ist gut. Drei Spiele in einer Woche sind sehr viel. Vielleicht ist es sinnvoll, dann zu wechseln.“ Damit könnte Thomas Kraft in der neuen Saison doch ein paar Mal auf dem Platz stehen. Das wird in den nächsten Tagen im Trainerteam mit den Keepern noch genauer diskutiert.

Er trägt die Ruhe in sich

Jarstein denkt nicht an sich, sondern an den Erfolg der Mannschaft. Er ist nicht nur mitspielender Torwart, sondern auch mitdenkender. Anders als der frühere Nationalkeeper Oliver Kahn, der immer spielen wollte. „Nein, so ein Typ bin ich nicht. Ich brauche Energie, dann bin ich bereit“, erklärt der Norweger Jarstein. Was sagt er zu Talent Jonathan Klinsmann, der so einen berühmten Vater mit dem früheren Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat? „Jonathan ist ein guter Junge. Sowohl als Torwart, als auch als Mensch. Er ist ein großes Talent. Er trainiert sehr gut“, erklärt Jarstein. Erst im Training wird er zum Einzelkämpfer. „Da bin ich voll auf meine Arbeit fokussiert. Ich will ja noch besser werden. Die Saison wird eine große Herausforderung für uns.“

Er trägt die Ruhe in sich. So wie er auch seinen Karrieresprung bei Hertha zur Nummer 1 gelassen sieht. Lockangebote aus England im Winter bügelte er ab. „Das hat mich überhaupt nicht interessiert. Ich habe mit Zsolt Petry einen überragenden Torwarttrainer, der mich noch besser macht. Das zählt für mich. Das ist mir wichtig. Ich fühle mich bei Hertha sehr wohl, kann mir vorstellen, bis zum Karriereende hier zu spielen. Außerdem lebt meine Familie in Berlin sehr gerne“, sagt er.

Am Ludwig-Kirch-Platz in Wilmersdorf hat er sein Stammrestaurant mit dem „Sweet2go“. Jarstein sagt: „Da gibt es sehr guten Kaffee und die beste Eiscreme in der Stadt. Das ist mein Ruheraum, der Laden ist speziell. Ich habe mich in den vergangenen Jahren mit Wirt Luan aus Montenegro richtig angefreundet. Er spielt auch Fußball.“