Hertha-Torwart Rune Jarstein steht nach einigen Patzern in dieser Saison in der Kritik.
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BerlinEr kann es nicht lassen. Gábor Király fiebert in seiner ungarischen Heimat bei jedem Spiel von Hertha BSC mit. „Rune ist erfahren genug. Er kann damit umgehen“, sagt Király am Telefon. Dem 44-Jährigen, der zwischen 1997 und 2004 das Hertha-Tor hütete und nicht nur wegen seiner Schlabberhose Kult-Status erreichte, ist die Kritik an Rune Jarstein, der aktuellen blau-weißen Nummer eins, natürlich nicht entgangen.

„Ich bin Hertha-Fan und drücke vor dem TV bei jedem Spiel die Daumen“, sagt Király, der sich in der Corona-Krise mit seiner Stiftung in seiner Heimatstadt Szombathely engagiert. Auch in Ungarn gehen die Zahl der Neuinfizierten zurück. „Die Menschen gehen sehr diszipliniert mit den Beschränkungen um. Es geht aufwärts“, berichtet Király.

Aufwärts ging es auch mit Hertha. Unter Bruno Labbadia sammelten die Blau-Weißen zehn Punkte aus fünf Spielen. „Mit Bruno läuft es“, sagt Király, der selbst 2009 ein halbes Jahr unter Labbadia in Leverkusen trainierte. „Er ist ein Vollblut-Trainer“, erinnert er sich und lobt dessen Handschrift: „Spielart und -weise ist nun klar erkennbar.“ Mit Labbadia – und den Millionen von Investor Lars Windhorst – könnte Hertha schon bald in Europa für Furore sorgen. „Das Potenzial ist da. Es muss aber jedes Puzzle-Stück passen“, sagt Király.

Immer noch nah dran. Gábor Király schaute vor der Saison im österreichischen Trainingslager bei Hertha vorbei.
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Ein besonders wichtiges Puzzle-Teil ist die Position des Torhüters. Jarstein, seit 2015 die Nummer eins, lieferte jahrelang Top-Leistungen ab, gehörte stets zu den besten Keepern der Liga. Doch die turbulente Hertha-Saison ging auch am 35-jährigen Norweger nicht spurlos vorbei. Jarstein patzte und wackelte mehrfach, sodass Interims-Trainer Alexander Nouri zweimal Ersatzmann Thomas Kraft den Vorzug gab. Labbadia setzt wieder auf Jarstein. Daran änderte auch die jüngste Slapstick-Einlage nichts, als sich der Keeper beim 2:2 in Leipzig den Ball selbst ins Tor warf.

„Jeder Torhüter macht Fehler. Wichtig ist immer, dass man daraus lernt und den nächsten Schritt macht“, sagt Király, der sich vorstellen kann, dass die vielen Trainerwechsel Jarstein aus dem Rhythmus gebracht haben. Jürgen Klinsmann setzte Torwart-Trainer und Jarsteins Bezugsperson Zsolt Petry im Herbst vor die Tür, installierte DFB-Trainer Andreas Köpke. Auf Köpke folgte U23-Torwarttrainer Max Steinborn, bevor Manager Michael Preetz im Februar keine 24 Stunden nach Klinsmanns kuriosem Rücktritt Petry zurückholte. „Der Trainer ist für einen Torhüter sehr wichtig. Nicht nur fachlich, sondern auch menschlich. Wenn du jahrelang mit jemanden arbeitest und er plötzlich nicht mehr da ist, dann fehlt dir die Rückendeckung. Das kann einen Unterschied machen“, erklärt Király.

Sollte Herthas Schlussmann, der vertraglich bis 2021 gebunden ist und noch fünf Jahre aktiv bleiben will, im Saison-Endspurt seine Form wiederfinden, sieht Király keinen Handlungsbedarf. „Rune ist ein erfahrener Nationaltorhüter, der sich voll mit Hertha identifiziert. Er kann dem Verein immer noch helfen, das hat er in der Vergangenheit oft genug gezeigt“, erklärt Herthas Kult-Keeper, der selbst bis vergangenes Jahr gespielt hat. „Er soll die Zeit genießen, der Körper meldet sich schon“, empfiehlt er Jarstein – und lacht.