Joshiko Saibou wird das Bonner Trikot nach einer fristlosen Kündigung sehr wahrscheinlich nicht mehr tragen.
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BerlinAm frühen Nachmittag gab es die fristlose Kündigung, am späten Abend die Reaktion auf Instagram. Und in der hält Joshiko Saibou seinen Rauswurf für „totalitär“ und einen „Schlag ins Gesicht der Meinungsfreiheit“. Doch Basketball-Bundesligist Telekom Baskets Bonn steht weiterhin fest zu seiner Entscheidung. Der Klub erhärtete am Mittwoch sogar die Vorwürfe, und so läuft alles auf eine gerichtliche Auseinandersetzung vor dem Arbeitsgericht hinaus. „Wir wissen, dass wir keine guten Karten haben, da mit einer Null rauszugehen. Es läuft wahrscheinlich auf einen Vergleich hinaus“, sagte Klubpräsident Wolfgang Wiedlich: „Aber das ist uns allemal lieber, als dass unser Mini-Raumschiff in die Luft fliegt.“

Die Bonner hatten sich am Dienstag nach Saibous Teilnahme an einer Großdemonstration gegen die Anti-Corona-Maßnahmen vom 30-Jährigen getrennt. Der ehemalige Spieler von Alba Berlin stelle „ein permanentes Infektionsrisiko“ dar. Schon im Mai hatten er und seine Freundin, die Weitspringerin Alexandra Wester, mit Einlassungen zur Corona-Krise in den sozialen Netzwerken polarisiert.

Saibou wehrte sich auf Instagram zumindest verbal gegen seine Entlassung, die zu weit führe: „Ich bin Basketballer, aber in erster Linie bin ich Mensch.“ Seine Freundin Alexandra Wester kritisierte, Vereine würden „ihre Sportler wie Puppen behandeln“, dabei gehe es hier „um Meinungsfreiheit“.

Doch auf diese Diskussion lässt sich der Klub nicht ein. „Ich habe nichts gegen kontroverse Diskussionen zu diesem Thema, aber Joshiko Saibou gefährdet fahrlässig unsere Existenzgrundlage“, sagt Sportmanager Michael Wichterich. Ein Überleben des Klubs könne es derzeit nur geben, „wenn wir ein wasserdichtes Hygienekonzept präsentieren und auch erfüllen – und das ist mit Joshiko Saibou nicht zu machen.“ Klubpräsident Wiedlich ergänzte, Saibou sei „kein Gelegenheitsleugner“. Man wolle mit den Hygiene-Maßnahmen „einen Schutzwall gegen Corona“ aufbauen, „da kann es keinen geben, der sagt: ‚Pass auf, das Virus gibt es gar nicht.‘“

Ihn als Gefahr für den Verein darzustellen, sei „haltlos“, verteidigte sich Saibou. Zumal „seit Monaten kein Teamtraining“ stattgefunden hätte und auch in der nächsten Zeit nicht anstehe. Allerdings zeigten in den Tagen vor und nach der Demonstration gleich mehrere Videos auf Instagram, wie Saibou gemeinsam mit den Alba-Spielern Maodo Lo und Johannes Thiemann in einem Fitnessstudio in Berlin trainiert – ohne Maske und mit wenig Abstand.

Der Deutsche Basketball-Bund (DBB) hatte in seiner ersten Reaktion auf eine Sanktion verzichtet. Man distanziere sich zwar von den polarisierenden Aussagen des Profis, „wir akzeptieren aber auch, dass unser Nationalspieler eine andere Meinung hat“, teilte DBB-Präsident Ingo Weiss mit.