Flugkopfball im Punktspiel ist schon noch erlaubt, aber nur alle zwei Wochen.
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BerlinDie Uhrzeit, zu der der Berliner Fußball-Verband (BFV) seine Presseinformation verschickte, sollte sicher ein Zeichen sein für die zeitliche Belastung, die die Corona-Situation von den Funktionären abverlangt. 23.05 Uhr war es am Dienstagabend. Das Schreiben betrifft die Fußballer, Trainer, Betreuer, Ordner, aber auch die Eltern in den mehr als 3000 Amateur-Fußballklubs in allen Berliner Bezirken.

Für sie gilt: Am 5. September soll die Saison für alle Mannschaften unterhalb der sechstklassigen Berlin-Liga nach der Absage des ersten Spieltags am vorigen Wochenende nun tatsächlich starten. Allerdings wird aus der Saison 2020/2021 von der Landes- bis zur Kreisliga nur ein Saisönchen. Meister und Absteiger werden jeweils nur in einer Einfachrunde ausgespielt. Die Rückrunde fällt aus. 

Der Zehn-Punkte-Plan, den das Präsidium des BFV aufgelegt hat, sieht vor, dass jede Mannschaft nur alle zwei Wochenenden ein Pflichtspiel bestreitet, um die Spieltage zu entzerren. Duschen dürfen nicht benutzt, Zeitabstände zwischen Platzbelegungen müssen eingehalten werden.

Auf der Facebook-Seite des Verbandes reagierte das Gros der Leser auf den Plan mit Kritik oder Häme. Die Vereine fühlen sich in die Entscheidung nicht einbezogen, ihnen fehlt die Erklärung, wie es dazu kam. „Und wieder einmal unterscheidet ihr zwischen den Herren der Berlin-Liga und sämtlichen anderen Mitgliedern. Die Basis, die Jugend, wird hoffentlich nicht gegen die Wand gefahren. Kinder wollen spielen, nicht nur trainieren“, schreibt Userin Anke Schuhmacher. User Ryu Kelevra meint: „Dann brauchen die Vereine ja gar keine zweite und dritte Herren mehr. Kann die erste Herren eine Woche ihr Spiel spielen, dann die nächste Woche für die zweite Herren usw. Herzlich Willkommen Wettbewerbsverzerrung!“

Die Spielpläne sollen bis Donnerstag, 3. September, neu ausgearbeitet werden, Pokalwettbewerbe stattfinden, Freundschaftsspiele möglich sein. Aus Protest gegen das BFV-Konzept wurde aus den Vereinen der Vorschlag laut, die Punktspiele am Wochenende zu boykottieren. „Wir leben ja schon die ganze Zeit in einer Testspielphase, bemühen uns, Dinge zu regeln, Kabinen großzügig zu verteilen. Es funktioniert doch. Und jetzt soll man nicht mal duschen können? Lieber stinken und dreckig rumlaufen? Wo bleibt da die Hygiene?“, fragt etwa Jürgen Franz, Jugendleiter der VSG Altglienicke. Für den Plan hat er kein Verständnis: „In Brandenburg sind Hin- und Rückrunde möglich. Warum es dort geht und in Berlin nicht, das kann man keinem erklären.“

Ähnlich sieht es Matthias Troll vom FC Nordost Berlin, der von einer „bescheidenen Regelung“ spricht, denn auch in kleinen Vereinen versuche man „Kinder zu hygienischen Menschen zu erziehen und die Entscheidung von BFV und Senat bewirkt, dass sie quer durch die Stadt in verschwitzten Klamotten fahren müssen“. Nur die Hälfte aller Spiele austragen zu können, hält der Jugendleiter aus Marzahn-Hellersdorf für schlecht, weil den Kindern ohne Punktspiele Motivation abhanden komme.

Kaymar Niroumand, der am 1. September sein Amt als Vizepräsident des BFV angetreten hat, versteht die Empörung an der Basis. Er selbst sei ebenso wenig zufrieden mit der Entscheidung wie der Verband, „aber wir laufen dem Chaos hinterher, das die Senatsverwaltung verbreitet und das die Sportämter weitergeben“, sagt Niroumand. Der BFV habe es immerhin geschafft, aus den vorgegebenen zwei Anstoßterminen pro Tag drei zu machen, was zwar noch immer keine volle Saison garantiere, „aber die Alternative wäre gewesen: wir spielen gar nicht“, sagt Niroumand.

Auch er stört sich an etlichen Vorgaben, etwa zur Kabinennutzung. Darum will der BFV weiterhin auf politischer Ebene eine Vereinfachung der Infektionsschutzverordnung erreichen, mit den Sportämtern eine ständige Telefonkonferenz einrichten. Offenbar sind in einzelnen Spielklassen nach der Einfachrunde Playoff- und Playdownspiele in der Diskussion. Eine Entscheidung darüber werde laut BFV zu einem späteren Zeitpunkt diskutiert.

„Den Saisonstart in einigen Spielklassen kurzfristig um eine Woche zu verschieben, war eine sehr unpopuläre Entscheidung. Dafür wurde der BFV kritisiert und dennoch war sie in meinen Augen alternativlos“, wird BFV-Geschäftsführer Kevin Langner in der Meldung zitiert. „Innerhalb weniger Tage haben alle ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BFV zum wiederholten Male in dieser Corona-Pandemie enorme Überstunden und Nachtarbeit geleistet, um den Saisonstart 2020/2021 zu ermöglichen. Daher sollten jetzt die Mitgliedsvereine und der Verband auf der Grundlage des Zehn-Punkte-Plans den Mut haben, mit der Saison im Berliner Amateurfußball zu beginnen.“