Timo Kirchenberger könnte sich schwierigere Arbeitsbedingungen vorstellen: „Alle Spieler haben verstanden, dass ihre Athletik ihr Kapital ist. Umso besser ihr Körper funktioniert, desto stärker wird ihre Volleyball-Performance“, sagt der Athletiktrainer des deutschen Meisters BR Volleys. Der Job des 31-Jährigen nimmt bei den Volleyballern eine enorme Bedeutung ein: Angesichts des Starts in drei Wettbewerben (Meisterschaft, Pokal und Champions League) wird es für die Berliner wichtig, mit ihren Kräften hauszuhalten.

Vor dem Saisonauftakt bei den Netzhoppers in Königs Wusterhausen (Sonnabend/18 Uhr) spricht Kirchenberger über starke Jungs, Morgenmuffel und Griffkrafttests:

Sergej Grankin, Zuspieler, 34 Jahre: „Als Sergej in der letzten Saison zu uns gekommen ist, war sein athletisches Niveau ausbaufähig. Das hat sich schon im Laufe der Saison gebessert, in der Off-Season hat er einen Heim-Plan von mir bekommen. Er hat mir versichert, dass er ihn befolgt, aber bevor man die Spieler sieht, weiß man ja auch nicht, ob das auch wirklich stimmt. Bei Sergej hat man gesehen, dass er sehr ordentlich an seinen Techniken gearbeitet hat. Auf dem Feld ist er ein Killer, brutal. Bevor ich ihn auf dem Spielfeld gesehen habe, hätte ich das nicht unbedingt gedacht. Er ist ein cooler Typ, aber morgens schlürft er eher immer rein. Bei seinem ’Morning’ weiß man immer direkt, dass Sergej da ist. Je älter die Spieler sind, desto mehr Rücksicht muss man nehmen. Da gibt es Tage, an denen einfach nicht mehr so viel geht. Pierre und Sergej sind da oft selbstironisch, aber von ihren Mitspielern erlaubt sich niemand, ihnen einen Spruch reinzudrücken.“

Pierre Pujol, Zuspieler, 35: „Bei Pierre merkt man das Bewusstsein, dass er in seinem Alter und mit seinem Körper, der dem Leistungssport schon einiges an Tribut zollen musste, mehr machen muss. Er weiß, dass das sein Kapital ist und macht deswegen auch in seiner Freizeit einiges. Beim Warmup ist er einer der Spaßvögel, im Kraftraum macht er eher sein eigenes Ding. Bei ihm ist das Athletiktraining dafür da, seinen Körper möglichst gesund zu halten. Deswegen ist Pierre doppelt motiviert, um sicher durch die Saison zu kommen.“

Moritz Reichert, Außenangreifer, 24: „Moritz ist eher ein ruhiger Typ, der auf dem Feld aber einen Killerinstinkt hat. Er ist derjenige, der mit dem Schiedsrichter reden darf, weil er der Besonnenste ist. Moritz ist nicht nur wegen seiner Kapitänsrolle einer, der auch im Krafttraining vorne weg geht. Er kümmert sich gut um sich selbst.“

Samuel Tuia, Außenangreifer, 33: „Wir messen unter anderem jeden Morgen die Griffkraft, bei den meisten spielt sich das zwischen 50 und 60 Kilogramm ein. Samu hat im letzten Jahr beim ersten Mal 87 Kilo draufgezogen – das ist mit Abstand das Höchste, was ich je gemessen habe. Was für andere ein sensationeller Wert wäre, ist für ihn ein schlechter Tag. Er hat eine unglaubliche Power. Samu ist ein Spaßvogel, der eigentlich immer gute Laune hat. Morgens neigt er aber dazu, noch ein bisschen verpennt zu sein. Und er ist ein Schlitzohr.“

Cody Kessel, Außenangreifer, 27: „Das ist unser Mister Sprungkraft. Bei jeder Sprungübung muss man eigentlich noch einmal zwei Schritte nach hinten machen. Und meistens springt er dann noch einmal höher oder weiter, als man vermutet hat. Cody hat unglaublich viel Power, im Krafttraining ist er aber noch ein Rohdiamant. Er hat die physischen Voraussetzungen, kann es technisch aber noch nicht so umsetzen. Er hat Bock, das zu lernen und hat sich schon jetzt ziemlich weiterentwickelt. Wie alle Jungs ist er super nett.“

John Thomas Hatch, Außenangreifer, 23: „JT ist ein witziger Typ. Erst wirkt er ruhig, aber auf den zweiten Blick merkt man, dass er auch einen sehr guten, etwas frechen Humor hat. Morgens um 9.30 Uhr ist er vielleicht noch ein bisschen schläfrig, aber das Gute ist, dass man ihn da schnell wieder herausholen kann.“

Georg Klein, Mittelblocker, 28: „Letztes Jahr hat Kyle Russel herausgestochen, jetzt zählt Georg mit Samu und Cody zu den stärksten Jungs. Er hat eine Menge Power. Direkt nach Saisonende wurde er am Knie operiert, deswegen habe ich schon vor der Vorbereitung einige Wochen individuell mit ihm gearbeitet. Da habe ich ihn gut quälen dürfen, da war er überrascht davon, wie anstrengend es mit mir alleine sein kann. Da gab es Muskelkater-Garantie. Das und die Vorbereitung hat er super gemeistert. Die deutschsprachigen Jungs sind eher diejenigen, die auch mal eine Ansage machen und die anderen daran erinnern, dass der Kraftraum auch noch aufgeräumt werden muss.“

Nicolas Le Goff, Mittelblocker, 27: „Der Koloss. Nicolas ist eher introvertiert und auch im Training eher ruhig und entspannt. Auf dem Spielfeld kann er aber auch freidrehen und richtig aus sich rausgehen. Erst im letzten Jahr hat er wieder angefangen, auch im Krafttraining Spaß zu haben, eigentlich ist das nicht so sein Ding. Er will sich verbessern und weiß, dass es wichtig für ihn ist. Mittlerweile macht auch er eine gute Figur im Kraftraum.“

Jeffrey Jendryk, Mittelblocker, 24: „Jeff ist super solide auf dem Spielfeld, da hast du immer eine Bank dabei. Er ist mega verrückt auf Krafttraining, da hat er richtig Bock drauf. Das siehst du an den Jungs, die zur ersten Einheit erstmal Gewichtheberschuhe mitbringen. Die wissen, wie der Hase läuft. Jeff ist ein Teamplayer, der selbstbewusst ist und weiß, was er kann. Er ist immer gewillt, sich zu verbessern und ist 100 Prozent da.“

Benjamin Patch, Diagonalangreifer, 25: „Ben ist, was die Sprungkraft angeht, noch einmal einen Tick besser als Cody. Er ist sehr explosiv und eine absolute Augenweide, was seine Kraft angeht, sehr stark und schnellkräftig. Das macht dann auch als Athletiktrainer Spaß, ihn zu trainieren. Bei ihm ist das Ziel, das athletische Niveau zu halten und gesund zu bleiben. Er springt eh schon höher als alle anderen in der Liga. Da ist es natürlich schwieriger, noch ein paar Zentimeter herauszuholen. Ben hat zu 95 Prozent gute Laune und ist super freundlich.“

Kyle Ensing, Diagonalangreifer, 22: „Kyle ist erst vor ein paar Wochen dazugekommen. Er ist eher ein ruhiger Typ und ähnlich wie JT körperlich etwas unflexibel. Daran wollen wir mit vielen Dehnungen und Co. arbeiten. Er springt recht gut, zu seinen Kraftwerten kann ich noch nicht so viel sagen.“

Adam Kowalski, Libero, 25: „Adam ist ein ruhiger, introvertierter Typ, der super akkurat und strebsam arbeitet. Wenn du ihm etwas sagst, wird das auch 1:1 umgesetzt. Er vergisst dann auch die nächsten drei Wochen nicht, dass ich das gesagt habe. Adam hat, wie viele Polen, eine wirklich gute Langhantel-Ausbildung.“

Julian Zenger, Libero, 22: „Julian hat sehr flinke Füße, genau wie Adam auch. Bei Leiter-Drills schießen die beiden immer nach oben raus. Er hat eine vernünftige Technikausbildung, da holen wir ihn auf einem guten Level ab. Er ist ein netter Kerl, der sich gut macht.“