Die Ausgangslage: Die Saison begann für Union mit einer schlechten Nachricht: Königstransfer Akaki Gogia musste zum Auftakt beim Bundesligaabsteiger passen. Ihn plagt eine Verletzung an der Ferse. Davon wollten sich die Eisernen aber nicht abhalten lassen, im ersten Topspiel gleich den Grundstein für die Mission Aufstieg zu legen.

Das Ergebnis: Dass das Vorhaben glückte, und Union erstmals seit 2009 mit einem Sieg in die Zweite Liga startet, lässt die Weiterentwicklung erkennen, die das Team von Jens Keller im vergangenen Jahr genommen hat. Obwohl vor 10870 Zuschauer zunächst nicht viel klappen wollte, verloren die Eisernen niemals die Nerven und bejubelten ein verdientes 1:0 (0:0).

Die erste Hälfte: In der Anfangsviertelstunde regierte Unsicherheit, die Folge: Fehlpässe auf beiden Seiten. Die Eisernen in ihren gelben Auswärtstrikots kamen überhaupt nicht dazu, ihr Spiel aufzuziehen. Weder das Pressing in der Defensive noch das Kurzpassspiel bei Ballbesitz. Erst nach einer starken Rettungstat von Jakob Busk gegen Dario Lezcano (21.) fingen sich die Unioner. Gefährlich in den Strafraum kamen sie aber weiterhin nicht, aus der Distanz näherten sie sich Schuss für Schuss an. Den besten Versuch setzte Felix Kroos in der 44. Minute ab – und knapp vorbei. 

Die zweite Hälfte: Da die Kombinationen durch das Zentrum nicht möglich waren, versuchten es die Unioner nach dem Wechsel aus der auf Stabilität ausgerichteten 4-2-3-1-Formation mit Diagonalbällen auf die Flügel und langen Pässen in Richtung Polter. So wurden zumindest die Ingolstädter Angriffe souverän kontrolliert. Chancen erarbeiteten sich die Eisernen so aber auch nicht. Die Führung fiel dann passenderweise nach einer Ecke: Mutig wuchtete Christopher Trimmel den Ball volley ins Netz. Danach spielten die Berliner ihre Qualität im Ballhalten bestens aus. Nach einem Freistoß, den der eingewechselte Stephan Fürstner per Kopf querlegte, hätte Damir Kreilach erhöhen müssen. Er köpfte aber vorbei (75.). Auf der Gegenseite verschätzte sich Toni Leistner bei einer Flanke und ermöglichte so Stefan Kutschke eine späte Ausgleichchance (83.).

Der Nutznießer des Tages: Gogias Verletzung ein Problem? An seinem Ersatz lag es jedenfalls nicht, dass Union schwer reinkam in die Partie: Simon Hedlund spielte einige gute Pässe in die Schnittstellen der Ingolstädter Defensive und sorgte so für die seltenen Momente, in denen die Berliner Offensive ins Rollen kam. Auch in der Rückwärtsbewegung tat er sich als Vorkämpfer hervor. Unerwartete Einsatzchance genutzt!

Die Wand der Unüberwindbarkeit: Um den Vorsprung über die Zeit zu retten, setzte Jens Keller voll auf Größe. Steven Skrzybski musste in der 88. Minute raus, dafür bildete Christoph Schösswendter (1,94m) mit Toni Leistner (1,90m) und Marc Torrejón (1,87m) in den langen, langen Nachspielminuten eine unüberwindbare Mauer. Wahrlich gut gebaut.

Das Fazit: Es war eine typische Auftaktpartie, in der beiden Kontrahenten ihr Spiel nicht wie gewünscht aufziehen konnten. Umso mehr zahlte sich aus, dass Union dank der Erlebnisse in der Vorsaison an Ruhe und Souveränität gewonnen hat. Die Fußballer von Jens Keller blieben cool, obwohl es nicht lief wie vom Trainer geplant. Nach und nach übernahmen sie die Kontrolle und feierten so einen verdienten – und sehr wichtigen ersten Sieg.