Elf Renntage wird es in diesem Jahr auf der Galopprennbahn in Hoppegarten geben. Der Anfang wird am Sonntag mit dem sogenannten „Landpartie Renntag“ gemacht. Das erste Rennen startet um 14 Uhr, das achte und damit letzte für den Tag gegen 17.45 Uhr. Wir liefern Ihnen an dieser Stelle schon mal eine kleine Gebrauchsanweisung für den Ausflug ins Grüne, natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Die Jockette

Ihr sportliches Ziel ist alles andere als bescheiden. Maike Riehl, 22, will Deutschlands beste Rennreiterin werden. Seit diesem einen Sommertag im Jahr 2015, als sie auf einem Schulausflug mit der Abiturklasse der Gesamtschule Meiersheide auf der Rennbahn Köln-Weidenpesch vom Vollblutfieber gepackt wurde.

Diese Anmut, diese Energie, diese Geschwindigkeit – Maike Riehl, die es als Judoka zur Deutschen Meisterschaft gebracht, ja in die Nationalmannschaft geschafft hatte, zögerte keinen Moment. Nach dem Abitur wurde sie bei Trainer Peter Schiergen vorstellig, fragte um ein Praktikum im Rennstall Alsterblüte und wurde schon bald in ihrem Verdacht bestätigt. „Ich wusste, das ist genau mein Ding.“ Und das, obwohl sie zuvor noch nicht einmal Kontakt zum Galopprennsport hatte.

2016 startete sie bei Lehrmeister Schiergen ihre zweijährige Ausbildung als Pferdewirtin, Schwerpunkt Rennreiten, durfte nach der Zwischenprüfung und einem Kurzlehrgang an der Jockey-Schule ihre ersten Rennen reiten. Der erste Sieg gelang ihr im September 2017 in Baden-Baden im Sattel von Usbekia bei einem Ausgleich-III-Rennen. „Als Frau ist es nicht einfach, sich gegen die Männer zu behaupten“, hat sie mal gesagt. „Man muss sich durchbeißen. Aber das kenne ich ja vom Judo.“

Sie, die aus dem nordrhein-westfälischen Neunkirchen-Seelscheid stammt, scheint jedenfalls ein Naturtalent zu sein. Eine Rennreiterin, die unter der Anleitung von Schiergen und Trainer Jean-Pierre Carvalho, der sie in Bergheim schult, eine enorme Entwicklung genommen hat. In Hoppegarten geht sie am Sonntag beim sechsten Rennen an den Start, steuert für Besitzertrainer Guido Scholze aus Dresden den achtjährigen Wallach Sha Gino. Wobei es schon einer kleinen Sensation gleichkommen würde, wenn sie tatsächlich zum Sieg reiten sollte.

Die Stunde der Stuten
Der Preis des Gestüt Röttgen (Start: 16.55 Uhr) ist zweifellos der Höhepunkt des ersten Renntages des Jahres. Über 1 600 Meter messen sich zwölf Stuten, die seit Juli 2018 entweder ein Listen-Rennen für sich entscheiden konnten oder eben bei einem Gruppenrennen als Zweiter oder Dritter über die Ziellinie geflogen sind. Aus den Teilnahmebedingungen lässt sich also allemal ein Schluss auf die Qualität des Feldes schließen. Die Favoritenrolle kommt Armance zu, die zum Abschluss der vergangenen Saison als Dreijährige bei einem Listenrennen in Hannover Gruppesieger Wonnemond zur Überraschung aller in den Schatten stellte konnte. Der Jockey damals wie am Sonntag heißt Martin Seidl. Trainiert wird Armance in Dresden von Stefan Richter.

Als ärgster Konkurrent der Aufsteigerin gilt die vierjährige Fountain of Time, die von Soufiane Saadi geritten wird, in den Farben des global operierenden Rennstalls Godolphin, der eines nicht in seinen Ställen hat: einen Außenseiter.


Der Aufsteiger
Jan Korpas ist in der deutschen Turfszene längst ein Begriff. Während seiner Karriere als Jockey, die er 2015 als 42-Jähriger beendete, hatte der gebürtige Tscheche 142 Siege in Flach- und 75 Siege in Hindernisrennen feiern dürfen. Höhepunkt war der Triumph beim slowakischen Derby 2001 auf Saitensohn.

Noch immer muss man sich aber an den Trainer Korpas gewöhnen. Erst im vergangenen Jahr hatte er sich selbstständig gemacht, nachdem er zuvor am Rennstall Germanius als Assistent seiner Schwiegermutter Eva Fabianova wichtige Erfahrungen gesammelt hatte. Am 4. Juli 2018 durfte er seinen ersten Sieg in neuer Funktion feiern. Am Ende der Premierensaison hatten seine Galopper achtmal als jeweils Erste die Ziellinie überquert. Bei der Hoppegartener Saisoneröffnung werden mit Waldana, Lubiane, Caracalla Queen, Del Campo und Zaphiras Adventure voraussichtlich fünf seiner Pferde in die Startbox gehen.

Die neue Wettchance
Seit diesem Jahr gibt es auf den deutschen Rennbahnen zusätzliche Wettmöglichkeiten. Die eine Wettart wird „Multi-Wette“ genannt, die andere „2 aus 4“, dem französischen Beispiel „Deux sur Quatre“ folgend. Die Multi-Wette ist die vereinfachte Form der Viererwette, bei der bekanntermaßen die ersten vier Pferde in richtiger Reihenfolge vorherzusagen sind. Bei der Multi 4 ist die jeweilige Platzierung grundsätzlich egal, was auch für die Multi 5, 6 oder 7 gilt. Je weniger Galopper die Wetter angeben dürfen, desto attraktiver ist die Quote. Die sogenannte „Mini-Multi“ ist ab zehn Startern wettbar, die „Multi“ ab 14 Pferden. Bei der „2 aus 4“ reicht es aus, zwei der ersten vier Pferde richtig vorhergesagt zu haben, was insbesondere den Neueinsteigern Spaß bereiten könnte. Die Quoten sind allerdings dementsprechend.