Saisoneröffnung der Eisbären: Erst die Emotionen, dann die Arbeit

Nach den ersten beiden Events der doch noch jungen Eishockeysaison ist unübersehbar, dass die Hingabe der Eisbärenfans trotz einer weitgehend enttäuschenden Vorsaison keineswegs gelitten hat. Nach einem stimmungsvollen Trainingsauftakt am Freitag mit rund 500 EHC-Anhängern, drängelte sich am Sonnabendnachmittag die dreifache Menge auf dem Platz vor der Arena in Friedrichshain, um das neue Team und die neue Spielkluft zu bewundern, auf die in Gedenken an den jüngst verstorbenen Hartmut Nickel die Initialen HN aufgedruckt sind. Und damit keinerlei Zweifel an der Identifikation mit der Stadt aufkommen, prangt auf den Rücken der Trikots nun: „Ich bin ein Berliner.“

Natürlich bemühten sich vor allem die Neu-Hauptstädter darum, eine erste Bande mit den Fans zu knüpfen, die dafür gesorgt hatten, dass bereits Ende April − und damit so früh wie nie − über 5 000 Dauerkarten verkauft waren. „Das ist unbeschreiblich hier“, hauchte Verteidiger John Ramage, der aus der nordamerikanischen AHL kommt, „aber es wundert mich nicht nach dem, was ich bereits über diesen Klub gehört habe.“ Und Trainer Serge Aubin, der als früherer Headcoach der Hamburg Freezers natürlich unter besonderer Beobachtung steht, sagte: „Ich bin sehr aufgeregt, Teil der Familie zu sein.“ Aubin war es auch, der auch ein emotionales sportliches Intro parat hatte: „Wir werden euch stolz machen, denn wir werden hart und schnell spielen und als Team zusammenstehen.“

Jugend forscht mehr

Bei aller typischen Euphorie zum Saisonauftakt halten viele Fans das neue Team für eine Art Wundertüte, das ungewisse Inhalte parat hält. Körperlich und läuferisch hat es in der Tat den Anschein, dass diese Mannschaft zugelegt hat. Dass das leicht veränderte Sommertraining angeschlagen hat. Die Entschlackungskur im Kader − 15 Spieler, die vergangene Saison das EHC-Trikot getragen haben, werden beim Saisonstart nicht mehr zum Team gehören, nur sechs Neue sind gekommen − führt bei einigen Fans zu Bedenken, was die Wettbewerbsfähigkeit angeht. Vor allem dann, wenn – wie in den letzten Jahren üblich – etliche Spieler angeschlagen sind.

Während acht Verteidiger relativ großen Spielraum ermöglichen und vier gestandene Center das Spiel ordnen können, sind die Alternativen auf den Flügeln doch recht dünn. Zehn potenzielle Spieler, wovon vier noch unter 22 Jahren alt sind, kämpfen um die acht Plätze. Ob es einer drei Tryout-Spieler schafft, sich für einen längeren Vertrag zu empfehlen, wird sich innerhalb des nächsten Monats bis zum DEL-Start klären. Es sieht jedenfalls aus, dass die Jugend in diesem Jahr mehr Chancen bekommt sich zu beweisen als in den letzten Jahren.

Notwendigkeit des Umbruchs

Marcel Noebels, der inzwischen zum Inventar gehört, ließ jedenfalls erkennen, dass er noch einige Tage braucht, um so richtig anzukommen. „Ich habe es ewig nicht mehr erlebt, dass so viele neue Spieler vorgestellt werden. Aber es ist die Zeit für einen Umbruch gekommen.“ Die ersten Eindrücke mit Trainer Aubin stimmen ihn positiv: „Es geht gar nicht darum, neues Eishockey zu erfinden, sondern dass ein neuer Wind reinkommt.“