Eigentlich hätte Uwe Neuhaus gern Ruhe im Karton. Ist schließlich kein beliebiges Spiel zum Saisonfinale. Nicht nur für ihn nicht, wieder einmal für den ganzen Klub. Noch droht der nächste Abstieg nach 2014 und Dynamo Dresden wieder einmal ein Drittligaschicksal, falls das Duell mit Neuhaus alter Liebe Union am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) schwer in die Hose geht.

Dass es ausgerechnet in der Gemengelage wieder an diversen Stellen kracht bei Dynamo hat zwar leider fast schon Tradition, kommt aber deswegen nicht minder ungelegen. Sportlich haben die Dresdner sich auferlegt, freiwillig auf ihren Offensivspieler Aias Aosman aus disziplinarischen Gründen zu verzichten. was genau der Deutsch-Syrer angestellt hat, lässt Dynamo nicht verlauten, aber amüsiert hat es den Klub offenkundig nicht.

Hinzu kommen wieder einmal die Ausfälle der eigenen Fans, die traditionell fast schon überall in der Republik für Angst und Schrecken sorgen. Zuerst musste Dynamo kleinlaut in Aue vorsprechen, wo die Anhänger am vergangenen Wochenende eine Stadiontoilette heftig demoliert haben, dann musste der Klub sich mit der Bundespolizei ins Benehmen setzen, nachdem eine Gruppe von 17 Dynamo-Fans eine Zugbegleiterin am Wochenende so schwer tyrannisiert hatten, dass die Frau aufgrund eines Schocks nicht einmal mehr für polizeiliche Befragungen zur Verfügung stehen konnte.

„Wir haben uns gegenseitig geholfen und voneinander gelernt.“

Entsprechend sensibilisiert empfing Dynamos Trainer Neuhaus die Medien, auf der Hut vor Geschichten, die ihn in den Ruch stellten, womöglich Freundschaftsdienste einzufordern. Schließlich verfügt er über eine ausgeprägte Union-Vergangenheit: Von 2007 bis 2014 führte er selbst das Kommando An der Alten Försterei. „Freunde der Sonne!“, sagte Uwe Neuhaus da mit einer gewissen Bedrohlichkeit: „Wage es keiner, irgendeine Verbindung von mir zu Union zu benutzen, um daraus eine Frage zu stellen. Dann lernt ihr mich kennen.“

Er weiß, dass sein Team es selbst in die Hand nehmen muss. „Man könnte etwa wie gegen Aue das Hauptaugenmerk auf die Defensive legen“, sagte er, „aber man muss auch versuchen, selber Tore zu erzielen.“

Dann allerdings erzählte Neuhaus doch über seine Freundschaft zum Union-Trainer André Hofschneider („Wir haben uns gegenseitig geholfen und voneinander gelernt.“), seinem früheren Co, und dass sie für gewöhnlich jede Woche telefonieren. Bis auf diese. „Ich bin mir sicher, dass er mich nicht anruft, und ich werde ihn auch nicht anrufen“, sagte Neuhaus der Sächsischen Zeitung. Doch Neuhaus zieht es sonst vor, so zu tun, als spiele der Gegner gar keine Rolle. „Ich denke da nicht im Entferntesten dran“, sagte er, „es hätte auch Bayern München sein können“, obwohl: „Bayern wäre etwas schwieriger.“ Immerhin. (BLZ)