Es ist schwer, sich in die Gedankenwelt von Hooligans hineinzuversetzen, von Leuten also, die den Fußball als populären Schauplatz nutzen, um aufzufallen, um Krawall zu machen und ihre Aggressionen auszuleben. Meist suchen diese oft noch jungen Männer eher den großen Fußball, oft den DFB-Pokal-Wettbewerb, um mit Randale oder dem Zünden von Bengalos eine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, die sie oft im normalen Leben, in ihrem Alltag, nicht bekommen.

Nun aber haben bestimmte Gruppierungen, die der Hooliganszene zuzuordnen sind, auch den schönen Sommerfußball, also die zahlreichen Testspiele, die ihre Mannschaften vor Saisonbeginn etwa in Österreich austragen, für ihre Zwecke entdeckt. Ein Testspiel von Energie Cottbus in Tirol musste abgesagt werden; beim Spiel des 1. FC Köln gegen den SV Ried kam es in Bad Wimsbach in Oberösterreich zu Ausschreitungen beider Fangruppen.

Offenbar bieten kleine Erholungsorte mit ihren oft wunderschönen Sportanlagen in Österreich eine gute Bühne für Krawalltouristen, weil häufig nur wenig Polizei wachen kann und die Stadien schwer zu kontrollieren sind. So reisten am vergangenen Wochenende auch rund 40 Personen, angeblich Anhänger des Zweitligisten Energie Cottbus, in einem Bus knapp 700 Kilometer nach Tirol, um das Freundschaftsspiel von Energie gegen die Israelis von Maccabi Haifa zu stören. Unter den Reisenden waren auch Mitglieder der Hooligangruppe Inferno. Ein Teil der Mitglieder vertritt rechtsextremes Gedankengut.

Inferno ist in der Vergangenheit nicht nur in der Cottbuser Arena mit dem schönen, nostalgischen Namen „Stadion der Freundschaft“ negativ aufgefallen, sondern vor allem bei zahlreichen Auswärtspartien der Energie-Mannschaft. Provokationen, Rangeleien und Zündeln mit Pyrotechnik gehören zum Repertoire.

Der österreichische Fußballverband und die Tiroler Polizei, die rechtzeitig einen Tipp bekamen, sagten das Spiel gegen Haifa wegen Sicherheitsbedenken ab. Für die Israelis sprang das tschechische Team vom FK Pribram als Testpartner ein. Die Inferno-Leute reisten dennoch an. Vorkommnisse gab es nicht. In Cottbus hat die Gruppe Erscheinungs-und Auftrittsverbot bei Heim- und Auswärtsspielen.

Trotzdem brauchen die Vereine nun Durchhaltevermögen: Sie müssen aufpassen, dass die Krawallmacher den Spielkalender nicht weiter beeinflussen. Das Testspiel von Hertha BSC gegen Wisla Krakow nächste Woche in Berlin findet zum Beispiel wegen Sicherheitsbedenken unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.