Saisonvorbereitung Eisbären Berlin: Warum Petr Pohl gut zu den Eisbären passt

Die Anhänger der Eisbären Berlin sind nicht nachtragend. Das ist die erste wesentliche Erkenntnis der Saison 2014/2015. Als der Spielertross − angeführt von Matt Foy − um 10.54 Uhr am Montagvormittag noch reichlich unrund Richtung Trainingseis stapfte, spendeten die 200 Zuschauer im Dynamo- und Eisbären-Look höflich Beifall. Nicht so stürmisch, wie man es hier in der Vergangenheit schon erlebt hat. Aber doch so, dass die Spieler einen Vorgeschmack bekamen, wie leidenschaftlich sie in der Saison der Wiedergutmachung wieder von den Rängen unterstützt werden.

In der Trainings-Afterhour mit obligatorischem Umarmungs- und Selfieprogramm suchten die Fans vor allem die Nähe zu Petr Pohl, 27, der aus Karlsbad nach Berlin gekommen ist. Weil Petri Vehanen, Nachfolger des am Montagabend verabschiedeten Rob Zepp, erst am Dienstag in Berlin-Tegel landen wird, war der Tscheche zusammen mit Perspektiv-Goalie Mathias Niederberger, 21, der einzige Neuzugang. Allzu viel zu erzählen hatte der Stürmer noch nicht. Er sagte: „Technische Fertigkeiten und hohes Tempo sind Eigenschaften der tschechischen Schule. Das will ich hier einbringen. Aber natürlich muss ich mich erstmal noch richtig eingewöhnen.“

Eingewöhnen war überhaupt das Motto dieses Trainings. „Das war der erste Tag mit neuen Schlittschuhen und neuen Handschuhen, da ist alles noch nicht optimal“, sagte Cheftrainer Jeff Tomlinson. Was die Spielermeute natürlich nicht davon abhielt, den Puck endlich wieder mal mit aller verfügbaren Kraft ins Tor zu schießen. Pohls Schüsse sausten dabei besonders stramm ins Netz. Das fiel auch seinem Trainer auf. „Er kann hart schießen und bringt ein sehr dynamisches Element in unsere Mannschaft.“ Das ließ sich bereits in der vergangenen Woche bei den Fitnesstests beobachten. Während mancher Mannschaftskollege schon längst aufgegeben hatte, ließ er sich beim Bankdrücken und -ziehen stets neue Gewichte auflegen. „Er ist sehr fit“, weiß Tomlinson, „weil er außerhalb des Eises sehr hart gearbeitet hat.“

Vorbeugen statt auskurieren

Damit ist er Sinnbild für die vielleicht größte Veränderung in der Eisbären-Saisonvorbereitung. Mit deutlich mehr Trocken- und intensiverem Athletiktraining will man eine ähnliche Verletztenmisere wie im letzten Jahr vermeiden, die nach wie vor als Hauptursache für das schwache Abschneiden herhalten muss. „Prehabilitation statt Rehabilitation“, nennt Tomlinson dieses Konzept, vorbeugen statt auskurieren also. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, als unmittelbar nach dem Trainingsauftakt die European Trophy startete und sofort Höchstbelastung gefordert war, ist die Vorbereitungszeit in diesem Jahr ohnehin länger. Am 8. August steht das erste Testspiel gegen Sparta Prag an. Zwei Wochen später empfangen die Eisbären am ersten Spieltag der neu entwickelten Champions Hockey League PSG Zlin, ebenfalls aus Tschechien.

Stefan Ustorf, der das Trainingstreiben als neuer Sportlicher Leiter mal aus großer Entfernung mit Manager Peter John Lee und mal ganz dran am Plexiglas verfolgte, hat die Einstellung der Spieler zu ihrem Körper auch schon als einen der Bereiche identifiziert, in dem es für die Berliner Eishockeyprofis besonders zu arbeiten gilt. „Kein Spieler darf schlechtere Werte als im vergangenen Jahr haben.“ Zumal Verstärkungen in naher Zukunft nicht vorgesehen sind. Ustorf sagt: „Wir haben eine hervorragende Mannschaft mit unglaublich viel Potenzial. Es liegt jetzt an uns, dieses Potenzial wieder abzurufen.“ Die Unterstützung der Fans wird dabei nicht unerheblich sein.