Herthas Salomon Kalou.
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BerlinStürmer Salomon Kalou von Hertha BSC hat der Fußball-Bundesliga mitten in der Diskussion über einen Wiederbeginn möglicherweise einen Bärendienst erwiesen. In einem selbst aufgenommenen Facebook-Livevideo vom Montagmittag ist der Ivorer dabei zu sehen, wie er auf dem Vereinsgelände und in der Kabine einige Mitspieler und Mitarbeiter des Klubs per Handschlag begrüßt. Somit verstieß er mutmaßlich gegen die Abstandsregeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie.

Hertha BSC reagierte am Abend mit einer Stellungnahme. Darin teilte der Klub mit, dass Kalou vorerst nicht weiter zum Kader gehöre. "Hertha BSC hat entschieden, ihn mit sofortiger Wirkung von Trainings- und Spielbetrieb zu suspendieren." Kalou selbst entschuldigte sich der Pressemitteilung des Bundesligisten zufolge für sein Verhalten. "Es tut mir leid, wenn ich mit meinem Verhalten den Eindruck erweckt habe, dass ich Corona nicht ernst nehme. Dafür möchte ich mich entschuldigen."

Für die Deutsche Fußball Liga (DFL) kommt das Video zur Unzeit. Die 36 Profiklubs hoffen auf eine Fortsetzung der ersten beiden Ligen noch im Mai, dafür wurde ein umfangreiches Hygienekonzept ausgearbeitet. Auf Basis dieses Dokuments sollen die Bundesregierung und die Länderchefs am Mittwoch über einen Wiedereinstieg in die Saison beraten.

Die DFL hat dann auch sofort reagiert und sich äußerst verärgert zu dem Facebook-Video von Salomon Kalou geäußert. „Die Bilder von Salomon Kalou aus der Kabine von Hertha BSC sind absolut inakzeptabel“, schrieb der Ligaverband bei Twitter: „Hierfür kann es keine Toleranz geben – auch mit Blick auf Spieler und Klubs, die sich an die Vorgaben halten, weil sie die Ernsthaftigkeit der Situation erfasst haben.“

In Kalous Video ist zudem zu sehen, wie ein Hertha-Mitarbeiter einen Abstrich bei Innenverteidiger Jordan Torunarigha nimmt. Der Mitarbeiter ruft am Ende des 25-Minuten-Streams: "Sala, lösch das Video, bitte!" Der Verein war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Gelöscht wurde das Video aber am Montagnachmittag tatsächlich.

Der Spielbetrieb in der Fußball-Bundesliga ruht seit Mitte März. Nach SID-Informationen plant die DFL für eine Wiederaufnahme am 15. Mai. Am Freitag hatten drei positive Coronafälle beim 1. FC Köln Aufsehen erregt. In einer zweiten Testung waren alle Ergebnisse bei den Rheinländern negativ.

Ob sich Kalou wegen seiner ungewissen Zukunft bei Hertha BSC  zu einem Fauxpas, ja einem Skandalvideo hinreißen ließ, ob er einen Abgang mit Getöse wählte, ist nicht bekannt. Falls er das nicht beabsichtigte, ist das, was er seinen rund 83 000 Abonnenten auf Facebook zeigte, an Dummheit kaum zu überbieten.