SC Paderborn: Warum der SC Paderborn das Überraschungsteam ist

Markus Krösche weiß, dass Erfolg wehtun kann. Dass es schmerzt, wenn man in Gedanken schon Szenarien durchspielt, die sich am Ende in Luft auflösen. Krösche hat das vor zwei Jahren durchgemacht, damals herrschte im ostwestfälischen Paderborn große Begeisterung, weil der örtliche Fußball-Zweitligist kurz vor dem Aufstieg in die Bundesliga stand. Krösche und das Team ließen sich mitreißen, zu sehr, wie sich zeigte. Am letzten Spieltag überdrehten die Paderborner und verloren beim FC St. Pauli 0:5. Zwei Punkte fehlten zur Relegation.

Aktuell steht der SC Paderborn wieder weit vorn in der Zweiten Liga, nach 23 Spieltagen auf Rang drei. Die Liga ist in dieser Saison so ausgeglichen wie lange nicht, auch eine nicht ganz perfekte Runde könnte zum Aufstieg genügen. In Paderborn hat man das sehr wohl registriert, nur darüber reden will man vor dem Topspiel am Sonntag beim Tabellenfünften Karlsruher SC nicht so gern. Vielmehr werden allzu hohe Erwartungen durch Allgemeinplätze im Keim erstickt. „Wir nehmen alles mit, was kommt“, sagt Kapitän Krösche. „Wir werden nichts verhindern.“ Das Schlüsselwort Aufstieg vermeidet er konsequent.

Duelle gegen Sprockhövel

Dabei ist der SC Paderborn die positive Erscheinung dieser Saison. In der Rückrunde ergatterte das Team 16 von 18 möglichen Punkten. Das ist erstaunlich angesichts der wirtschaftlichen Voraussetzungen. Ambitionierte Vereine wie der 1. FC Kaiserslautern oder Fortuna Düsseldorf verfügen über einen Personaletat von geschätzt elf Millionen Euro, Paderborn muss mit rund 6,2 Millionen auskommen. Was aber wie ein Nachteil klingt, könnte sich in der Schlussphase der Saison noch als Glücksfall erweisen. „Wir spüren keinen Druck“, sagt Krösche, 34. „Da gibt es andere Mannschaften, bei denen der deutlich höher ist.“

Die Paderborner gefallen sich in der Rolle des Außenseiters. Sie kennen es nicht anders. 2000 noch spielte der Klub in der Oberliga Westfalen, vielleicht 600 Unentwegte sahen sich die Duelle gegen den TuS Hordel oder die TSG Sprockhövel an. Erst Stück für Stück päppelte Mäzen Wilfried Finke, ein 62-jähriger Möbelunternehmer, den SCP mit vielen Millionen Euro auf. Manager Michael Born, 46, wiederum machte sich in den vergangenen Jahren einen Namen als Schnäppchen-Born, weil er zuvor eher unbekannte Spieler und Trainer für mehr als vier Millionen Euro weiterverkaufen konnte. Eine Million bekam Paderborn 2012 etwa für Roger Schmidt, der jetzt RB Salzburg in der Europa League coacht.

Die Ostwestfalen setzen gern auf junge, unverbrauchte Trainer. Mal klappte das gut wie bei Roger Schmidt oder dessen Vorgänger André Schubert, mal erwies sich diese Taktik als unheilvoll wie bei Stephan Schmidt, der in der vergangenen Saison zwei Spieltage vor dem Ende entlassen wurde, und unlängst auch in Cottbus scheiterte. Seit dieser Saison steht der ehemalige Bundesligaprofi André Breitenreiter, 40, an der Seitenlinie. Ein Mann, der offensiven Fußball spielen lässt, mit vielen Toren, aber auch vielen Gegentoren. Einer, der statt hölzernem Gebolze „Lösungen mit dem Ball sehen will“, sagt Markus Krösche. Auf diese Weise hat Paderborn unter anderem in Köln, in Kaiserslautern und in Düsseldorf gewonnen. Dort übrigens 6:1.

Ersatzspieler unter Beobachtung

Dabei schreckt Breitenreiter nicht vor unpopulären Maßnahmen zurück. Im Spiel gegen Köln strich er seine erfolgreichsten Stürmer Mahir Saglik und Johannes Wurtz aus dem Kader, weil sie nicht ins System passten. Und bei einem Torerfolg beobachtet Breitenreiter schon mal die Reaktion der Ersatzspieler, um zu sehen, ob sie sich freuen oder gleichgültig sind. Die Freude scheint zu überwiegen, Manager Born findet jedenfalls: „Das Miteinander von Trainerteam und Spielern passt sehr gut.“

Ob es auch für die Bundesliga reicht, wird sich jetzt zeigen. Bis zum 17. März müssen die Lizenzunterlagen für die nächste Saison eingereicht werden. Paderborn wird das für die Zweite und die Erste Liga tun. Ohne darum großes Aufhebens zu machen. Keine ausufernde Begeisterung mehr, kein unnötiger Druck, Born sagt: „Auch wenn wir am Ende Siebter werden, hat die Mannschaft eine großartige Saison gespielt.“ Eine historische Chance vertan hätte der SC Paderborn dann allerdings auch.