Berlin - Nachdem Magnus Carlsen im Dubai Exhibition Centre zum fünften Mal die Schach-Krone verdient hatte, pustete der Norweger durch. Erleichtert analysierte er mit seinem fahrigen Herausforderer Jan Nepomnjaschtschi die entscheidenden Züge, während in seinem Heimatland die Korken knallten.

Der 31-Jährige machte gegen seinen russischen Kontrahenten bereits in der elften von maximal 14 Partien alles klar und bleibt nach seinem Triumph, den er mit dem insgesamt vierten Sieg und einem Punktestand von 7,5:3,5 perfekt machte, seit nunmehr acht Jahren Weltmeister. „Ich bin natürlich sehr glücklich. Ich habe diesen Verlauf nicht erwartet“, sagte Carlsen zufrieden: „Nach fünf Partien standen fünf Remis und ich hatte kaum eine Gelegenheit, um mehr rauszuholen. Aber dann hat es Klick gemacht und es lief besser für mich. Ich hätte nie gedacht, so sehr davonzuziehen.“

„Er ist ein recht solider Schachspieler geworden“, sagte Carlsens Vater Henrik scherzend: „Das ist sehr wichtig für uns Norweger, ich bin stolz, es ist Zeit zum Feiern.“ Das ganze Land fieberte vor den Bildschirmen mit – der Nationalheld enttäuschte nicht.

Am Freitag versuchte Nepo, wie er in der Schachwelt genannt wird, mit den weißen Figuren noch einmal alles. Doch der 31-Jährige griff mit dem 23. Zug erneut komplett daneben und spielte einen absoluten Verlustzug, der ihm sämtliche Gewinnchancen nahm. In der Folge legte sich Carlsen seinen Gegner zurecht. Nepo wehrte sich noch bis zum 49. Zug, musste sich dann aber chancenlos geschlagen geben.

Die Vorentscheidung war Carlsen bereits am vergangenen Freitag gelungen, in einem denkwürdigen Rekordmatch, das Nepomnjaschtschi nachhaltig gebrochen hatte. Erst nach Mitternacht, nach 136 Zügen und fast acht Stunden Spielzeit, gab der Russe auf. Es war das längste WM-Duell der Geschichte – und gab Carlsen reichlich Rückenwind.

Während Carlsen in der Folge seine Erfahrung ausspielte und keine Fehler mehr machte, agierte „Nepo“ oft zu hastig und leistete sich Patzer, die auf diesem Niveau unverzeihlich sind. Carlsen gewann je zweimal mit den weißen sowie schwarzen Steinen, die ersten fünf Partien hatten allesamt remis geendet. Außerdem durfte sich Carlsen über ein Preisgeld von 1,2 Millionen Euro freuen, Nepomnjaschtschi erhielt 800.000 Euro.

Carlsen bleibt damit souveräner Weltmeister, seit 2013 hält er den Titel bereits. Die nächste Schach-WM soll Ende 2022 oder Anfang 2023 stattfinden. Das Kandidatenturnier mit acht Teilnehmern, in dem Carlsens nächster Herausforderer ermittelt wird, soll in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres ausgetragen werden.