Journalisten nennen den jungen Norweger den Mozart des Schachs. Magnus Carlsen gehen solche Etiketten auf die Nerven. Sein Vater sei viel intelligenter als er, sagt der 22-Jährige. Es sei eben ein glücklicher Zufall, dass er bereits mit acht Jahren entdeckte, was er am besten kann und sich nie über einen Beruf Gedanken machen musste.

Das ist tief gestapelt von dem außerordentlich talentierten jungen Mann. Denn sollte die Weltmeisterschaft, die an diesem Donnerstag in der indischen Stadt Chennai vor 30?000 Zuschauern eröffnet wird, laufen wie erwartet, wird Magnus Carlsen im Schach alles erreicht haben, was man erreichen kann.

Carlsen steht längst auf Platz 1 der Weltrangliste. Seine Elozahl, das Bewertungssystem der Schachspieler, ist 2?870, der höchste je erzielte Wert. Ihm fehlt nur noch der Weltmeistertitel. Dazu muss er den seit 13 Jahren amtierenden Titelträger Viswanathan Anand schlagen. Der 44-jährige Inder ist nur noch die Nummer acht. Die letzte Partie gegen Carlsen im Juni in Moskau verlor Anand gar in zwei Stunden. Eine Demütigung.

Kein Großmeister war körperlich fitter

Carlsen setzt nicht auf ausgetüftelte Analysen. Dafür versteht er es wie kein anderer, aus Stellungen, die andere remis geben, noch manchen Sieg zu quetschen. Aber nicht nur dadurch unterscheidet er sich von anderen Schachmeistern. Aus seinem Vorbereitungscamp hat Carlsen ein Foto von sich auf Facebook gepostet, das ihn bei einem Sprung aus fünf Metern Höhe ins Meer zeigt.

Carlsen ist begeisterter Sportler, kein Großmeister war körperlich fitter. Der Norweger sucht sogar seine Trainer danach aus, ob sie Fußball, Basketball und Tennis mit ihm spielen können. So verwundert es wenig, dass eine große Jeansmarke den wohlgeformten Jüngling 2011 als Model für ihre Kampagne verpflichtete.

Coolness gelingt Carlsen auch am Brett. Nur bei der WM-Qualifikation in London zeigte er Nerven. Zum Glück ging es seinem Gegner Wladimir Kramnik ähnlich. So steht erstmals seit 1921 kein Russe im Finale.

Der Austragungsort in Indien behagt Carlsen allerdings wenig. Nicht weil es Anands Heimatstadt ist oder andere Städte womöglich mehr als die 1,9 Millionen Euro Preisgeld geboten hätten. Der Nordeuropäer fürchtet das schwülfeuchte Klima. Darum hat er sich zum einen einen eigenen Koch mitgebracht. Zum anderen hat er sich bereits schattige Plätze zum Fußballspielen ausgeguckt, wo er sich an den spielfreien Tagen austoben kann. Vielleicht ist er eben doch eher der Lionel Messi des Schachs.