Die königsblaue Aufstiegsparty ging erst in den Morgenstunden zu Ende. Mit ähnlicher Energie wie zuvor beim Happy End im 3:2 (0:2)-Drama über den FC St. Pauli ließen es die Schalker Profis mächtig krachen. Bis kurz vor acht in der Früh hielten Matchwinner Simon Terodde und weitere Mitstreiter durch, ehe sie die heimische Arena glückselig verließen. Sichtlich bewegt wertete Trainer Mike Büskens die Rückkehr ins Fußball-Oberhaus als Meilenstein in der ereignisreichen Historie des Kultclubs: „Von diesem Abend werden wir noch in ein, zwei Jahrzehnten reden. Es freut mich für diesen Verein, der in den letzten Jahren viel gelitten hat.“

Noch am Morgen nach dem für alle Schalker magischen Event verspürte Peter Knäbel Hochgefühle. „Es läuft mir jetzt noch den Rücken runter“, sagte der Sportvorstand. Der gemeinsame Jubel der Profis mit den Fans vertrieb all seine Sorgen der vergangenen Wochen: „Dieses vereinte Schalke hat seine Kraft und seinen Sinn wiedergefunden. Schalke ist einfach mehr. Und dieses Mehr hat man gestern gesehen.“ Sportdirektor Rouven Schröder wählte ähnlich pathetische Worte: „Schalke 04 lebt wieder.“

2000 Schalker Fans stürmen den Platz

Schon beim Start in die Partynacht unmittelbar nach dem Schlusspfiff entlud sich der immense Erfolgsdruck. Torjäger Terodde sank auf den Rasen und weinte Tränen der Freude. Die rund 2000 Fans, die zum Leidwesen der Sicherheitskräfte den Platz stürmten, sicherten sich in erster Euphorie Stücke des Rasens und der Tornetze. „Es musste genau so kommen, wie es heute gekommen ist für die Schalker Seele. Unfassbar, was hier abgegangen ist“, kommentierte Schröder, der ein T-Shirt mit der Aufschrift „Glück Auf Steiger“ trug.

Der Verlauf der Partie passte zum wechselhaften Saisonverlauf des Revierklubs, der noch im Dezember als Tabellenachter abgeschlagen schien. Nach dem frühen Doppelpack von Igor Matanovic lag der Spitzenreiter mit 0:2 hinten, bewahrte aber die Nerven und machte nach Treffern von Terodde kurz nach der Pause und per Foulelfmeter sowie des ehemaligen St. Pauli-Profis Rodrigo Zalazar den insgesamt vierten Bundesliga-Aufstieg perfekt. „Das Gefühl ist unglaublich. Es war unser Traum. Dafür mussten wir kämpfen, man bekommt es nicht geschenkt“, kommentierte Büskens.

Leicht gefallen ist dieser Aufstieg wahrlich nicht. Die Trennung von Hauptsponsor Gazprom aufgrund des russischen Einmarschs in der Ukraine brachte zwar viel Zustimmung ein, war der ohnehin angespannten Finanzlage des Revierklubs aber eher wenig zuträglich. Dass nur wenige Tage später Chefcoach Dimitrios Grammozis nach der 3:4-Heimschlappe gegen Hansa Rostock seinen Hut nehmen musste, sorgte dann auch für ein sportliches Beben.

Mike Büskens ist das Gesicht des Schalker Aufstiegs

Die zunächst von Skepsis begleitete Beförderung von Büskens vom Co-Trainer zum Chefcoach erwies sich als kluger Schachzug. Sieben Siege in acht Spielen unter der Regie des ehemaligen Profis ebneten den Weg zurück in standesgemäße Regionen. „Er hat einen unfassbaren Job gemacht und ist das Gesicht dieses Aufschwungs“, lobte Knäbel. Nach Einschätzung des in Gelsenkirchen als Jahrhunderttrainer verehrten Huub Stevens, der zusammen mit seinen „Eurofightern“ zum 25. Jubiläum des Uefa-Cup-Sieges von 1997 im Stadion weilte, ist Büskens gar „Hüter der Schalker Kultur“.

Zur Freude von Knäbel schafft der bereits am zweitletzten Spieltag gesicherte Aufstieg Planungssicherheit. „Jetzt können wir uns auf die kommende Bundesliga-Saison vorbereiten und wissen, was wir zu tun haben. Das nimmt einem den Druck“, sagte der Sportvorstand. Für ihn und seine Mitstreiter aus der Schalker Chefetage ist die Suche nach einem neuen Trainer und nach Verstärkungen leichter geworden: „Seit gestern Abend sind wir eine noch schönere Braut.“

Wer den FC Schalke 04 nun in die Bundesliga begleitet, wird sich erst am letzten Spieltag erweisen.