Berlin - Huub Stevens verabschiedete sich auf seine Art von seiner Kurzzeit-Mission als Schalke-Trainer, die Christian Gross fortführen soll. „Ich hoffe, dass ich meine Lizenz nicht noch einmal verlängern muss und bis Januar ein neuer Trainer gefunden ist“, sagte der 67-Jährige nach dem 3:1-Erfolg gegen den Regionalligisten SSV Ulm, mit dem der gebeutelte Traditionsclub am Dienstag das Achtelfinale des DFB-Pokals erreichte. Das war natürlich pure Ironie.

Der Aufsichtsrat machte am Mittwochabend den Weg frei für die Verpflichtung des neuen Chefcoaches, der in dieser Saison bereits der vierte Verantwortliche auf der Bank der Gelsenkirchener wäre. Dem Vernehmen nach soll Gross nur ein geringes Grundgehalt beziehen, dafür aber im Falle des Klassenerhalts eine üppige Prämie kassieren. Kurz nach den Weihnachtstagen soll Gross zum ersten Mal das Training der Schalker leiten.

Der 66 Jahre alte Schweizer gilt als ähnlich harter Hund wie Schalkes „Jahrhunderttrainer“ Stevens und dürfte Schneiders letzte Chance sein. Sollte Gross als vierter Schalke-Coach in dieser Saison den taumelnden Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga nicht vor dem Abstieg bewahren können, scheint Schneider kaum mehr zu halten. Neben dem neuen Trainer, dessen Verpflichtung in den kommenden Tagen fix gemacht werden soll, stehen auch noch Baum und dessen Vorgänger David Wagner auf der Gehaltsliste des klammen Revierclubs.

Die Aufgabe für Gross, den Schneider aus gemeinsamen Zeiten beim VfB Stuttgart (2009 - 2010) kennt, könnte schwieriger nicht sein. Daran änderte auch der Pflichtsieg am Dienstag im Pokal gegen den Viertligisten nichts. „Jeder Sieg hilft“, sagte Stevens zwar, und Doppeltorschütze Benito Raman (51./63.) merkte an: „Es war sehr wichtig, dass wir dieses schwierige Jahr mit einem Erfolgserlebnis beenden konnten.“ Auch Stevens hatte den Schalker Absturz in der Liga aber zuvor nicht aufhalten können.

Nach der jüngsten 0:1-Heimpleite gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld liegen die Schalker bereits sechs Punkte hinter dem Relegationsplatz 16. Der Bundesliga-Negativrekord von Tasmania Berlin mit 31 Spielen ohne Sieg ist für den Traditionsclub nicht mehr weit entfernt. Im gesamten Jahr 2020 gelang Schalke nur ein Bundesligasieg, am 17. Januar beim 2:0 gegen Borussia Mönchengladbach. Ein Sieg, zehn Unentschieden und 19 Niederlagen lautet die Horror-Bilanz in der Bundesliga im Jahr 2020. Tordifferenz: - 56. Da konnte auch der Sieg gegen den kraftlosen Regionalligisten Ulm im Pokal am Dienstag nur schwer drüber hinwegtrösten.

Noch im alten Jahr, am 28. Dezember soll Gross, der zuletzt in Ägypten und Saudi-Arabien beschäftigt war, erstmals das Schalker Training leiten. Am 2. Januar bei Hertha BSC geht es dann schon wieder in der Bundesliga weiter. Alexander Zorniger und Friedhelm Funkel, die ebenfalls zuletzt als ernsthafte Kandidaten gehandelt waren, hatten am Ende das Nachsehen.