Die Schiedsrichter in den unteren Berliner Fußball-Klassen sollen besser vor Übergriffen geschützt werden
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BerlinEntspannung auf Berlins Fußballplätzen? Derzeit herrscht ja meistenteils ohnehin kein Spielbetrieb, Winterpause, doch generell betrachtet und tendenziell gesehen meint Schiedsrichter-Chef Jörg Wehling vom Berliner Fußball-Verband (BFV), dass man sich auf einem guten Weg befinde:  „Es wird auf vielfältigem Wege aufgearbeitet“, hat er  rbb24.de gesagt. Arbeitsgruppen seien entstanden mit vielen Beteiligten, dazu würden Themen gesetzt auch für den nächsten Beirat im Juni. „Eigentlich muss so bis April etwas Beschlussfähiges auf dem Papier stehen. Das macht mich doch schon ganz optimistisch.“

Veständnis für Schiedsrichter soll wachsen

Bereits im vergangenen Jahr wurden Maßnahmen beschlossen, nachdem sich Übergriffe häuften und in einer Partie des Berlin-Ligisten Al Dersimspor ein Unparteiischer massiv attackiert worden war. So soll unter anderem der Heimverein künftig bei Spielen zwei Ordner stellen, so dass der Schiedsrichter nicht auf sich allein gestellt ist. Außerdem sollen die Mannschaften Kurse in Regelkunde abhalten - in der Hoffnung, dass dadurch das Verständnis für Entscheidungen der Schiedsrichter wächst.

Bislang ist die Regelschulung keine Pflicht, aber es gibt Vereine, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind. Schiedsrichtersprecher Ralf Kisting hat seinerzeit ein sehr positives Beispiel genannt: „Beim Berliner SC wird eine Regelschulung schon in der C-Jugend durchgeführt. Dort konnten danach sogar sechs junge Schiedsrichter gewonnen werden."

Dass die Zeit drängt, beweist die Statistik. In Berlin stieg die Anzahl der Vorfälle bereits um 20 Prozent, in der Vorsaison sei bereits jeder siebte Schiedsrichter Opfer von Angriffen geworden, sagt Kisting. Verbale Beleidigungen sind an der Tagesordnung, außerdem sehen sich die Referees zunehmend körperlichen Attacken ausgesetzt. Vor allem junge Schiedsrichter haben Angst, Spiele bestimmter Vereine zu pfeifen.

"Die Gewalt hat uns wahnsinnig verfolgt in den vergangenen Wochen und Monaten. Auch nach unserem Ausstand“, sagt Jörg Wehling nun: „Ich glaube, dass bis Ende Januar alle Vorgänge, die im November und Dezember auf den Sportplätzen Berlins passiert sind, noch im Sportgericht aufgearbeitet werden müssen.“

Wehling hat auch bei den unmittelbar Beteiligen ein Umdenken festgestellt. „Ich glaube, dass viele Vereine begriffen haben, dass wir Schiedsrichter benötigen, denn ohne sie bekommen wir Fußball gar nicht organisiert. Es hat den ein oder anderen Verein gegeben, der in den vergangenen Wochen gesagt hat: ,Macht gerne Lehrgänge bei uns.'“

Da ist schon ein Prozess im Gange, darüber nachzudenken, welche Rolle der Schiedsrichter auf dem Platz spielt.

Jörg Wehling

Wehling nannte den Bundesligisten Hertha BSC, der die Schiedsrichter sehr unterstützt habe und den Berliner AK, „aber auch Vereine wie Berolina Stralau. Da ist schon ein Prozess im Gange, darüber nachzudenken, welche Rolle der Schiedsrichter auf dem Platz spielt. Er dient nicht nur als Fußmatte zum Abtreten des eigenen Ärgers.“