Berlin - Es lässt sich so schön schimpfen als Fußballfan. Drei verschiedene Bezahl-Abos braucht man mittlerweile als Sportinteressierter, um Spitzenkickern zuzuschauen: Sky und DAZN für die Bundesliga, DAZN und nun plötzlich auch Amazon Prime für die Champions League. Wer blickt da noch durch? Selbst die Dritte Liga (Magenta Sport) oder zweitklassige Europapokale (TV Now) gibt’s nur im Pay-TV.

Da lässt es sich wunderbar meckern über gierige Funktionäre, die mit Übertragungsrechten Millionen scheffeln und sich scheinbar nicht um die Zerstückelung ihres Sports aus der Zuschauersicht scheren. Der europäische Fußball-Verband UEFA, der die Champions League vermarktet, hat sich schon mit einer Europameisterschaft in zehn Ländern mit teils vollen Stadien in der Pandemie unbeliebt gemacht.

Den Volkssport Fußball hinter vielen verschiedenen Bezahlschranken verschwinden zu lassen, trägt sicher nicht dazu bei, ihn weniger abgehoben wirken zu lassen oder neue Generationen für sich zu gewinnen.

Aber bei aller Empörung: Wohin wandert denn das viele TV-Geld? Nicht jeder Funktionär ist korrupt, die meisten Beträge leiten Verbände weiter an ihre Mitglieder: Unterverbände, Vereine und Spieler. Vor allem Stars und ihre Berater streichen enorme Summen ein, fordern bei jeder Verhandlung viel. Einem Messi oder Ronaldo wird es selten vorgehalten, dass sie meist hinter Bezahlschranken spielen.

Irgendwie müssen Vereine und Verbände es gegenfinanzieren, wenn Stars nicht freiwillig verzichten. Die Fans machen ja auch mit: Sie wollen Top-Leistungen, feiern es, wenn Stars kommen oder bleiben. Sie sehen gern zu, am liebsten bequem am Fernseher. Sie meckern zwar, aber zahlen am Ende doch.

Es ist ein Spiel von Angebot und Nachfrage. Wer über 40 Euro im Monat für Abos zahlt, um alle Stars zu sehen, dem ist es das wohl wert. Oder man geht zum Amateurfußball. Da kann man auch schön schimpfen.